Präzision in extremer Hanglage
In steilen Schwarzwaldhängen arbeitet der Schreitbagger der Fallert GmbH wie eine Spinne an der Wand. Das auf Erd- und Wegebau spezialisierte Familienunternehmen hebt Baugruben in extremen Lagen aus – ohne Vermesser im Gelände und ohne Einweiser in der Gefahrenzone. Trotz eingeschränkter Sicht erreicht der Maschinist exakt seinen Zielpunkt, Böschungen werden präzise eingehalten.
Möglich wird das durch eine individuell angepasste Maschinensteuerung von Makineo, dem bundesweit agierenden Leica-Händler und Lösungsanbieter für die digitale Baustelle. Für den Kaiser Schreitbagger S12 entwickelte Makineo eine maßgeschneiderte Lösung auf Basis der Leica-Geosystems-Technologie.
Individuelle Lösung für teleskopierbaren Stiel
Die Herausforderung lag im teleskopierbaren Stiel des Baggers. Dadurch existieren keine festen Längen zwischen den definierten Sensorpunkten am Löffel. Diese zusätzliche Bewegungsfreiheit erforderte eine innovative Anpassung der Steuerung.
„Für unseren Schreitbagger hat Makineo die Maschinensteuerung von Leica Geosystems individuell angepasst“, erzählt Geschäftsführer Sven Fallert.
„Ein mathematischer Katastrophenfall“, erinnert sich Jan Hakert, Geschäftsführer bei Makineo.
Die Lösung bestand in der Kombination von Steuerfunktionen aus Bagger- und Bohrtechnik. Das Ergebnis: Der S12 ist die erste 3D-maschinengesteuerte „Spinne“ im Fuhrpark – und nach Unternehmensangaben der erste seiner Art in Europa.
Präzision auch ohne Sichtkontakt
Das eingesetzte 3D-Baggersystem Leica iCON iXE3 arbeitet mit digitalen Geländemodellen und moderner GNSS-Technologie. Der Löffel „weiß“ damit jederzeit, wo sich das Soll-Gelände befindet – selbst ohne direkte Sicht für den Maschinisten.
„Mit der Maschinensteuerung weiß der Schreitbagger immer, wo er ist, das ist der größte Vorteil für uns“, bestätigt Fallert.
In der Praxis reduziert das System Nacharbeiten und Kontrollaufwand deutlich. Bei der Rodung einer stark bewachsenen Fläche wurden zuvor die Flurstücksgrenzen eingelesen. Bereits im ersten Arbeitsgang bearbeitete der Anbaumulcher exakt den definierten Bereich – und ausschließlich diesen.
Flexibel im Gelände, vernetzt im Betrieb
Schreitbagger sind in Deutschland selten, in der Schweiz und Österreich hingegen verbreitet. Seit 2007 setzt Fallert auf diesen Maschinentyp, insbesondere für Arbeiten in extremen Hanglagen, unwegsamem Gelände oder sogar im Gebirgsbach. Auf hydraulisch verstellbaren Füßen erreicht der S12 Einsatzorte, die für konventionelle Baumaschinen kaum zugänglich sind.
Die Synchronisierung zwischen Büro und Maschine erfolgt über eine Cloud-Lösung. Planungsdaten stehen direkt auf dem Bagger zur Verfügung, zusätzliche Wege entfallen.
„Die Cloud-Lösung spart uns viel Zeit und Wege. Die Daten sind da, wo man sie braucht, und wir können auf ein kostenintensives ‚Turnschuhnetzwerk‘ verzichten“, erklärt Fallert.
Nach rund 300 Betriebsstunden läuft der S12 inklusive Steuerung stabil. Ein anfängliches Einstellungsproblem wurde kurzfristig behoben. Für das Unternehmen bedeutet die digitale Steuerung mehr Präzision, höhere Effizienz und zusätzliche Sicherheit bei anspruchsvollen Erdarbeiten.

