Naturschutz

Paneuropäische Grüne-Band-Konferenz auf der Wartburg

Vertreter aus 24 europäischen Ländern treffen sich auf der Wartburg zur Paneuropäischen Grüne-Band-Konferenz. Thüringen setzt ein Zeichen für den Schutz dieses Erbes. Die Konferenz thematisiert die Verbindung von Natur und Geschichte des Grünen Bandes.

Konferenz zur Bewahrung des Grünen Bandes

Vom 15. bis 19. Oktober findet auf der Welterbestätte Wartburg die „Paneuropäische Grüne-Band-Konferenz“ statt. Vertreter aus 24 europäischen Ländern kommen zusammen, um die Verbindung von Natur und Geschichte des Grünen Bandes zu thematisieren. Thüringen setzt damit ein Signal zur Bewahrung dieses Erbes für künftige Generationen.

Im Thüringer Landtag steht die Verabschiedung des Gesetzes zum Schutz des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument bevor. Dies würde das längste zusammenhängende Schutzgebiet am Grünen Band Europa schaffen. Die Konferenz wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), EuroNatur, dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) veranstaltet.

Das Grüne Band steht heute für die Idee eines geeinten und freien Europas. Wir haben jetzt eine einmalige historische Chance, das Grüne Band als bundesweit erstes flächiges Nationales Naturmonument auszuweisen – mit einem phänomenalen Artenreichtum. Fast 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs brauchen wir dieses Mahnmal. Hier entwickelt sich ein Todesstreifen zur Lebenslinie. Das Gedenken der Opfer und die Perspektive nach vorn gehören dabei zusammen, insbesondere, wenn Populisten in ganz Europa demokratische und liberale Grundsätze in Frage stellen. Thüringen trägt mit 763 Kilometern die Verantwortung für ein besonders langes Stück des Grünen Bandes. Wenn wir es nicht schützen, ist etwa der Kolonnenweg irgendwann so zurückgebaut und zerschnitten, dass sich an die Geschichte nicht mehr anknüpfen lässt.

Dies erklärte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund. Zahlreiche Lern- und Erinnerungsorte am Grünen Band arbeiten unter schwierigen Bedingungen die deutsche Teilung auf. Der Schutz als Nationales Naturmonument soll dieses Engagement unterstützen und Geschichte sowie Natur gleichermaßen fördern.

Der Biotopverbund trägt zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland und Europa bei. Arten wie Luchs und Wildkatze sind für ihre Wanderungen auf solche Korridore angewiesen. Auch Insektenarten wie die Wanstschrecke sind in Thüringen ausschließlich im Grünen Band zu finden. Es bietet vielen seltenen Arten einen Rückzugsraum.

Aus Sicht des Bundes ist es ein herausragendes europäisches Naturschutzprojekt.

Betonte Dr. Uwe Riecken, Leiter der Abteilung Biotopschutz und Landschaftsökologie im BfN. Die Europäische Kommission hat die Bedeutung des 12.500 Kilometer langen Grünen Bandes Europa als Projekt von europäischer Bedeutung anerkannt.

Die Initiative Grünes Band steht modellhaft für grenzübergreifende Zusammenarbeit von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Nur so kann das Grüne Band als Rückgrat eines europäischen Netzwerkes an Lebensraumkorridoren erhalten und entwickelt werden. Insbesondere in Zeiten einer zunehmenden Fokussierung der europäischen Staaten auf die jeweils eigenen Vorteile und Interessen auf Kosten der Staatengemeinschaft, wird mit der Initiative zum Grünen Band der europäische, völkerverbindende Gedanke gelebt wie kaum irgendwo sonst.

Dies sagte Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Die Konferenzteilnehmenden und die European Green Belt Association e.V. werden in der „Eisenacher Resolution“ alle Akteure und Entscheidungsträger auffordern, weitere Schritte zur Erhaltung und Förderung dieses Natur- und Kulturerbes als Grüne Infrastruktur zu unternehmen.

Die europäischen Biodiversitätsschutzziele lassen sich nur erreichen, wenn die Europäische Union, ihre Mitgliedstaaten und auch die benachbarten Länder ihre Investitionen in die Grüne Infrastruktur Europas massiv erhöhen. Das Grüne Band zeigt, dass sich diese Investitionen lohnen.

So Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur. Bundesumweltministerin Svenja Schulze würdigte in einer Videobotschaft das Grüne Band als europäisches Naturschutzprojekt und das Engagement Thüringens. Bei der zehnten Konferenz sind alle 24 Länder des Grünen Bandes Europa sowie Interessierte aus Belgien, Liechtenstein und eine Delegation aus Südkorea vertreten. Dies unterstreicht die Bedeutung des Grünen Bandes Europa als ökologisches und historisches Erbe.

Hintergrundinformationen zum Grünen Band

Das Grüne Band Europa erstreckt sich über 12.500 Kilometer, davon 1.393 Kilometer in Deutschland und 763 Kilometer in Thüringen. Es verbindet nahezu alle europäischen Lebensraumtypen und dient als Rückzugsgebiet für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Es bildet das Rückgrat eines paneuropäischen Biotopverbunds und trägt zur europäischen „Grünen Infrastruktur“ bei.

Die „Grünes Band Europa Initiative“ wurde 2003 gegründet, um den Lebensraumverbund entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer zu schützen und zu entwickeln. In dieser Initiative arbeiten Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen aus 24 Anrainerstaaten zusammen. BUND, EuroNatur und BfN sind Gründungs- und Vorstandsmitglieder des 2014 gegründeten Vereins Grünes Band Europa (European Green Belt Association e.V.).

Nationale Naturmonumente (NNM) sind laut Bundesnaturschutzgesetz festgesetzte Gebiete von herausragender Bedeutung aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen sowie aufgrund ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit. Sie sind wie Naturschutzgebiete zu schützen, wobei bewährte Regelungen für die Nutzung von Flächen oder Einrichtungen bestehen bleiben. Ein Nationales Naturmonument fördert die Entwicklung einer umweltschonenden, naturnahen Erholung und des Tourismus in der Region.

Die EU-Kommission hat zur Umsetzung ihrer Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt eine Initiative zur Grünen Infrastruktur in den Mitgliedsstaaten angeregt. Grüne Infrastruktur versteht Ökosysteme und ihre Leistungen, wie intakte Auen als Hochwasservorsorge, als unverzichtbar für die Entwicklung eines Landes, ähnlich der technischen Infrastruktur. Sie trägt zum menschlichen Wohlergehen bei, beispielsweise durch Klimaregulation, Erholung und Naturerlebnisse, sowie zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

17.10.2018

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