Erholung trotz globaler Unsicherheiten
Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland zeigte im Februar einen Erholungskurs. Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) erreichte mit 48,0 Punkten ein 13-Monatshoch, nach 45,3 Punkten im Januar. Nahezu alle Teilindizes trugen zu diesem Anstieg bei.
Trotz dieser Entwicklung bestehen Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie. Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), äußerte sich optimistisch über den Anstieg des EMI, betonte jedoch die Notwendigkeit, die weitere Entwicklung abzuwarten.
Trotz erster Corona-Fälle in China hat sich der EMI im Februar weiter erholt. Für März ist aber mit einem Rückschlag zu rechnen. Es ist davon auszugehen, dass es zu Produktionseinschränkungen, Ausfall von Lieferketten, weniger Flugverkehr, Verschiebung von Veranstaltungen und Ähnlichem kommen wird. Dies bremst das Sozialprodukt und die Stimmung der Unternehmen. Gelingt es, das Coronavirus bald unter Kontrolle zu bekommen, wären die Rückschläge nur kurzfristig.
Dies kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, zu den aktuellen EMI-Daten. Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, wies darauf hin, dass die Auswirkungen des Coronavirus auf Europa noch nicht vollständig in den Umfragedaten enthalten seien. Er prognostizierte, dass 2020 für Deutschland ein schwieriges Jahr werden könnte, da neben der Automobilindustrie, dem Handelskonflikt mit den USA und der Brexit-Gefahr nun auch das Coronavirus hinzukomme.
Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK, hob hervor, dass die Auswirkungen des Coronavirus bereits zu einem Rückgang von Neuaufträgen aus dem Ausland und verschlechterten Geschäftsaussichten führen. Sie warnte, dass die weitere Ausbreitung des Virus in einer ohnehin geschwächten Wirtschaftslage zu einem Konjunktur-Hemmer werden könnte. Die Verbesserung des Hauptindex sei mit Vorsicht zu genießen, da die Verlängerung der Lieferzeiten aufgrund von Ausfällen in China einen positiven Effekt in der Berechnung habe.
Hinsichtlich der Einkaufspreise stellte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, fest, dass die wichtigsten börsennotierten Rohstoffpreise infolge der Konjunkturabschwächung durch das Coronavirus nachgaben. Auf dem europäischen Markt zogen Stahl- und Stahlschrottpreise jedoch wieder an. Chinas Stahlerzeugung wird voraussichtlich unter das Vorjahresniveau fallen, da nur etwa 65 Prozent der Produktionskapazitäten verfügbar sind und Lieferketten gestört sind. Da China seine Exporte nach Asien und in die Golfregion verringert, kommt die Türkei stärker zum Zuge, was den türkischen Exportdruck auf den kontinentaleuropäischen Markt mindert. Die IKB erwartet daher im zweiten Quartal ein weiteres leichtes Anziehen der Stahlpreise.
Jahresausblick der deutschen Hersteller
Die deutschen Hersteller zeigten sich im Februar vorsichtig optimistisch bezüglich ihrer Produktionsniveaus binnen Jahresfrist. Der entsprechende Teilindex gab gegenüber dem 17-Monatshoch vom Januar leicht nach, was nahezu ausschließlich den Bedenken und der Ungewissheit im Zusammenhang mit der Coronavirus-Epidemie zugeschrieben werden kann. Dennoch notierte der Teilindex auf dem zweithöchsten Wert seit anderthalb Jahren. Zuversicht resultierte aus der Aussicht auf steigende Investitionen und eine anziehende Nachfrage.
Über den EMI
Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) bietet einen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Er wird seit 1996 unter der Schirmherrschaft des BME veröffentlicht und von IHS Markit erstellt. Die Berechnung basiert auf einer Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland, die repräsentativ nach Branche, Größe und Region ausgewählt werden. Der EMI orientiert sich am US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).
