Dünger und Substrate

Engpässe bei Harnstoff: Krise am Düngemittelmarkt spitzt sich zu

Steigende Gas- und Energiekosten bedrohen die Düngemittelproduktion. Besonders Harnstoff ist betroffen, dessen Verfügbarkeit stark eingeschränkt ist. Der Industrieverband Garten (IVG) e.V. prognostiziert dramatische Preissteigerungen und Engpässe, die die Existenz vieler Hersteller gefährden.

Harnstoffproduktion unter Druck durch hohe Energiekosten

Die Herstellung von Harnstoff erfolgt in mehreren Prozessschritten aus Erdgas, Luft und Wasser. Dieser Prozess ist energieintensiv und benötigt große Mengen an Strom und Erdgas. Die Erdgaspreise machen dabei 90 Prozent der variablen Produktionskosten für Harnstoff aus.

Als direkte Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der damit verbundenen Explosion der Gas- und Energiepreise haben einige große Hersteller ihre Harnstoffproduktion bereits reduziert oder eingestellt. Dies führt zu einer drastischen Verknappung von Harnstoff auf dem Markt.

Die Situation für die Hersteller ist dramatisch, wir befinden uns in einer nie dagewesenen Krise.

Dies erklärte Robert Scheuß, Referent Gartenbau beim IVG. Er weist auf das Risiko hin, dass durch Produktionsrückgänge und -einschränkungen in naher Zukunft kein Harnstoff mehr verfügbar sein könnte, da die Lagerbestände der Düngemittelhersteller weitgehend aufgebraucht sind.

Preissteigerungen und Importprobleme bei Düngemitteln

Der noch verfügbare Harnstoff wird im Preis weiter ansteigen. Seit 2019 hat sich der Harnstoffpreis bereits versechsfacht. Auch der Import von Harnstoff gestaltet sich zunehmend schwierig, da ausländische Hersteller vorrangig ihre Bestandskunden beliefern.

Die Existenz vieler heimischer Düngermittelhersteller ist gefährdet.

So Scheuß weiter. Harnstoff ist mit einem Stickstoffgehalt von rund 45 Prozent der wichtigste Grundstoff für die meisten mineralischen Stickstoff- und Mehrnährstoffdünger. Stickstoff ist ein essenzielles Hauptnährelement für das Pflanzenwachstum. Ein Mangel an Harnstoff aus heimischer Produktion könnte schlimmstenfalls zu Versorgungsengpässen bei Düngemitteln führen.

Appell an Handel und Politik zur Sicherung der Versorgung

Die angespannte Marktsituation wirkt sich auch auf den Handel aus, da Hersteller mehr Planungssicherheit benötigen.

Hierzu gehören auch flexible Lieferbedingungen und auskömmliche Preise, um das wirtschaftliche Bestehen der Düngemittelhersteller und so eine zuverlässige Versorgung der Konsumenten zu sichern.

Betont Scheuß. Eine schnelle politische Reaktion auf diese Krise sei ebenfalls notwendig, um die Düngemittelproduktion und damit die Versorgung der Landwirtschaft und Gartenbaubetriebe mit notwendigen Düngemitteln aus hiesiger Produktion aufrechtzuerhalten.

24.09.2022

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