Forschungskonferenz in Bonn: Austausch über Naturschutz und Klimaanpassung
In Bonn fand eine zweitägige Europäische Forschungskonferenz zum Thema Biologische Vielfalt und Klimawandel statt. Über 200 Fachleute aus 25 europäischen Nationen folgten der Einladung des Bundesamts für Naturschutz (BfN). Die Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Netzwerk der Europäischen Naturschutzbehörden (ENCA) und mit Unterstützung der Universität Greifswald durchgeführt wurde, förderte den grenz- und disziplinübergreifenden Austausch zwischen Wissenschaftlern, Behördenvertretern und Praktikern.
Die Konferenz konzentrierte sich auf die Schnittstelle von biologischer Vielfalt und Klimawandel. Ziel war es, wissenschaftliche Erkenntnisse besser in die politische Entscheidungsfindung einzubringen und praktisch umzusetzen.
Gerade vor den Hintergrund des Klimawandels wird es für den Naturschutz zunehmend wichtiger über die nationalen Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und den Austausch von Forschungs- und Lösungsansätzen zu fördern. Denn weder der Klimawandel noch die biologische Vielfalt enden an nationalen Grenzen, und sie werden unsere Natur und unsere Landschaften über die Grenzen hinweg maßgeblich verändern.
Dies betonte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel zu Beginn der Konferenz.
Auswirkungen des Klimawandels auf Arten und Lebensräume
Vorträge von Experten aus ganz Europa beleuchteten das Spektrum der Herausforderungen, die der Klimawandel für den europäischen Naturschutz mit sich bringt. Projekte zur Grundlagenforschung erfassten die bereits beobachtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Arten, Lebensräume und Landschaften.
Modellrechnungen für verschiedene Artengruppen zeigten mögliche zukünftige Veränderungen ihrer Verbreitungsgebiete auf. Es wird deutlich, dass sich die klimatisch geeigneten Gebiete vieler Tier- und Pflanzenarten verkleinern oder großräumig nach Norden oder in höhere Lagen verschieben.
Kälteliebende Arten wie alpine Pflanzen und boreale bzw. arktische Arten könnten langfristig aus Mitteleuropa verschwinden. Im Gegenzug ist eine verstärkte Einwanderung wärmeliebender Arten, wie Schmetterlinge oder Libellen aus dem Mittelmeerraum, zu erwarten.
Wir müssen uns dabei aber bewusst sein, dass die Neuzuwanderung von Arten aufgrund des Klimawandels nichts per se Negatives ist, sondern es sich um natürliche Anpassungsprozesse handelt.
So BfN-Präsidentin Jessel. Für den Naturschutz stellt sich die Frage, wie Arten und Lebensräumen eine optimale Anpassung an diese Veränderungen ermöglicht werden kann.
Handlungsempfehlungen und grüne Infrastruktur
Die Handlungsempfehlungen der Wissenschaftler umfassen neben einer Anpassung des Managements vor allem eine verbesserte Vernetzung von Schutzgebieten sowie den Aufbau grenzüberschreitender Biotopverbundsysteme.
Damit die vom Klimawandel bedrohten Arten geeignete neue Lebensräume finden können, sind die europaweite Durchlässigkeit der Landschaft und der Ausbau eines grenzüberschreitenden Biotopverbundsystems von enormer Bedeutung. Investitionen in eine EU-weite grüne Infrastruktur müssen gestärkt werden.
Dies unterstrich BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. Die Konferenz präsentierte auch Beispiele, wie Ökosysteme und Naturschutzmaßnahmen zum Klimaschutz und zur gesellschaftlichen Anpassung an die Folgen des Klimawandels beitragen können.
Ökosystembasierte Maßnahmen stellen oft kosteneffektive und nachhaltige Alternativen zu technischen Lösungen dar und bieten zusätzlichen Nutzen. Die Schaffung von Überflutungsräumen in Auengebieten trägt beispielsweise zum ökologischen Hochwasserschutz bei und unterstützt die Selbstreinigung der Gewässer.
Die Anlage von Grünflächen als Frischluftschneisen in Städten verbessert das Lebensumfeld der Stadtbewohner, indem sie die städtische Überhitzung mindert und die Luft filtert.
Ökosystembasierter Klimaschutz und ökonomische Aspekte
Im Bereich des ökosystembasierten Klimaschutzes stehen die Erhaltung und Wiederherstellung kohlenstoffspeichernder Ökosysteme wie Moore und Wälder im Mittelpunkt. Die größten Synergieeffekte zwischen Naturschutz- und Klimaschutzzielen lassen sich dort realisieren, wo Artenreichtum mit hoher Kohlenstoffdichte einhergeht.
Ein vom BfN in Auftrag gegebener internetbasierter Atlas zeigt die Verteilung von Kohlenstoff und Biodiversität in den Ökosystemen der Erde. Diese "Biodiversity and Carbon Hotspots" finden sich vor allem in Primärwäldern, Torfmooren und Mangroven der Entwicklungs- und Schwellenländer, wo sie zunehmend von Degradierung bedroht sind. Der Verlust dieser Ökosysteme bedeutet nicht nur den Verlust einzigartiger Artenvielfalt, sondern auch der von ihnen bereitgestellten Ökosystemdienstleistungen, einschließlich der Klimaregulation.
Das BfN berücksichtigte im Rahmen der Veranstaltung auch sozioökonomische Gesichtspunkte und trug zur Debatte über die Chancen und Grenzen der ökonomischen Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen bei. Einige Forschungsvorhaben ermitteln beispielsweise den Betrag, den Wälder und Moore durch ihre Fähigkeit, Treibhausgase zu binden und zu speichern, jährlich erwirtschaften.
Trotz methodischer Probleme liefern solche Studien Argumente für den Schutz, die nachhaltige Nutzung und die Wiederherstellung kohlenstoff- und biodiversitätsreicher Ökosysteme.
Selbstverständlich lässt sich der Wert der Natur nicht allein mit finanziellen Maßstäben messen. Doch gerade die oft unterschätzten ökonomischen Argumente für den Schutz der Natur können helfen, bei Politik und Wirtschaft leichter Gehör zu finden.
Dies erklärte BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel.