Schwerpunkte des Forderungspapiers der Bauwirtschaft
Die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg hat im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung ein Forderungspapier an Landtagsabgeordnete von CDU, GRÜNEN, SPD und FDP übergeben. Darin werden langfristige Maßnahmen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sowie Reformen in der öffentlichen Bauverwaltung thematisiert.
Zu den Kernforderungen gehören verstärkte Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, Anreize für die Gebäudesanierung, der Einsatz moderner und umweltfreundlicher Baustoffe sowie die Förderung der Grünen Stadtentwicklung. Ebenso werden der Abbau von Wettbewerbsverzerrungen und bürokratischen Hemmnissen sowie die Stärkung der dualen Ausbildung und der Bildungszentren gefordert.
Bernhard Sänger, Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft, appellierte an die Politik, die Kommunen zu unterstützen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie schnellstmöglich zu überwinden.
Jeder Euro, der von öffentlicher Hand in marode Schulen, Straßen und Brücken oder in den sozialen Wohnungsbau gesteckt wird, ist gut angelegtes Geld. Zusätzlich brauchen wir für private Investoren dauerhafte Anreize, um die Wohnungsnot im Land wirksam zu bekämpfen.
Ein zentrales Anliegen ist die energetische Gebäudesanierung zur Minderung des CO2-Ausstoßes. Dieses Thema dürfe trotz der Corona-Krise nicht vernachlässigt werden, um die Klimaziele 2050 zu erreichen. Aktuell sind etwa 30 % der CO2-Emissionen in Deutschland auf unzureichend gedämmte Gebäude und veraltete Heizsysteme zurückzuführen. Über 60 % der Wohngebäude in Baden-Württemberg wurden vor mehr als 40 Jahren errichtet und sind für zwei Drittel des Wärmeverbrauchs verantwortlich. Jährlich wird jedoch nur etwa 1 % aller Gebäude energetisch saniert.
Die Bauwirtschaft fordert, den Einsatz ökologisch wertvoller Baustoffe auf Landesebene zu forcieren. Bei öffentlichen Bauvorhaben sollen vermehrt nachwachsende Rohstoffe wie Holz sowie klimafreundliche, innovative mineralische Baustoffe und Recycling-Baustoffe verwendet werden.
Die Förderung einer Grünen Stadtentwicklung wird ebenfalls als wichtig erachtet. Grüne Städte bieten klimatische Vorteile wie CO2-Bindung, Abkühlung, Schutz vor Überschwemmungen und die Förderung der Artenvielfalt. Hierfür sei ein starkes Klimapaket der Landesregierung notwendig.
Des Weiteren erwartet die Baubranche Unterstützung bei der Stärkung der Baugenehmigungsbehörden. Präsident Bernhard Sänger beklagt Defizite in diesem Bereich.
Vor allem die Sachbearbeiter und Planer auf den Bauämtern müssen regelmäßig geschult werden, damit sie up to date sind in punkto moderne Bauweisen, Fertigungsverfahren, umweltfreundliche Baustoffe, Kostenkalkulation und baurechtliche Vorschriften.
Er fordert eine Aufstockung des Personals in den Ämtern, eine digitale Ausstattung sowie eine Verschlankung der Antragsverfahren, um die Durchlaufzeiten von Bauanträgen zu verkürzen. Sänger kritisiert zudem den Bürokratismus, der zu steigenden Kosten und weniger Zeit für die eigentliche Bautätigkeit führe. Insbesondere die Dokumentationspflichten in nahezu allen Arbeitsbereichen würden überhandnehmen. Er appellierte an die anwesenden Politiker, eine handwerkerfreundlichere und praktikablere Gesetzgebung anzustreben.
