Der Huchen – eine vom Aussterben bedrohte Fischart
Der Huchen zählt heute zu den am stärksten bedrohten Fischarten Europas. Er ist in der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt und im Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) aufgeführt. Damit gehört er zu den Arten, für deren Schutz europaweit besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Huchen noch in der Donau bis weit oberhalb von Ulm sowie in bedeutenden Zuflüssen wie Isar, Lech und Regen verbreitet. Bereits im Jahr 1881 lagen jedoch Hinweise darauf vor, dass seine Wanderungen durch den Bau von Wehren erheblich beeinträchtigt wurden.
Historische Verbreitung und Beginn der Gefährdung
Infolge des intensiven Ausbaus und der massiven Regulierung der Donau und ihrer Nebenflüsse sind die Wander- und Fortpflanzungsmöglichkeiten des Huchens heute stark eingeschränkt. In vielen Flussabschnitten ist eine erfolgreiche Reproduktion nicht mehr möglich, wodurch das langfristige Überleben der Art gefährdet ist. Damit steht der Huchen stellvertretend für zahlreiche weitere Fischarten unserer Fließgewässer. Derzeit werden Huchen daher in begrenztem Umfang nachgezüchtet und durch Angelfischer im Donauraum ausgesetzt, um die verbliebenen Bestände zu stützen. Diese Maßnahmen können jedoch nur als kurzfristige Notlösung betrachtet werden.
Ursachen des Bestandsrückgangs
Für den dauerhaften Erhalt des Huchens und den Aufbau sich selbst reproduzierender Populationen ist es zwingend erforderlich, die letzten naturnahen Gewässerabschnitte zu bewahren und durch gezielte Renaturierungsmaßnahmen verlorene Lebensräume wiederherzustellen. Ziel ist es, isolierte Bestände wieder miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Wiederherstellung frei durchwanderbarer Fließgewässer sowie eine natürliche Gewässerdynamik und -struktur. Davon profitieren nicht nur der Huchen, sondern sämtliche angestammten Arten unserer heimischen Gewässer.
Erforderliche Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen
Der Huchen, auch als „Donaulachs“ bekannt, besitzt einen langgestreckten, nahezu runden Körperquerschnitt. Sein Rücken ist kupferfarben-rotbraun bis grünlichgrau gefärbt und mit zahlreichen dunklen Tupfen versehen. Er kann Längen von über 1,40 Metern und Gewichte von mehr als 25 Kilogramm erreichen; historische Berichte nennen sogar Exemplare von über 1,50 Metern. Als Raubfisch steht er an der Spitze der Nahrungskette. Zu seinen typischen Beutetieren zählen Nasen und Barben, deren Bestände ebenfalls unter der Degradation der Fließgewässer leiden.
Merkmale und ökologische Rolle des Huchens
Der Huchen bevorzugt schnellfließende, kühle und sauerstoffreiche Gewässer mit kiesigem oder steinigem Untergrund, den er für die Fortpflanzung benötigt. In aufgestauten und regulierten Flussabschnitten verschlammt der Gewässerboden häufig, wodurch geeignete Laichplätze verloren gehen. Die Eiablage erfolgt im März und April in den kiesigen Bereichen der Äschen- und Barbenregion, wo die Weibchen Laichgruben anlegen. Die Larven verbleiben zunächst geschützt zwischen Kies und Steinen und wachsen rasch heran; bereits im zweiten Lebensjahr können sie eine Länge von etwa 30 Zentimetern erreichen.
Lebensraumansprüche und Fortpflanzung
Geschlechtsreif wird der Huchen im Alter von drei bis vier Jahren, seine Lebenserwartung liegt bei bis zu 15 Jahren. Am Laichgeschehen beteiligen sich in der Regel erst Tiere ab einer Länge von etwa 80 Zentimetern. Entsprechend wurden vielerorts erhöhte Schonmaße von über 90 Zentimetern eingeführt. Zwar ist der Huchen kein typischer Langstreckenwanderfisch wie Lachs oder Aal, dennoch unternimmt er zur Laichzeit weiträumige Wanderungen. Diese führen ihn flussaufwärts in seichte, kiesige Bereiche und können Distanzen von über 100 Kilometern umfassen.
Wanderverhalten und Gefährdung durch Querbauwerke
In vielen Donauzuflüssen sind diese Wanderwege jedoch durch Wasserkraftwerke und Querbauwerke unterbrochen. Allein an der Isar sind 35 Wasserkraftwerke in Betrieb, das erste davon wurde bereits 1896 errichtet. Neben der Verschlammung der Staubereiche stellen Wasserableitungen, unzureichende Restwassermengen sowie der Schwallbetrieb von Wasserkraftanlagen eine erhebliche Gefährdung für die verbliebenen Huchenbestände dar.
