Die Grüne Stadt

Einarten-Alleen vermeiden: Klimaresistente Bäume für den urbanen Raum

Städte stehen vor der Herausforderung, ihren Baumbestand klimaresistent zu gestalten. Eine Fachtagung in Erfurt beleuchtete die Notwendigkeit von Neupflanzungen und die Anpassung des Artenspektrums, um urbane Räume zu kühlen und die Biodiversität zu fördern.

Herausforderungen und notwendige Maßnahmen für den Baumbestand

Nach Berechnungen von Stephan Wunder, Abteilungsleiter Flächenmanagement in Erfurt, sind jährlich etwa 900 Neupflanzungen in der Stadt erforderlich. Hinzu kommen Ersatzpflanzungen für rund 1500 gefällte Bäume pro Jahr. Andreas Schulz vom Fachverband bestätigte, dass auch andere Kommunen vor einer Welle notwendiger Nachpflanzungen stehen. Hierfür sei die Bereitstellung von Geldern, Strukturen und Arbeitskräften in allen Städten unerlässlich.

In Erfurt werden Einarten-Alleen, bei denen alle Bäume gleichzeitig gepflanzt wurden, bei Ausfällen nun individuell nachgepflanzt, wobei die Baumart variiert. Dies soll einem Komplettausfall durch Schädlingsbefall oder Schwächeparasiten vorbeugen und den Baumbestand sukzessive verjüngen. Die Anlage von gleichartigen und gleichförmigen Einarten-Alleen soll zukünftig vermieden werden. Stattdessen soll der Fokus auf baumgerechte Standorte mit größeren Baumabständen gelegt werden.

Anpassung an den Klimawandel und Baumartenvielfalt

Jens Düring, Abteilungsleiter Naturschutz/Landschaftspflege in Erfurt, betonte die Notwendigkeit, das Artenspektrum an den prognostizierten Klimawandel anzupassen, um Städte durch Begrünung zu kühlen. Viele heimische Baumarten wie Eschen, Sommerlinden, Berg- und Spitzahorn halten den städtischen Bedingungen bereits nicht mehr stand. In Abstimmung mit Naturschutzorganisationen werden gezielt auch nicht heimische Bäume eingesetzt, um eine größere Vielfalt und höhere Baumartenverteilung zu erreichen.

Dr. Gerd Reidenbach, Referatsleiter im Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, stellte aktuelle Versuche zu Klimabäumen vor. Er sprach sich ebenfalls für einen „Mischwald in der Stadt“ aus. Zudem hob er hervor, dass bei Straßenbäumen die Veredlungsunterlage und die Nachzucht aus Sämlingen entscheidend für den dauerhaften Erfolg der Pflanzen am Standort sind. Dies wurde von Jörg Cremer, dem Vorsitzenden des Fachverbandes geprüfter Baumpfleger, bestätigt. Er wies darauf hin, dass die Veredlungsstelle bei nicht passender Pfropfung teilweise auseinanderbrechen kann.

20.09.2021

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