Ergebnisse der Untersuchung zu Innenentwicklungspotenzialen
In deutschen Städten und Gemeinden existieren mindestens 120.000 Hektar Brachflächen und Baulücken. Dies entspricht etwa 15 Quadratmetern pro Einwohner. Im Vergleich dazu beträgt der jährliche Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen in Richtung „grüne Wiese“ etwa 3,5 Quadratmeter pro Einwohner.
Würden die Kommunen ihre Innenentwicklungspotenziale kennen und nutzen, müssten rein rechnerisch in den nächsten vier Jahren keine neuen Flächen am Stadtrand versiegelt werden.
Dies erläutert Projektleiter Dr. Georg Schiller. Das tatsächliche Potenzial an Flächen im Bestand könnte sogar höher sein, da die Untersuchung zeigte, dass Kommunen den Umfang vorhandener Flächen häufig unterschätzen. Dies trifft insbesondere zu, wenn sie lediglich auf Schätzwerte zurückgreifen können, was bei 70 Prozent der befragten Städte und Gemeinden der Fall war.
Aktuell erfasst nur etwa ein Drittel aller Kommunen in Deutschland ihre Innenentwicklungspotenziale systematisch. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede: In Ostdeutschland sind es 20 Prozent, in Westdeutschland 40 Prozent. Auch zwischen Landgemeinden (25 Prozent) und Großstädten (bis zu 100 Prozent) gibt es erhebliche Differenzen.
Herausforderungen in kleineren Gemeinden bei der Erfassung
Ein großes Potenzial liegt in kleineren Kommunen: Mehr als ein Viertel der erfassten Brachflächen und Baulücken befand sich in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern.
Gerade die kleinen Gemeinden tun sich besonders schwer mit der systematischen Erfassung ihrer Innenentwicklungspotenziale. Sie scheuen den hohen Personal- und Kostenaufwand, den es braucht, um vor allem die Erfassung kleinteiliger Baulücken zu stemmen - und diese Baulücken stellen mit 56 Prozent den größeren Teil der Flächenpotenziale.
Die Wissenschaftler des IÖR betonen, dass Kommunen für eine nachhaltige Entwicklung, informierte Planung und transparentes Handeln auf genaue Informationen zu ihren Flächenpotenzialen angewiesen sind.
Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Kommunen ermöglichen, die notwendigen Grundlagen für ihre Planungen zu erstellen und zu nutzen. Ein bundesweites Flächenmonitoring ist nach Ansicht der Wissenschaftler aktuell nur durch eine regelmäßige Befragung der Kommunen realisierbar.
Es hat sich gezeigt, dass sich auf diesem Wege für ganz Deutschland Aussagen zu Innenentwicklungspotenzialen und auch zu regionalen Unterschieden treffen lassen.
Um Veränderungen zu erfassen, müssten diese Befragungen regelmäßig wiederholt werden, so Georg Schiller. Auf dieser Basis könnten statistisch belastbare Aussagen generiert werden, die als Grundlage für politische Diskussionen zur flächensparenden Siedlungspolitik dienen. Die zentralen Ergebnisse der Studie „Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme – Innenentwicklungspotenziale“ sind online auf der Internetseite des BBSR verfügbar. Eine umfassende BBSR-Sonderveröffentlichung ist in Vorbereitung.
