Bund deutscher Friedhofsgärtner: Entscheidungen für die Zukunft und Ehrungen in Leipzig

Friedhofspflege und FriedhofsgestaltungBranchenverbände

Der Bund deutscher Friedhofsgärtner traf sich in Leipzig zu einer viertägigen Arbeitstagung. Im Fokus standen zukunftsweisende Entscheidungen, darunter die Verschärfung der Anlagerichtlinien für Dauergrabpflege. Zudem wurden neue Imagekampagnen vorgestellt und verdiente Mitglieder geehrt.

Zukunftsweisende Beschlüsse und Optimismus

Die Delegierten der Landesfachverbände und Vertreter der Dauergrabpflegeeinrichtungen des Bundes deutscher Friedhofsgärtner (BdF) trafen sich zu einer viertägigen Arbeitstagung in Leipzig. Im Fokus standen intensive Diskussionen und zukunftsweisende Entscheidungen, die von einem spürbaren Optimismus geprägt waren, die eigene Zukunft aktiv zu gestalten.

Lüder Nobbmann, Vorsitzender des BdF, erinnerte daran, dass bereits Ende November des Vorjahres die Mitglieder die langfristigen Zusagen in der Dauergrabpflege als erfüllbar einschätzten. Dies sei durch die Selbstverpflichtungen in den Anlagerichtlinien für Treuhandvermögen und Vorauszahlungen gesichert. Eine wichtige einstimmige Entscheidung der Tagung war die weitere Verschärfung dieser Anlagerichtlinien. Die geschäftliche Entwicklung in der Dauergrabpflege zeigte sich dabei heterogen, mit zweistelligen Zuwachsraten bei einigen Friedhofsgärtnergenossenschaften und Treuhandstellen, während andere leichte Verluste verzeichneten.

Die Teilnehmer arbeiteten intensiv in fünf Arbeitskreisen zu den Themen Ausbildung, Ausstellung und Gestaltung, Marketing, Pflanze sowie Technik und EDV. Der rege Gedankenaustausch setzte sich auch in den Pausen fort. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Friedhofsgärtner-Genossenschaften und Treuhandstellen beschlossen trotz einer Steigerung einstimmig die notwendigen Haushaltsmittel. Ein Dank ging an die sächsischen Kollegen für die Organisation eines Abendessens in Auerbachs Keller und eines Besuchs des Traditionskabaretts "Pfeffermühle".

Würde und Wert des Menschen im Blick

Die Jahrestagung des BdF nahm die zunehmende Zahl namenloser Beisetzungen in Leipzig zum Anlass, sich der Frage nach dem Wert des einzelnen Menschen zu widmen und die Sensibilität für die menschliche Würde über den Tod hinaus zu stärken. Die Beiträge der Redner verdeutlichten, wie stark die Bestattungskultur von gesellschaftlichen Systemen beeinflusst wird.

Albrecht Graichen, Leiter des Grünflächenamtes der Stadt Leipzig, zeigte am Beispiel des Leipziger Südfriedhofs die Entwicklung der Grabarten über 120 Jahre auf. Während bei der Anlage des Friedhofs nur Erdbestattungen stattfanden, machen Urnenbeisetzungen heute 92 Prozent aus. Superintendent Martin Henker äußerte in seinem Vortrag "Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde - Wie viel Wert ist das Bild?" seine Besorgnis über diese Entwicklung. Er betonte die biblische und im Grundgesetz verankerte Bedeutung der Menschenwürde, die aus jüdisch-christlicher Tradition auch die Totenwürde einschließt und sich in einer würdevollen Bestattung ausdrückt.

Henker berichtete zudem von den Erfahrungen vieler Seelsorger, wonach das Fehlen eines konkreten Grabes den Trauerprozess für Angehörige erschwert. Wer durch die Wahl einer namenlosen Grabstätte seinen Hinterbliebenen nicht zur Last fallen wolle, werde oft gerade dadurch zu einer seelischen Last. Alfred E. Otto Paul, Vorsitzender der Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig, beschrieb die Entwicklung der Friedhöfe von Zweckeinrichtungen zu Meisterwerken der Gartenkunst und Bildhauerei. Er bezeichnete die Zeit des Nationalsozialismus und der DDR als besonders zerstörerisch für die kirchliche Bestattungskultur. Paul beklagte, dass der Wunsch nach einem eigenen Grab immer unerfüllbarer werde. Lüder Nobbmann betonte in seinem Schlusswort die Notwendigkeit, sich gegen Entwicklungen zu stemmen, bei denen der einzelne Mensch an Wert verliert. Er forderte eine Wiederbelebung bürgerlicher Werte in Leipzig, in der die Totenwürde ein Beleg für praktizierte Menschenwürde sei. Die Veranstaltung, die von Eberhard Haag, Geschäftsführer des Landesverbandes Gartenbau in Sachsen, moderiert wurde, war mit 250 Personen gut besucht und erhielt Grußworte aus der städtischen Führungsriege, des Landesverbandspräsidenten Winfried Kaiser und der Bestatterinnung.

Aufbruchstimmung trotzt Wirtschaftskrise

Die Friedhofsgärtner zeigten sich begeistert vom Konzept einer neuen Imagekampagne, deren Leitidee die individuelle Gestaltung von Gräbern ist. Die grafischen Entwürfe führten zu spontanem Applaus, und die Unternehmer forderten die Umsetzung des Konzepts. Roland Wagner, der neue Vorsitzende des Arbeitskreises Marketing des BdF, fasste die Stimmung zusammen:

Alles redet von Wirtschaftskrise, wir Friedhofsgärtner wollen aktiv unseren Aufbruch gestalten. Das motiviert für die Arbeit in den Gremien, aber auch in der täglichen Arbeit im Unternehmen.

Die Kampagne soll die Bekanntheit der Friedhofsgärtner steigern und das individuelle Grab in den Mittelpunkt stellen, um gesellschaftliche Veränderungen nicht nur zu beklagen, sondern den Diskurs zu beleben. Wagner wird das Konzept gemeinsam mit seinen Kollegen und der BdF-Geschäftsführung in regionalen Veranstaltungen vorstellen. Eine erste Vorstellung der Kampagnenkonzeption ist auf der IPM in Halle 1a "Green City" geplant, wo Besucher die Möglichkeit haben, durch Abstimmung über Motive an der Gestaltung mitzuwirken.

Öffentlichkeitsarbeit für Aussteller auf BUGA Schwerin

Der Bund deutscher Friedhofsgärtner setzt sein bewährtes PR-Modell fort, um die Aussteller des Ausstellungsteils "Grabgestaltung und Denkmal" auf der Bundesgartenschau 2009 in Schwerin zu unterstützen. Josef Knostmann, Vorsitzender des Arbeitskreises Ausstellung und Gestaltung des BdF, hob das Engagement der Aussteller hervor:

Sie, die friedhofsgärtnerischen Aussteller aus dem gesamten Bundesgebiet, gestalten mit ungeheurem Engagement und erheblichen finanziellen Eigenmitteln den Ausstellungsteil 'Grabgestaltung und Denkmal´ auf der Bundesgartenschau 2009 in Schwerin. Wir, der Bund deutscher Friedhofsgärtner, wollen Ihnen helfen, dass Ihr Engagement die notwendige Aufmerksamkeit in Ihrer Heimatpresse erhält.

Gegen eine geringe Gebühr bietet der BdF ein PR-Paket an, das bereits zur BUGA in Gera erfolgreich war. Zu jedem der drei Bepflanzungszeitpunkte wird eine individuelle Pressemitteilung an die jeweiligen Heimatzeitungen versandt. In Gera konnten so mehrere hundert redaktionelle Veröffentlichungen generiert werden, was Knostmann auf die hervorragenden gärtnerischen Leistungen und die hohe journalistische Qualität zurückführte. Diese Veröffentlichungen bedeuten auch für die BUGA Schwerin eine umfangreiche bundesweite Öffentlichkeitsarbeit. Aussteller, die nicht an der Tagung teilnehmen konnten, erhalten das Angebot in Kürze oder können es online abrufen.

Karl Wolf erhielt Goldene Ehrennadel des ZVG

Karl Wolf aus Wiesbaden wurde während der Bundesarbeitstagung der Friedhofsgärtner mit der Goldenen Ehrennadel des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) ausgezeichnet. Heinz Herker, Präsident des ZVG, würdigte Wolf als einen seit Junggärtnerzeiten aktiven Unternehmer. Die Ehrung erfolgte anlässlich seines Ausscheidens als stellvertretender Vorsitzender des BdF.

BdF-Vorsitzender Lüder Nobbmann betonte, dass Wolf weiterhin wichtige Positionen für die Belange der Friedhofsgärtner innehaben werde, unter anderem im Länderrat des BdF. Die Entscheidung zur Auszeichnung fiel dem Präsidium des ZVG leicht, da Karl Wolf sich seit Jahrzehnten berufsständisch engagiert. Schon als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft deutscher Junggärtner übernahm er Verantwortung auf Orts-, Landes- und Bundesebene. Innerhalb des BdF setzte er sich über vier Wahlperioden für die enge Verzahnung der berufsständischen und wirtschaftlichen Säulen der Friedhofsgärtner ein, was unter anderem zur Bildung eines gemeinsamen geschäftsführenden Vorstandes führte.

Der 54-Jährige übernahm 2005 für ein Jahr die Verantwortung für den BdF, als die Vorsitzendenposition unbesetzt war. In dieser Zeit gelang es ihm, den Verband positiv zu positionieren und sein Wirken mit einer Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des BdF und 40-jährigen Bestehen der ARGE zu krönen. Seitdem prägt er als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Dauergrabpflege-Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner mbH deren Geschicke. Auf Landesebene steht Karl Wolf für eine hohe Kooperationsbereitschaft mit anderen Gewerken am Friedhof, insbesondere dem Steinmetzhandwerk, das fest in der Treuhandstelle für Dauergrabpflege in Hessen/Thüringen verankert ist. Er bildete zahlreiche Friedhofsgärtner aus und ist als Prüfungsmeister engagiert. Karl Wolf vertritt den ZVG in den Gremien der Berufsgenossenschaft und war langjähriges Mitglied des ZVG-Arbeitsausschusses Technik im Gartenbau. Wolf zeigte sich dankbar und überrascht von der Ehrung, da er sich selbst noch "mitten drin" sieht.

Arbeitskreisvorsitzende des BdF neu gewählt oder bestätigt

Lüder Nobbmann, Vorsitzender des BdF, beklagte die Schwierigkeit, Unternehmer für Gremien zu finden, zeigte sich aber erfreut, dass nach unbesetzten Positionen im Vorjahr nun alle Arbeitskreise wieder einen Vorsitzenden wählen konnten. Ingo Speck aus Mettmann wurde zum Vorsitzenden des Arbeitskreises Technik und EDV gewählt. Josef Knostmann aus Schwerte und Heiner Koch aus Frankenthal wurden in ihren Ämtern als Vorsitzende der Arbeitskreise Ausstellung und Gestaltung sowie Pflanze wiedergewählt.

Nobbmann begrüßte zwei neue Arbeitskreisvorsitzende: Roland Wagner aus Rheda-Wiedenbrück übernimmt den Arbeitskreis Marketing, und Ralf Kretschmer aus Kiel leitet den Arbeitskreis Ausbildung, jeweils für die nächsten drei Jahre. Nobbmann dankte Gerhard Lang aus Frankfurt/M. für seine Arbeit als scheidender Vorsitzender des Arbeitskreises Ausbildung. Die Positionen in den Arbeitskreisen Marketing und Technik waren im Jahr 2008 unbesetzt. Karl Wolf aus Wiesbaden schied als stellvertretender Vorsitzender von BdF/ARGE aus und wurde mit der Goldenen Ehrennadel des ZVG ausgezeichnet. Die Position des stellvertretenden Vorsitzenden bleibt vorerst unbesetzt, da kein Kandidat gefunden wurde.

Nobbmann erläuterte, dass in den Gremien kontrovers über die Professionalisierung von Vorstandsaufgaben bis hin zu einer hauptamtlichen Lösung diskutiert werde. ZVG-Präsident Heinz Herker warb dringend für eine ehrenamtliche Besetzung der Führungspositionen. Fritz Mölders aus Duisburg wird die Kasse der Arbeitsgemeinschaft Friedhofsgärtner-Genossenschaften und Treuhandstellen prüfen. Anja Qayyum-Kocks aus Mülheim und Rolf Meyer aus Lübeck erhielten für ihre kontinuierliche Unterstützung jeweils einen "Präsidentenstrauß".

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