Die Grüne Stadt

Bäume im urbanen Raum: Herausforderungen und Lösungen

Bäume in Städten sind wichtig für das Klima, stehen aber vor großen Herausforderungen. Klimawandel und beengte Verhältnisse erschweren ihre Versorgung. Neue Strategien und Arten sind gefragt, um die grüne Lunge der Städte zu erhalten.

Stadtbäume im Klimawandel: Anpassung und Pflege

Bäume und Gehölze tragen in Städten maßgeblich zur Regulierung des Kleinklimas bei. Sie mindern die Aufheizung versiegelter Flächen durch Schattenwurf und Verdunstung, reinigen die Luft und dämmen Lärm. Zudem strukturieren sie den Raum und dienen als Gestaltungselemente auf Plätzen und an Straßen. Gleichzeitig sind Bäume an vielen städtischen Standorten mit erschwerten Bedingungen für die Wasseraufnahme konfrontiert.

Ein gesundes Wurzelwerk sollte annähernd dem Volumen der Baumkrone entsprechen, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Dies verdeutlicht die kritischen räumlichen Verhältnisse in Städten. Der fortschreitende Klimawandel verschärft diese Situation zusätzlich. Bundesweit sind mehr Wetterextreme wie längere Hitzeperioden und häufigere Starkregen zu beobachten, was insbesondere in verdichteten Stadträumen zu erheblichen Problemen führt.

Fachwissen für die Stadtbegrünung

Viele Städte und Gemeinden setzen verstärkt auf Grünflächen. Die Entsiegelung von Plätzen und die Renaturierung von Gewässern werden mit der Anlage neuer Grünflächen verbunden. Dach- und Fassadenbegrünungen werden, besonders in hochverdichteten Innenstädten, wieder gefördert. Neben der regelmäßigen Überwachung des Baumbestandes im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht stellt sich oft die Frage nach dem Austausch vorhandener Bäume durch neue Arten und Sorten, die besser an städtische Bedingungen angepasst sind.

Der Arbeitskreis Stadtbäume, getragen von der Gartenamtsleiterkonferenz des Deutschen Städtetages (GALK), beobachtet seit über dreißig Jahren die Eignung von Bäumen im urbanen Umfeld. Die regelmäßig veröffentlichte „GALK-Straßenbaumliste“ fasst die Ergebnisse des Monitorings aus den teilnehmenden Städten zusammen. Diese Empfehlungen sind besonders für Neupflanzungen von Bedeutung. Auch der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. befasst sich seit Jahren mit den spezifischen Problemen von Stadtbäumen.

In deutschen Baumschulen werden Gehölze aller Art mit den höchsten Ansprüchen erzogen. Da für Stadtbäume mindestens sechs bis acht Jahre Kulturzeit zwischen der Vermehrung bis zur Verkaufsreife in Baumschulen liegen, sind die Betriebe auf gute Planung angewiesen. Unser Verband engagiert sich in verschiedenen Forschungsprojekten. Um sicherzustellen, dass die Gehölze auch den schwierigen Anforderungen der Zukunft gewachsen sind, werden ständig neue Arten gesichtet und das Sortiment weiterentwickelt.

Das praktische Wissen über die Bedürfnisse und Eigenschaften der jeweiligen Baumarten, kombiniert mit den Ergebnissen pflanzenbaulicher Forschungsprojekte, bildet die Grundlage für eine qualifizierte Beratung von Städten und Kommunen.

Wasserversorgung bestehender Stadtbäume

Während langer Trockenperioden im Sommer können städtische Dienstleister in der Regel nicht den gesamten Baumbestand ausreichend bewässern, obwohl dies für eine optimale Versorgung notwendig wäre. Eine effektive Maßnahme ist es, die Bevölkerung auf den Wassernotstand der Gehölze aufmerksam zu machen und dazu aufzurufen, nicht nur die eigenen Gartenbäume, sondern auch die Straßenbäume in der unmittelbaren Nähe zu wässern. Viele Städte nutzen hierfür Aufrufe in Lokalmedien oder Plakate.

Erfahrungen zeigen, dass Bäume mit einer geschützten Baumscheibe – dem Bereich offenen Erdreichs um den Stamm herum – Wasser besser aufnehmen können als solche, deren Wurzelbereich versiegelt ist. Neben dem Einbau von Hindernissen ist auch die Pflanzung von Stauden oder Kleingehölzen in den Baumscheiben wirksam. Dies hält die Erde um den Baumstamm locker und verhindert Blockaden durch Fahrzeuge oder fortgesetztes Betreten durch Fußgänger. In vielen Wohnstraßen haben sich lokale Wettbewerbe um die schönste Baumscheibe etabliert, bei denen Anwohner die Bäume im öffentlichen Raum pflanzen und pflegen und so zu einem gepflegten Wohnumfeld beitragen.

Neupflanzungen: Der passende Baum am richtigen Standort

Der Erfolg von Baumpflanzungen im öffentlichen Raum hängt von verschiedenen Faktoren ab. Diese reichen von der vorgelagerten Produktion bis zur standortgerechten Auswahl, fachgerechten Pflanzung und weiteren Pflege. Insbesondere bei der Pflanzenwahl ist fachlicher Rat unerlässlich. Merkmale wie Wuchshöhe, Wuchsform, Belaubung, Rinde und Wurzelsystem spielen je nach Standort und Einsatzzweck eine wichtige Rolle für eine gesunde Entwicklung.

Bei Neu- und Nachpflanzungen ist es oft ratsam, neue Arten und Sorten zu verwenden. Das Sortiment der Stadtbäume befindet sich aufgrund des Klimawandels und des Auftretens neuer Krankheiten und Schadorganismen im Umbruch. Nützliche Hilfsmittel für die Auswahl geeigneter Gehölzarten im urbanen Raum sind die Empfehlungsliste „Straßenbäume“ der GALK und die KlimaArtenMatrix für Stadtbaumarten (KLAM-Stadt). Letztere wurde unter der Leitung des Forstbotanikers Professor Andreas Roloff in Zusammenarbeit mit dem BdB entwickelt.

Der optimale Stadtbaum sollte sich neben einer hohen klimatischen Belastbarkeit auch durch eine Anspruchslosigkeit hinsichtlich des Standortes auszeichnen. Dieser Aspekt ist jedoch schwierig zu bewerten. Eine wichtige Rolle spielen dabei eine geringe Empfindlichkeit gegenüber Luftschadstoffen (Rauchhärte) sowie geringe Ansprüche an die Bodenfaktoren und eine ausreichende Klimatoleranz gegenüber einem alkalischen pH-Wert im Boden. […] die Prognosen, die für die kommenden Jahrzehnte steigende Temperaturen, eine Zunahme von Starkniederschlägen bei insgesamt abnehmenden Sommerniederschlägen und längere Trockenperioden vorhersehen, unterstreichen die Dringlichkeit einer Bewertung von Gehölzen bezüglich ihrer Eignung für trockenen Standorte.

Bäume stellen eine langfristige Investition in den öffentlichen Raum dar. Durch vorausschauende Planung lassen sich nicht nur Kosten und Arbeitsaufwand reduzieren, sondern auch eine nachhaltige Stadtplanung realisieren.

Bürger identifizieren sich mit dem öffentlichen Grün und anerkennen die kommunalen Leistungen für den Erhalt umso mehr, je vitaler und gesünder sich die Grünflächen präsentieren.

20.08.2014

Zurück