Forschungsbedarf für die positiven Wirkungen von Grün
Die European Landscape Contractors Association (ELCA), ein Zusammenschluss von 22 nationalen Mitgliedsverbänden aus Europa, setzt sich dafür ein, dass die Europäische Union im Rahmen ihres 8. EU-Forschungsrahmenprogramms 2014-2020 verstärkt Forschungsaktivitäten zum Thema Grün vorsieht und dafür ausreichende Mittel bereitstellt.
Es ist entscheidend, belastbare Fakten über die positiven Wirkungen von Grün auf die Umwelt – einschließlich der Klimaveränderung – und die Gesundheit der Menschen zu bekommen.
Dies betonte ELCA-Präsident Emmanuel Mony. Er hob hervor, dass der Garten- und Landschaftsbau auf solche Forschungsergebnisse angewiesen sei. Mony führte aus, dass Experten im Bereich des Bauens mit Grün wertvolle Beiträge zu einer ressourcenschonenden, umweltfreundlicheren und wettbewerbsfähigeren Wirtschaft leisten könnten. Diese Bereiche sollen laut dem Europa 2020-Konzept der Europäischen Union gefördert werden, wobei die Chancen für anwendungsorientierte Projekte verbessert werden sollen.
Aus den Forschungsergebnissen könnten sich direkte wirtschaftliche Erfolge für Branchen wie den Garten- und Landschaftsbau ergeben. Darüber hinaus seien indirekte ökonomische Erfolge zu erwarten, etwa durch die Entlastung des Gesundheitssystems, verringerte Umweltbelastungen und die Reduzierung von Umweltschäden wie Hochwasser, sowie durch eine geringere Anzahl von Pflanzenausfällen dank besser angepasster Vegetation.
Grundlagen für nachhaltige Stadtentwicklung und Grünraumgestaltung
Der ELCA-Präsident wies darauf hin, dass weiterhin erhebliche Forschungslücken bezüglich der Wirkungen von Pflanzen und Bäumen auf die Umwelt und als Nachhaltigkeitsfaktor bestehen. Die vermuteten Zusammenhänge müssten fundierter erforscht und belegt werden. Dies sei für den Garten- und Landschaftsbau in seinen Arbeitsfeldern unerlässlich, um Lösungsmöglichkeiten anbieten zu können.
Daher sei ein Ausbau der Umweltforschung notwendig, um Fragen zur Klimaveränderung, zu Wechselwirkungen von Biosphäre und menschlicher Gesundheit, zur Erhaltung der Biodiversität sowie zur nachhaltigen Stadtentwicklung und Grünraumgestaltung gezielt beantworten zu können. Erste Forschungsergebnisse deuteten zwar auf eine positive Wirkung von Pflanzen zur Minderung der Feinstaubbelastung hin.
Es besteht aber noch erheblicher Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschungsbedarf, um die Mechanismen der Pflanzen als Feinstaubreduktoren besser zu verstehen und ihr Leistungspotenzial zu beurteilen, damit den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft fundierte Entscheidungshilfen an die Hand gegeben werden können.
Dies erklärte Emmanuel Mony. Durch Forschung müsse auch ermittelt werden, welchen Beitrag die Vegetation zur Minderung der Klimaveränderung leisten kann. Dabei sei es wichtig zu klären, welche Baum- und Pflanzenarten und -sorten zukünftig in europäischen Städten wachsen und an die Klimabedingungen des 21. Jahrhunderts am besten angepasst sind. Ein weiteres Ziel sei die Schaffung einer höheren Biodiversität in urbanen Zonen.
Monetärer Wert von Grün für die Gesundheitsförderung
Ein weiterer Bereich, den ELCA-Präsident Mony ansprach, ist die Verbindung von Grün und Gesundheit. In der Diskussion um die Rentabilität öffentlicher Grünflächen und die Sparpolitik von Städten und Gemeinden hinsichtlich Qualität, Pflege und Erhaltung werde die gesundheitsfördernde Wirkung von Grün bislang kaum thematisiert. Sollten neue Forschungsergebnisse jedoch belastbare Daten liefern, die den monetären und nicht nur den ideellen Wert von Grün im Hinblick auf die Gesundheitsförderung belegen, wären neue Aufträge und wirtschaftliche Aktivitäten für die beteiligten Branchen die logische Konsequenz.
Die ELCA setzt sich daher für die allgemeingültige Festlegung vergleichbarer Standards und Messmethoden ein. Systematische Vergleiche urbaner Grünräume seien bisher nicht oder nur unzureichend durchgeführt worden. Obwohl sich Experten einig sind, dass nur qualitativ hochwertige Grünräume eine gesundheitsfördernde Wirkung erzielen können, gebe es bisher kaum Forschungsarbeiten, die sich konkret mit der ästhetischen Ausstattung dieser Grünräume auseinandersetzen. Es müsse zudem untersucht werden, welche Grünflächen in urbanen Räumen geschaffen werden sollten, um den unterschiedlichen kulturellen Interessen der Nutzer gerecht zu werden.
ELCA-Workshop in Brüssel geplant
Dies ist ein weites Feld für Aktivitäten innerhalb des 8. EU-Forschungsrahmenprogramms.
Mit Blick darauf plant der europäische Verband der Landschaftsgärtner im Mai 2011 einen Workshop in Brüssel mit Wissenschaftlern aus ganz Europa. Emmanuel Mony betonte, es gelte, den Status Quo der Wissenschaft zu diesen Themen zu erheben und Vorschläge für neue, weiterführende Forschungsvorhaben zu erarbeiten.
Die ELCA vertritt die Interessen von rund 80.000 Betrieben. Zu ihren 22 ordentlichen Mitgliedern zählen nationale Verbände aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Russland, Schweden, der Schweiz, Spanien, der Tschechischen Republik und Ungarn. Das European Arboricultural Council (EAC) ist seit Ende 2009 als außerordentliches Mitglied aus Europa bei der ELCA. Assoziierte ELCA-Mitglieder außerhalb Europas sind China, Japan, Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika.