Naturschutz

Zustand von FFH-Lebensräumen und -Arten in Deutschland weiterhin kritisch

Ein aktueller Bericht zur Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zeigt, dass der Erhaltungszustand vieler geschützter Lebensräume und Arten in Deutschland kritisch ist. Besonders landwirtschaftlich genutzte Gebiete sind betroffen. Der Bericht fasst die Entwicklungen der Jahre 2013 bis 2018 zusammen.

Detaillierte Bewertung von Arten und Lebensräumen

Von den 195 untersuchten Arten befinden sich 25 Prozent in einem günstigen Zustand. Dazu zählen beispielsweise der Steinbock und die Fledermausart Braunes Langohr. 33 Prozent der bewerteten Arten sind in einem schlechten Zustand, darunter Amphibien wie der Laubfrosch oder höhere Pflanzen wie das Sumpf-Glanzkraut.

Bei den Lebensräumen sind 30 Prozent in einem günstigen Zustand. Hierzu gehören der Großteil der Fels- und Schuttlebensräume sowie großflächig verbreitete Buchenwälder in der kontinentalen Region. Insgesamt 37 Prozent der untersuchten Lebensräume, insbesondere Grünland- und Gewässer-Lebensräume, befinden sich in einem schlechten Zustand.

Hinsichtlich der Trends zeigen die meisten untersuchten Lebensräume und Arten stabile oder positive Entwicklungen. Allerdings weisen 35 Prozent der Arten und 42 Prozent der Lebensräume einen negativen Trend auf.

Ursachen und Handlungsbedarf für den Naturschutz

Wesentliche Faktoren für die negativen Trends sind die moderne Landwirtschaft, hohe Stickstoffeinträge und die fortschreitende Fragmentierung wertvoller Lebensräume. Eine mangelhafte Ausstattung und Finanzierung bei der Umsetzung von Natura 2000 sowie das Insektensterben spielen ebenfalls eine Rolle. Die Belege für festgestellte Insektenrückgänge beziehen sich überwiegend auf Offenland-Lebensräume der FFH-Richtlinie.

Da die Landwirtschaft 54 Prozent der Landfläche Deutschlands nutzt, trägt sie eine besondere Verantwortung für die biologische Vielfalt. Ambitioniertes Handeln ist unerlässlich für den Zustand der Artenvielfalt. Dazu gehören der Ausbau zielgerichteter Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes, die Verminderung des Pestizid- und Düngereinsatzes sowie die Einhaltung der Bestimmungen der EU-Naturschutzrichtlinien.

Die EU-Kommission wird auf Grundlage der nationalen Berichte einen europaweiten Bericht über den Zustand des europäischen Naturerbes erstellen. Ergebnisse des FFH-Berichts sind unter anderem auf der BfN-Website veröffentlicht.

Grundlage der Analyse und Datenerhebung

Der FFH-Bericht stellt den im Naturschutz bislang größten einheitlichen und alle sechs Jahre aktualisierten Datenschatz dar. In rund 13.000 Stichproben haben Naturschützer und Behörden bundesweit den Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen erforscht, die über die europäische FFH-Richtlinie geschützt sind. Der Bericht umfasst den Zustand von 195 in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten, vier Artengruppen sowie 93 Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse.

19.09.2019

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