Modellierung zukünftiger Baumpopulationen und ihre Auswirkungen
Im Rahmen eines EU-geförderten Forschungsprojekts berechneten Hanewinkel und Kollegen aus den Niederlanden und Finnland die zukünftige Verbreitung bestehender Baumpopulationen mithilfe eines detaillierten Modells. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Zeitschrift Nature Climate Change, deuten darauf hin, dass in Zentral-, Ost- und Westeuropa vermehrt mediterrane Eichenwälder mit geringerer wirtschaftlicher Bedeutung zu erwarten sind. Die Simulationen basierten auf drei Klimaszenarien, die von einem geringen Temperaturanstieg von 1,4 Grad Celsius bis zu einer Erhöhung um 5,8 Grad Celsius reichten.
Verschiebung der Baumartenverteilung
Selbst bei einem moderaten Szenario wird sich die Verbreitung der meisten Baumarten stark verändern. Fichtenpopulationen werden sich voraussichtlich aus den gemäßigten Breiten nach Nordeuropa und in höhere Gebirgslagen zurückziehen. Gleichzeitig könnten langsam wachsende, an Trockenheit angepasste Bäume wie die Kork- und Steineiche vom Klimawandel profitieren und sich in Richtung Mitteleuropa ausbreiten. Diese mediterranen Arten könnten langfristig mehr als ein Drittel der europäischen Waldfläche einnehmen, verglichen mit derzeit zehn Prozent, selbst bei konservativen Klimaannahmen.
Wirtschaftliche und ökologische Folgen
Die unterschiedliche wirtschaftliche Bedeutung der Baumarten hat gravierende Konsequenzen für die Forstwirtschaft.
In Abhängigkeit von dem gewählten Zinsniveau, welches einen entscheidenden Einfluss auf die Berechnungen hat, werden die wirtschaftlichen Verluste zwischen 14 und 50 Prozent liegen. Bis zum Ende des Jahrhunderts verlieren die Wälder Europas zwischen 60 und 680 Milliarden Euro an Wert.[cite: 20]
Darüber hinaus binden langsamer wachsende Baumarten weniger Kohlenstoff, was zusätzliche Umweltprobleme mit sich bringen könnte.
Falls es nicht gelingt, den Klimawandel zu stoppen, könnte ein Ausweg darin liegen, dass trockenheitstolerante Baumarten gezielt angepflanzt werden.[cite: 20]
Extremwetterlagen wie häufigere Stürme, Trockenheiten, Waldbrände und Insektenplagen würden die Situation zusätzlich verschärfen. Eine mögliche Anpassungsstrategie für Waldbesitzer könnte die Anpflanzung außereuropäischer Baumarten wie Douglasien oder der im Mittelmeerraum heimischen Atlas-Zeder sein.