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Weinjahrgang 2023: Zwischen klimatischen Herausforderungen und politischen Debatten

Der Weinjahrgang 2023 war geprägt von vielversprechenden Ansätzen und erheblichen Herausforderungen, sowohl durch das Wetter als auch durch politische Diskussionen auf EU-Ebene. Winzer mussten sich an wechselnde Bedingungen anpassen, während der Badische Weinbauverband über die aktuelle Situation informierte.

Klimatische Bedingungen und ihre Auswirkungen auf den Jahrgang

Präsident Rainer Zeller beschrieb den Jahrgang 2023 als vielversprechend und herausfordernd zugleich. Geschäftsführer Holger Klein gab detaillierte Einblicke in die Entwicklung. Austrieb und Blüte, die um den 18. April bzw. 6. bis 8. Juni stattfanden, verliefen unter stabilen Witterungsbedingungen und schufen gute Voraussetzungen.

Eine lange Trockenphase im Mai und Juni hielt den Druck von Pilzkrankheiten wie Peronospora und Oidium weitgehend in Grenzen. Obwohl es anfänglich Bedenken gab, blieben diese aufgrund der stabilen und trockenen Verhältnisse unbegründet. Die Winzer mussten in dieser Zeit insbesondere Junganlagen bewässern, während ältere Anlagen von ihrem tiefgehenden Wurzelwerk profitierten.

Zwischen Ende Juli und Anfang August setzte der lang ersehnte Regen ein, der die Reben ausreichend mit Wasser versorgte. Kühle Temperaturen Anfang August verlangsamten zwar die physiologische Reife, doch die gute Wasserversorgung sicherte die Ertragsaussichten.

Regionale Starkwetterereignisse, insbesondere Hagelschäden am 24. Juli und 24. August im Markgräflerland, beeinträchtigten über 1.000 Hektar Rebfläche. Die betroffenen Anlagen zeigten einen verzögerten Reifeverlauf. Eine anschließende Trockenphase mit hochsommerlichen Temperaturen führte jedoch dazu, dass verletzte Beeren austrocknen und abfallen konnten. Auch der Rückstand bei den Mostgewichten konnte weitgehend aufgeholt werden.

Der Reifebeginn der Trauben lag 2023 nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (zweite Augustwoche). Die Laubwände waren vor der Lese gesund und vital, was gute Voraussetzungen für Qualität und Ertrag bot. Winzer, die ihre Anlagen auf moderate Erträge ausgerichtet und qualitätsfördernde Maßnahmen ergriffen hatten, werden laut Klein belohnt.

Um gesundes Lesegut mit moderaten Alkohol- und stabilen Säurewerten zu erhalten, werden die Winzer nach den ersten hochsommerlichen Septemberwochen zügig lesen. In hagelbetroffenen Anlagen erfolgte eine Vorselektion oder sehr selektive Lese, was den Arbeitsaufwand und die Kosten erhöhte. Auch geschädigte Trauben durch Sonnenbrand oder Insektenfraß werden entfernt.

Der Badische Weinbauverband rechnet aktuell mit einem potenziellen Ertrag im langjährigen Mittel, also zwischen 100 und 120 Millionen Litern. Eine genaue Angabe zur Erntemenge hängt jedoch von den weiteren Witterungsbedingungen ab.

Politische Debatten um Pflanzenschutz und Kulturlandschaft im Weinbau

Neben den klimatischen Bedingungen beschäftigen die Winzer auch politische Entwicklungen. Präsident Zeller bezeichnete die Vorstöße einiger EU-Parlamentarier, ein Komplettverbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten durchzusetzen, als wesentlich herausfordernder.

Er sieht zwar ein wachsendes Verständnis der Politik für die Anliegen des Weinbaus, kritisiert aber das ideologisch geprägte Vorgehen einiger EU-Parlamentarier. Eine entsprechende EU-Verordnung könnte den Weinbau auf 30 Prozent der Landesfläche nahezu unmöglich machen. Zeller betonte die Bedeutung des Weinbaus für den Erhalt der Kulturlandschaft, das Leben in ländlichen Räumen und den Tourismus.

Er rief Winzer, Politik und Gesellschaft auf, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, um die vom Weinbau geprägte Kulturlandschaft für künftige Generationen zu erhalten. Die Winzer hätten mit der Umsetzung der Vorgaben aus dem Biodiversitätsstärkungsgesetz bewiesen, dass sie sich wichtigen Zukunftsthemen nicht verschließen. Der in Baden-Württemberg eingeschlagene Weg, Biodiversität und Weinbaukulturlandschaften gleichermaßen zu erhalten, sieht Zeller als Blaupause für Deutschland und die EU.

Weinbauminister Peter Hauk äußerte sich vorsichtig optimistisch hinsichtlich der Diskussionen in Brüssel. Er kündigte Unterstützung für die Branche in Form eines Strategieprozesses Weinbau an, der gemeinsam mit den Verbänden ein gesamtgesellschaftliches Konzept zum Erhalt des Weinbaus und der Kulturlandschaft erarbeiten soll.

Den klimatischen Veränderungen möchte der Minister nach bayerischem Vorbild mit einem Angebot für eine umfassende Mehrgefahrenversicherung begegnen, wobei die finanzielle Situation des Landeshaushalts noch zu klären sei. Hauk lobte den Fortschritt im Weinbau hinsichtlich der Reduktionsziele des Biodiversitätsstärkungsgesetzes, betonte jedoch, dass aufgrund der unterschiedlichen Witterungsbedingungen nicht in jedem Jahrgang eine weitere Reduktion zu erwarten sei.

16.09.2023

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