Umfassende Analyse der Nachhaltigkeitsleistungen
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat den ersten Nachhaltigkeitsbericht der deutschen Landwirtschaft vorgestellt. Der Bericht mit dem Titel „DLG-Nachhaltigkeitsbericht 2015 - Landwirtschaft in Deutschland“ beleuchtet die Nachhaltigkeit anhand von Kennzahlen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlicher Verantwortung. Ein speziell entwickelter, aggregierter Nachhaltigkeitsindex, bestehend aus drei Indikatoren, ermöglicht die schnelle Erfassung der Nachhaltigkeitsentwicklung in der Landwirtschaft.
Die Grundlage des Berichts bildet eine umfassende Studie zur Nachhaltigkeit der Landwirtschaft in Deutschland. Diese entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Agribusiness (IAB) und dem Institut für Agrarpolitik und Marktforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Die Landwirtschaft ist wie kein anderer Wirtschaftszweig auf natürliche Ressourcen angewiesen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, diese Existenzgrundlage nachhaltig zu bewirtschaften. Der heute vorgelegte Bericht zeigt auf, was die deutschen Landwirte bereits erreicht haben, aber auch, wo die wesentlichen Herausforderungen für die Zukunft liegen.
Für die Ermittlung der Nachhaltigkeitsleistungen wurden 23 Einzelindikatoren ausgewählt. Diese basieren auf verlässlichen, gut dokumentierten und lange Zeiträume umfassenden Statistiken. Die Indikatoren decken die Bereiche Umweltverträglichkeit (z.B. Flächenverbrauch, Stickstoffeintrag, Grundwasserbelastung), ökonomische Effizienz (z.B. Flächenproduktivität, Milchleistung, Bruttowertschöpfung) sowie soziale Akzeptanz (z.B. Ausbildung, Entwicklungshilfe) ab.
Die Analyse umfasste nicht nur Kennzahlen, sondern auch die Ergebnisse einer Umfrage unter 622 Landwirten zur Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit für Landwirte eine hohe Relevanz besitzt und sich dies in ihrem Handeln für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft widerspiegelt.
Entwicklung der Nachhaltigkeit und Handlungsfelder
Im Beobachtungszeitraum hat sich die Nachhaltigkeit der deutschen Landwirtschaft verbessert. Auch für die Zukunft besteht Potenzial für weitere Fortschritte. So konnten die Energieeffizienz und die Treibhausgasemissionen leicht optimiert werden. Die Stickstoffbilanz auf landwirtschaftlichen Nutzflächen weist eine tendenzielle Verringerung der Stickstoffüberschüsse auf. Es bleibt abzuwarten, ob sich der seit 2010 beobachtete leichte Anstieg des Stickstoffüberschusses bestätigt.
Die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Grundwasser und Lebensmitteln konnten erheblich reduziert werden. Die Flächenproduktivität zeigte einen leichten, die Milchleistung der Kühe einen stärkeren Aufwärtstrend, ebenso wie die Futterverwertung bei Mastschweinen. Handlungsbedarf besteht weiterhin im Bereich der Biodiversität, da der herangezogene Vogelindikator rückläufige Werte aufweist.
Für eine umfassende Betrachtung der Nachhaltigkeit ist auch die Tiergerechtheit relevant. Hierfür existieren auf Bundesebene keine geeigneten Indikatoren oder Datensätze, deren Entwicklung und Erfassung im Rahmen der nationalen Berichterstattung als notwendig erachtet wird. Aktuelle Initiativen aus Forschung, Branche, Nichtregierungsorganisationen und Politik zielen darauf ab, die Tiergerechtheit stärker in der Nutztierhaltung zu verankern und dies in der Gesellschaft zu kommunizieren.
Ein weiterer Handlungsbedarf besteht bei der Flächeninanspruchnahme, insbesondere durch Siedlungs- und Verkehrswegebau. Der tägliche Verlust an Landwirtschaftsfläche konnte von 140 Hektar im Jahr 2000 auf etwa 85 Hektar im Jahr 2012 reduziert werden. Dies entspricht jedoch immer noch der Fläche von zwei bis drei landwirtschaftlichen Betrieben und ist mittel- bis langfristig nicht tragbar.
Im Bereich der Ausbildung und beruflichen Qualifikation der Landwirte zeigt sich ein gemischtes Bild: Seit 2008 nimmt die Ausbildungsquote leicht ab, während sich die Qualifikationen verbessern, was sich in steigenden Abschlusszahlen an Fachschulen und Hochschulen sowie einer zunehmenden wissenschaftlichen Qualifikation des Branchennachwuchses widerspiegelt.
Mit diesem Bericht wurde eine wichtige Grundlage geschaffen, den Status quo sowie die Zukunftsperspektiven einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung aufzuzeigen und zu diskutieren.
Im nächsten Schritt sollen das Datenaufkommen erweitert und das Bild durch weitere Indikatoren abgerundet werden.
Nachhaltigkeitsindex zur Orientierung
Die DLG schafft mit den gewonnenen Erkenntnissen die Grundlage für einen aggregierten Nachhaltigkeitsindex. Dieser soll zukünftig fortgeschrieben werden und Einblick in den Entwicklungsfortschritt sowie den Handlungsbedarf geben. Der statistische Messwert setzt sich aus drei Nachhaltigkeitsindikatoren zusammen: Umweltverträglichkeit, ökonomische Effizienz und soziale Akzeptanz.
Im Zeitraum 1990 bis 2012 ist eine durchschnittliche jährliche Verbesserungsrate der Nachhaltigkeit der deutschen Landwirtschaft in Höhe von 2,1 % feststellbar.
Der vollständige Nachhaltigkeitsbericht der Deutschen Landwirtschaft sowie eine Kurzfassung stehen online zum Download bereit. Ein begleitender Erklärfilm bietet zudem einen Überblick über die Aspekte der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und beleuchtet die Bedeutung der Landwirtschaft in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht.
