Die Grüne Stadt

Grüne Fassade für Bielefelds Kesselbrink

Die BGW hat in Bielefeld einen Café-Pavillon mit einer grünen Fassade realisiert. Das Gebäude auf dem Kesselbrink wurde mit 12.000 Efeu-Pflanzen begrünt. Das Projekt soll ökologische und gestalterische Vorteile bieten.

Hintergrund und Neugestaltung des Kesselbrinks

Die Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (BGW) hat in der Innenstadt einen Café-Pavillon mit einer grünen Fassade realisiert. Das Gebäude auf dem Kesselbrink, einem zentralen Platz in Bielefeld, wurde mit 12.000 Efeu-Pflanzen in speziellen Kübeln auf einem Stahlskelett versehen. Die BGW investierte rund 2,4 Millionen Euro in das Projekt.

Der Kesselbrink, der früher von einer Tiefgarage und einem Busbahnhof geprägt war, wurde nach einem freiraumplanerischen Wettbewerb im Juli 2010 neu gestaltet. Eine Arbeitsgemeinschaft aus Berliner Architekten und Ingenieuren gewann den Wettbewerb. Die Tiefgarage wurde saniert und die Gebäude abgerissen. Der Siegerentwurf sah einen geometrischen Park mit Baumreihen, einem Rasenplateau, einer gepflasterten Mehrzweckfläche und einem Café-Pavillon vor. Auch der Bike- und Skatepark wurde erneuert. Die Eröffnung des neuen Kesselbrinks erfolgte im September 2013, jedoch zunächst ohne das Café.

Architektonische Umsetzung und Fassadenbegrünung

Da kein privater Investor für das Café gefunden wurde, übernahm die BGW, die zu 75 Prozent der Stadt Bielefeld gehört, die Aufgabe. Norbert Müller, Geschäftsführer der BGW, betonte die Notwendigkeit eines innovativen und ökologisch vernünftigen Gebäudes an dieser exponierten Stelle. Der Architekt Sven Detering aus Bielefeld wurde mit dem Entwurf des Café-Neubaus beauftragt. Der ursprüngliche Plan für die Platzgestaltung sah einen gläsernen Kubus vor. Die Idee der grünen Fassade kam von der BGW.

Für die Fassadenbegrünung wurde das System „Elata“ des Unternehmens Helix Pflanzensysteme ausgewählt und an das Projekt angepasst. Die Entscheidung fiel auf dieses System aufgrund der Erfahrung des Anbieters im Bereich der nicht-bodengebundenen Gebäudebegrünung. Als Pflanze wurde Efeu gewählt, um einen grünen Gesamteindruck auch in den Wintermonaten zu gewährleisten. Bereits während der Bauphase wurde das Gerüst mit einer Folie mit Efeublättern verkleidet, um einen Eindruck des späteren Aussehens zu vermitteln.

Das „Café Agora“ und seine grüne Hülle

Am 19. September 2014 eröffnete das „Café Agora“ auf dem Kesselbrink 2. Die BGW wählte einen Gastronomen mit Bezug zu Bielefeld als Pächter. Das Gebäude bietet auf 600 Quadratmetern Nutzfläche etwa 150 Sitzplätze im Innenbereich, die durch Außengastronomie auf Balkon und im Biergarten auf rund 400 Plätze erweitert werden können. Die Speisekarte umfasst mediterrane und regionale Küche.

Der Gebäudekörper ist von einer vorgehängten Stahlkonstruktion umgeben, an der die Pflanzenträger befestigt sind. Die fensterlose Westseite ist vollständig begrünt. Drei Elemente – der Windfang am Haupteingang, ein Glaskubus an der Nordseite und ein großer Balkon – ragen aus der Efeufassade hervor. Eine Fluchttreppe an der Südseite wird durch das Grün verdeckt.

Rund um das Haus sind in vier Reihen übereinander etwa 240 Meter speziell gedämmte Pflanzkästen angebracht, um den Efeu vor Frost zu schützen. Die vorgezogenen Kletterpflanzen wachsen in Granulat und werden von einem Metallgitter gestützt. Das Helix Fassadenbegrünungssystem „Elata“ verfügt über eine computergesteuerte, vollautomatische Bewässerungs- und Düngungsanlage. Sensoren an den verschiedenen Seiten des Hauses steuern die Bewässerung. Laubengänge zwischen Begrünung und Gebäude ermöglichen Wartungs- und Pflegearbeiten.

Ökologische und gestalterische Aspekte der grünen Fassade

Eine Studie der TU Dresden zum BGW-Gebäude ergab, dass die Efeupflanzen eine Blattoberfläche von insgesamt 4.500 Quadratmetern aufweisen. Die grüne Fassade soll jährlich 760 Kilogramm Sauerstoff freisetzen und 1.070 Kilogramm CO2 absorbieren. Im Sommer bietet das Begrünungssystem eine beschattende und kühlende Wirkung für das Café.

In Zeiten des Klimawandels ist das – gerade bei Häusern mit vielen Fensterflächen – ein wichtiges Thema.

Zudem kann durch solche Grünflächen die Artenvielfalt in einer Stadt gefördert werden. Vögel sind bereits zwischen den Efeupflanzen zu beobachten. Trotz der positiven ökologischen Auswirkungen betont Architekt Detering, dass die grüne Hülle in erster Linie ein Gestaltungselement ist, das zur optischen Aufwertung des Gebäudes und des Platzes beiträgt. Der neu gestaltete Kesselbrink wird von der Bevölkerung angenommen und hat sich zu einem zentralen Treffpunkt entwickelt, an dem Wochenmärkte, Kulturveranstaltungen und das „Café Agora“ für Belebung sorgen.

13.11.2014

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

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70806Kornwestheim
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