Turkus Baumbotschafter erhalten Ehrenurkunde
Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der Abschlussfeier der EAC-Hauptversammlung. Marketa Pirklova, Dezernentin für internationale Zusammenarbeit, Kultur und Tourismus aus Prag, überreichte die Ehrenurkunde an Jurkki Virtanen, den stellvertretenden Oberbürgermeister von Turku. Prag wurde im Vorjahr für seine Leistungen bei der Wiederaufforstung historischer Parkanlagen ausgezeichnet.
In Turku wird die Bedeutung von Bäumen im urbanen Raum anerkannt. Sie tragen zur klimatischen Regulierung bei, indem sie an heißen Sommertagen Schatten spenden. Zudem prägen sie das Stadtbild und lenken den Blick auf den zentralen Dom von den zahlreichen Brücken der Innenstadt aus.
Bäume als Brandschutz in der Stadtgeschichte
Historisch spielten Bäume in Turku eine zusätzliche Rolle: Aufgrund der vorherrschenden Holzbauweise kam es immer wieder zu Bränden. Die Anpflanzung von Grenzbäumen zwischen den Häusern half, die Ausbreitung von Feuern einzudämmen. Diese Bäume dienten als natürliche Barriere und verschafften im Brandfall wertvolle Zeit.
Finnlands älteste Lindenallee von 1637
Nach der nahezu vollständigen Zerstörung Turkus im Jahr 1827 wurde die Stadt unter der Leitung des Architekten Carl Ludvig Engel systematisch wiederaufgebaut. Parkanlagen und Bäume waren von Beginn an fester Bestandteil seiner Planungen. So entstanden Grünflächen um den Dom und entlang des Aurajoki-Ufers. Ein Großteil der Bäume aus dieser Epoche ist bis heute erhalten. Entlang des Aurajokis befindet sich die älteste Lindenallee Finnlands, deren Erstbepflanzung im Jahr 1637 dokumentiert ist.
Städtische Unterstützung für Baumbesitzer
Obwohl Grenzbäume andernorts oft Anlass für Nachbarschaftsstreitigkeiten sind, haben sie in Turku Leben gerettet. Angesichts moderner Brandschutzmaßnahmen und steigender Grundstückspreise ist der Baumbestand in der Stadt bemerkenswert. Turku hat erkannt, dass Bäume das Stadtbild prägen und von der Geschichte der Stadt erzählen. Das Grünflächenamt der Stadt unterstützt private Baumbesitzer finanziell bei der Pflege und Erhaltung ihrer Bäume. In Turku sind 40 Nadelbaumarten und 171 Laubbaumarten vertreten.
Aki Mannistö, Turkus Baumchef, verweist auf eine Baumreihe in der Eerikinkatu, die sich zwischen Häuserzeilen bis zur Straßenmitte erstreckt. Diese fünf alten Spitzahorne, die zwei Mehrfamilienhäuser trennen, wurden mit städtischen Mitteln gepflegt. Sie stammen aus der Zeit, als Holz der wichtigste Baustoff war, und ihr Erhalt ist in den langfristigen Stadtentwicklungsplänen vorgesehen.
Über 8.000 Bäume sind in einem städtischen Baumkataster erfasst. Auffällig ist, dass in Turku keine einzige Platane zu finden ist. Aki Mannistö berichtet dazu:
Es hat mal eine Platane der Sorte Stockholm in Turku gegeben. Die hat es aber nicht lange bei uns ausgehalten und ist eingegangen.
Dies spielt auf das 19. Jahrhundert an, als Turku unter schwedischer Herrschaft stand. Heute ist Turku offiziell zweisprachig (Schwedisch und Finnisch).
Historische Pläne als Grundlage für zukünftige Alleen
Die Wertschätzung für Bäume ist in Turku auch aktuell spürbar. Im Jahr 2009 wurden am Aurajoki-Ufer Kirschbäume gepflanzt, wobei jeder Bürger auf Kosten der Stadt einen Baum pflanzen konnte.
Der alte Marktplatz vor dem Dom ist heute ein Verkehrsknotenpunkt mit einer Grünanlage und altem Baumbestand. Ältere Ulmen oder Buchen werden bei mangelnder Standfestigkeit ersetzt. Informationstafeln erläutern das Konzept, die ehemaligen Verkehrswege entlang des Marktplatzes durch Baumpflanzungen wiederzubeleben. Historische Pläne dienen als Grundlage für zukünftige Alleen, die zum Flanieren zwischen dem alten Rathaus und dem Dom einladen sollen. Der Name Turku leitet sich vom russischen Wort Turgu (Marktplatz) ab.