Die Grüne Stadt

Das Schwammstadt-Prinzip für Bäume: Eine Lösung für urbane Herausforderungen

Das Schwammstadt-Prinzip, das Regenwasser in unversiegelten Flächen speichert, wird in Österreich für Bäume weiterentwickelt. Ein Projekt in Wien zeigt, wie Bäume optimale Wachstumsbedingungen erhalten und gleichzeitig urbane Herausforderungen meistern.

Schwammstadt-Prinzip für Bäume: Wiener Pilotprojekt

Die jüngsten Sommerperioden mit Hitze, Trockenheit und extremen Niederschlägen haben die Diskussion um die Schwammstadt intensiviert. Dieses Konzept zielt darauf ab, Regenwasser nicht direkt in die Kanalisation abzuleiten, sondern in unversiegelten Flächen oder Sickerbecken zu speichern. Eine vielversprechende Weiterentwicklung dieses Prinzips, insbesondere in Kombination mit Bäumen, wird derzeit in Österreich erprobt.

Ein Beispiel hierfür ist das 2017 gestartete Projekt im „Quartier am Seebogen“ der Seestadt Aspern in Wien. Auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern wurde ein duales Entwässerungssystem nach dem „Schwammstadt-Prinzip für Bäume“ implementiert. Daniel Zimmermann von 3.0 Landschaftsarchitektur, der das Projekt mit Partnern nach schwedischem Vorbild entwickelte, betont die Rolle der Bäume:

Damit Bäume optimal wachsen können, brauchen sie viel mehr Volumen, meist ist der Untergrund überverdichtet und durch Leitungen und Rohre dominiert.

Er kritisiert, dass viele Straßenbäume in zu kleinen Pflanzlöchern vegetieren und oft nur eine Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren haben, was er als zu kurz bewertet.

Optimale Bedingungen für Stadtbäume

Im Wiener Projekt erhalten 330 Bäume eine verbesserte Untergrundsituation. Es wurden zehn klimaresistente Baumarten ausgewählt, darunter Amerikanische Weißesche, Resista-Ulme, Ungarische Linde, fruchtlose Maulbeere und Feld-Ahorn. Einige dieser Arten sind auch auf der Zukunftsbaumliste der deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) zu finden.

Duale Tiefbeete aus Beton, die ein unterirdisches Mehrkammersystem bilden, speichern das Wasser. Nach einer Vorreinigung in zwei Becken steht das aufbereitete Wasser im dritten Becken den Bäumen zur Verfügung. Diese Retentionsräume nehmen Niederschläge auf und speichern sie, was besonders in Trockenperioden von Vorteil ist. Der Untergrund ist mit einer Mischung aus Grobschlag, Feinsplitt, Substraten und Pflanzkohle gefüllt, um ein luft- und wasserdurchlässiges Porensystem für die Wurzeln zu gewährleisten.

Jeder Baum verfügt über ein Pflanzloch von mindestens 35 Kubikmetern. Ein größerer Wurzelraum fördert die Langlebigkeit und Gesundheit des Baumes sowie die Entwicklung einer kräftigen Krone. Große Baumkronen sind wichtig als Schattenspender und tragen durch Verdunstung zur Kühlung bei, ohne technischen Wartungsaufwand.

Zimmermann prognostiziert, dass die Bäume in Aspern nach etwa zehn Jahren 20 Prozent und später bis zu 40 Prozent Überschattung bieten werden.

Ein Kreislauf mit doppelter Wirkung

Der Unterbau schafft optimale Wachstumsbedingungen und erfüllt gleichzeitig die technischen Anforderungen des Straßenbaus. Die Oberflächengestaltung um die Bäume, ergänzt durch passende Bepflanzung, weist auf die unterirdischen Schwammstadt-Elemente hin. Dieses System bietet eine doppelte Absicherung gegen Wetterextreme:

  • Reduzierung oder Vermeidung von Hitzeinseln.
  • Vorsorge gegen Überflutungen bei extremen Niederschlägen.

Es handelt sich somit um lokalen Hochwasserschutz und Wasserrückhalt, der den Bäumen zugutekommt – ein Kreislauf. Das System in Aspern wird derzeit wissenschaftlich begleitet.

Daniel Zimmermann, Gründungsmitglied des „Arbeitskreises Schwammstadt“, ist überzeugt, dass das Wiener Modell trotz anfänglicher Investitionen über Österreich hinaus Anwendung finden wird:

Klimawandel-Anpassung ist das Gebot der Stunde, wir Landschaftsarchitekten schaffen das – mit Hilfe der Bäume. Wir brauchen aber mehr Unterstützung und angewandte Feldforschung, wie bei unserem Projekt in Graz, 'Multifunktionaler Wurzelraum' (MUFUWU).

Das Pilotprojekt „Schwammstadt für Bäume“ in Wien stellt ein Modell zur Förderung grüner Stadtentwicklung dar.

07.02.2022

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