Neue Erkenntnisse zur karnivoren Natur von Nutzpflanzen
Die Vorstellung fleischfressender Pflanzen ruft meist Bilder von Venusfliegenfallen oder tropischen Kannenpflanzen hervor. Eine aktuelle Entdeckung aus den Royal Botanical Gardens Kew in London zeigt jedoch, dass auch alltägliche Nutzpflanzen wie Tomaten und Kartoffeln zu den Insektenfressern zählen.
Wissenschaftler stellten fest, dass diese Pflanzenarten mithilfe klebriger Härchen an ihren Stängeln kleine Insekten fangen und töten. Die Nährstoffe der verendeten Tiere werden anschließend über die Wurzeln aufgenommen, sobald die Insekten auf den Boden fallen und dort zersetzt werden.
Dieser Mechanismus, so die Forscher, könnte sich bei den Wildformen der heutigen Kulturpflanzen entwickelt haben, um das Überleben auf nährstoffarmen Böden zu sichern. Bemerkenswert ist, dass diese Fähigkeit zur Nährstoffgewinnung auch in den heutigen, intensiv gezüchteten Sorten erhalten geblieben ist.
Neben Tomaten und Kartoffeln wurde dieser Mechanismus auch bei weiteren Pflanzenarten wie Petunien, Ziertabak und dem Hirtentäschelkraut nachgewiesen. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass die tatsächliche Anzahl fleischfressender Pflanzenarten deutlich höher ist als bisher angenommen. Sie gehen davon aus, dass die Zahl um bis zu 50 Prozent steigt, wenn man die bisher als "harmlos" eingestuften Pflanzen in diese Kategorie einbezieht.
