Engagement des VGL Bayern für Integration und Fachkräftesicherung
Der Verband Garten- und Landschaftsbau Bayern e. V. (VGL Bayern) engagiert sich aktiv in der Integration von Geflüchteten, um dem Fachkräftemangel im Garten- und Landschaftsbau entgegenzuwirken. Seit Mai 2016 unterstützt Theresia Hirschbeck als Willkommenslotsin die Mitgliedsbetriebe bei der betrieblichen Integration von Flüchtlingen. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchs- und Arbeitskräftesicherung in der Branche.
Theresia Hirschbeck, eine studierte Landschaftsarchitektin, bringt umfassende Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit mit. Bereits seit November 2014 engagiert sie sich ehrenamtlich für die Organisation "Hilfe von Mensch zu Mensch e. V." in Freising. Dort leitete sie Sprachkurse, organisierte interkulturelle Veranstaltungen und begleitete Geflüchtete zu wichtigen Terminen. Erste Kontakte zum VGL Bayern knüpfte sie 2014 auf der Landesgartenschau in Deggendorf, wo sie eine Ausstellung des Bayerischen Umweltministeriums betreute.
Die Motivation für ihr Engagement als Willkommenslotsin im VGL Bayern beschreibt Hirschbeck wie folgt:
Durch die positive Aufnahme und die Förderung zugewanderter Menschen können wir einen nachhaltigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Denn es ist genauso wichtig, zuverlässige Mitarbeiter zu finden und zu binden, wie für Geflüchtete passende Ausbildungs- und Arbeitsplätze bereitzustellen. Viele Firmen schrecken vor den bürokratischen Hürden bei der Einstellung eines Asylsuchenden jedoch zurück oder finden schlichtweg – herkunfts-unabhängig – keine neuen Mitarbeiter. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, dass der Verband eine koordinierende, zentrale Anlaufstelle geschaffen hat, die Firmen bei der Integration von Flüchtlingen unterstützt. Das erleichtert die gesellschaftliche Anerkennung der Flüchtlinge und stellt gleichzeitig eine große Chance für die Nachwuchssicherung im GaLaBau dar.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Mitgliedsunternehmen zu beraten und zu unterstützen, potenzielle Fachkräfte unter den Geflüchteten zu identifizieren und erfolgreich in die Betriebe zu integrieren. Dies umfasst auch die Klärung rechtlicher Grundlagen und die Information über Fördermöglichkeiten.
Eine im Mai durchgeführte Umfrage unter den VGL-Mitgliedern zeigte ein hohes Interesse an der Beschäftigung von Geflüchteten. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe ist bereit, eine geflüchtete Person einzustellen, und rund drei Viertel stehen einem Orientierungspraktikum offen gegenüber. Für diese Betriebe stellt Theresia Hirschbeck den Kontakt zu geeigneten Flüchtlingen her und klärt über deren Arbeitsmarktzugang je nach Aufenthaltsstatus auf. Wenn Betriebe bereits konkrete Personen im Blick haben, unterstützt sie bei den verwaltungstechnischen Abläufen und der betrieblichen Integration. Häufig gestellte Fragen werden auf der Verbandswebsite unter dem Reiter „Beruf und Karriere“ beantwortet.
Eine zentrale Herausforderung in Hirschbecks Arbeit ist die Vermittlung geeigneter Personen vor Ort. Daher ist die Vernetzung mit anderen Akteuren in der Flüchtlingsarbeit von großer Bedeutung. Schulen erweisen sich dabei als wichtige Kooperationspartner, da sie nicht nur die Berufswünsche ihrer Schüler kennen, sondern auch deren Deutschkenntnisse für Praktika und Ausbildungen einschätzen können.
Erfolgsbeispiele zeigen die Wirksamkeit dieser Zusammenarbeit: Das Staatliche Berufliche Schulzentrum Lindau vermittelte einen Kandidaten aus seinen Berufsintegrationsklassen an die Rudolf Börner Garten- und Landschaftsbau GmbH, wo der Schüler in zweiwöchigen Blöcken Praxiserfahrung sammelt. Ein weiterer junger Mann beginnt ein Schulpraktikum bei Garten- und Landschaftsbau prima-verde in Regensburg, bei dem er einen Tag pro Woche im Betrieb verbringt und an den übrigen Tagen den regulären Unterricht besucht.
Der Vorteil für die Betriebe liegt darin, dass sie die Jugendlichen über einen längeren Zeitraum ohne nennenswerten Verwaltungsaufwand oder Kosten kennenlernen können. Bei beidseitigem Einverständnis kann das Praktikum oft über das gesamte Schuljahr in einem Unternehmen absolviert werden, was eine optimale Vorbereitung auf eine Ausbildung im Folgejahr ermöglicht.
Neben der Zusammenarbeit mit Schulen nutzt Theresia Hirschbeck weitere Wege zur Vermittlung von Geflüchteten, da die Kapazitäten der Schulen begrenzt sind und viele Geflüchtete die Altersgrenze für die Berufsschule bereits überschritten haben. Der Kontakt zu regionalen Helferkreisen ist hierbei entscheidend. So fand die Firma Garten- und Landschaftsbau Alfred Hagn in Frickenhausen einen Praktikanten über diesen Weg.
Weitere wichtige Netzwerkpartner sind Maßnahmenträger der Arbeitsagenturen, wie die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) und die Kolping-Akademie. Diese Einrichtungen bieten bayernweit intensiven Sprachunterricht und bereiten Geflüchtete auf die Berufswelt vor. Sie benötigen stets Unternehmen, in denen die Teilnehmer praktische Erfahrungen sammeln und eine Perspektive auf längerfristige Beschäftigung erhalten können.
Zusätzlich arbeitet Theresia Hirschbeck mit dem Bayerischen Flüchtlingsrat, dem Netzwerk „FiBA – Flüchtlinge in Beruf und Ausbildung“ sowie dem Verein „Tür an Tür“ in Augsburg zusammen. Letzterer koordiniert und initiiert seit 2005 verschiedene Projekte zur Unterstützung und Förderung von Geflüchteten und Personen mit Migrationsgeschichte.

