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„Filosofie für die Baustelle“: Kritikfähigkeit und Zivilcourage

Kritik wird oft mit negativem Nörgeln gleichgesetzt, doch sie umfasst aktives Üben und passives Annehmen. Viele GaLaBau-Unternehmen kämpfen mit dem Umgang. Oft schwelt Kritik im Verborgenen, weil der Mut fehlt, sie anzusprechen. Ein offenes Gesprächsklima ist entscheidend.

Umgang mit Kritik im Arbeitsalltag

Kritik wird oft mit negativem Nörgeln gleichgesetzt, doch sie umfasst sowohl das aktive Üben als auch das passive Annehmen. Berechtigte Kritik sollte klar und verständlich formuliert sein, und der Kritisierte muss die Möglichkeit erhalten, dazu Stellung zu nehmen. In vielen GaLaBau-Unternehmen ist der erfolgreiche Umgang mit Kritik eine Herausforderung. Oft schwelt Kritik im Verborgenen, ohne dass jemand den Mut findet, sie anzusprechen.

Der Arbeitsalltag ist häufig von Stress geprägt. Wenn Mitarbeiter fehlen, müssen morgens die Teams neu eingeteilt werden, was kaum Raum für vertrauensvolle Gespräche lässt. Ein Bauleiter kritisierte beispielsweise einen Gehilfen, Josef, vor versammelter Mannschaft, weil dieser auf einer Baustelle geraucht und Zigarettenstummel in ein Staudenbeet geworfen hatte. Der Bauleiter rief ihm zu: „Jo., wir sprechen uns noch!“ Diese Art der Kritik verunsicherte Josef, der gerne Näheres erfahren hätte, aber mit seiner Kolonne abfahren musste.

In dieser Situation lief einiges falsch. Der Bauleiter hätte die Kundenkritik nicht unreflektiert weitergeben dürfen. Ein Gespräch unter vier Augen oder ein Termin nach Feierabend wären angebrachter gewesen. Die gewählte Vorgehensweise schürte unnötigen Ärger bei Josef, der sich selbst als fleißig und zuverlässig einschätzt. Er grübelte über die scharfe Kritik vor versammelter Mannschaft. Der Umgang mit Kritik erfordert Vorsicht, denn der Ton spielt eine entscheidende Rolle. Häufig werden Vorarbeiter und ihre Teams vom Chef kritisiert, wenn Fehler gemacht wurden, und ohne Zeit für eine offene Auseinandersetzung bleibt die Kritik unausgesprochen.

Zeitpunkt und Formulierung von Kritik

Kritik sollte, je nach Sachlage, möglichst zeitnah erfolgen. Dies erfordert schnelle Entscheidungen und präzise Formulierungen. Andernfalls muss der richtige Zeitpunkt abgewartet werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Nichts ist unerfreulicher, als Kritik „hintenherum“ zu erfahren, da dies nur unnötigen Ärger verursacht. Dem Kritisierten sollte immer die Chance gegeben werden, sich unmittelbar zu äußern und Zusammenhänge klarzustellen.

In einem Unternehmen ohne offenes Gesprächsklima fällt es schwer, jemanden auf Fehler aufmerksam zu machen. Es muss gelernt werden, Kritik zu formulieren, ohne zu verletzen. Oft wird Kritik lieber heruntergeschluckt, als sich ihr zu stellen. Wenn sich Kritikpunkte häufen, ist es notwendig, Zivilcourage aufzubringen und ein Kritikgespräch anzuberaumen. Wer Kritik äußert, sollte auch bereit sein, sie anzunehmen. Beides erfordert Training. In einer Gesellschaft, in der Zivilcourage oft Mangelware ist, wird Kritik meist negativ wahrgenommen. Richtig eingesetzt, kann konstruktive und mutige Kritik jedoch zu Fortschritten führen.

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