Erfolgreiche Qualifizierung zum Streuobst-Erlebnisführer
Insgesamt 24 Teilnehmer absolvierten den ersten Aufbaukurs „Streuobst-Erlebnisführer“ vom 28. Juni bis 23. November. Sie erweiterten damit ihre bereits vorhandenen Qualifikationen aus den Gästeführerzertifizierungen „Gartenerlebnis Bayern“ oder „Weinerlebnis Franken“. In rund 50 Stunden, verteilt auf sechs Seminartage, wurde umfangreiches Wissen zum Streuobstanbau vermittelt.
Die Lehrgangsleiter Hubert Siegler von der Bayerischen Gartenakademie und Martin Degenbeck vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau sprachen die Absolventen an:
Sie sind die Pioniere und mit ihrem Abschluss nun die ersten Botschafter für Bayerns Streuobstwiesen. Nutzen Sie nun das erworbene Wissen und vor allem Ihre Leidenschaft, und lassen Sie auch andere Interessierte – groß wie klein – an unserer einzigartigen Kulturlandschaft teilhaben.Besonders die Erlebnisführungen auf den Streuobstwiesen bieten eine Möglichkeit, jüngere Generationen an Garten, Natur und Landschaft sowie die damit verbundenen Arbeiten und Herausforderungen heranzuführen. Ziel ist es, ein Grundverständnis für den Einklang von Natur- und Umweltschutz mit nachhaltiger Bewirtschaftung zu schaffen.
Bedeutung der Streuobstwiesen für Natur und Kultur
Wolfram Vaitl, Präsident des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege e. V., erinnerte sich an seinen ersten Kontakt mit dem Streuobstanbau im Alter von elf Jahren bei einem Klassenausflug. Er betonte, dass der Lehrer die Geschichte der Bäume lebendig werden ließ.
Claudia Schönmüller (Weinerlebnis Franken), Christine Stedele (Gartenerlebnis Bayern) und Dr. Otto Hünnerkopf (Bezirksvorsitzender des Gartenbauverbandes und MdL a. D.) hoben die Bedeutung der Streuobstwiesen hervor:
So muss es unser aller Anliegen sein, die Bevölkerung wieder von der scheinbar vergessenen Kulturlandschaft der Streuobstwiesen neu zu begeistern, die neben einem unersetzlichen Lebensraum für unsere Insekten auch mit ihrem Sortenreichtum ein regionaler Genussbewahrer sind.
Streuobst als authentische Marke und Tourismusmagnet
Dieter Popp von FUTOUR-Regionalberatung forderte in seinem Impulsvortrag dazu auf, die Werte der Streuobstwiesen stärker zu erkennen und deren Potenzial zu nutzen. Er wies darauf hin, dass vergleichbare Erlebnisse, die Urlauber in anderen Regionen suchen, mit den Streuobstwiesen direkt vor Ort vorhanden sind. Streuobst sollte zu einem authentischen Tourismusmagneten entwickelt werden, der auch von Erzeugern und Vermarktern kommuniziert wird.
Streuobst kann Emotionen wecken, Einzigartigkeit und Vielfalt darstellen sowie individuelle, wertige Produkte hervorbringen. Die Gastronomie kann profitieren, indem sie regionale Spezialitäten verstärkt anbietet und mit traditionellen Speisen kombiniert.
Ausblick und weitere Qualifizierungen für Streuobst-Experten
Aufgrund der Nachfrage startet eine weitere Qualifizierung mit fünf Kurstagen von Oktober 2020 bis Frühjahr 2021. Dieser Lehrgang richtet sich an ausgebildete Streuobstfachleute und qualifizierte Obstbaumwarte. Aufbauend auf vorhandenen Fähigkeiten werden diese Streuobstkenner in spezifischen Themen wie Kommunikation, Didaktik, Rechtsfragen und Marketing geschult, um ihr Wissen an Besuchergruppen weiterzugeben. Für die diesjährigen Absolventen ist zudem eine Fortbildung im zweiten Halbjahr 2020 in einer Streuobstregion Bayerns geplant, um Erfahrungen auszutauschen.
