Die Grüne Stadt

Platanen im Stadtbild: Herausforderungen durch Pilzerkrankungen

Platanen, einst ideale Stadtbäume, kämpfen zunehmend mit Pilzerkrankungen wie Apiognomonia-Blattbräune, Platanenkrebs und Massaria-Krankheit. Diese Bedrohungen beeinträchtigen den Baumbestand und erfordern angepasste Pflegekonzepte.

Pilzerkrankungen bei Platanen: Ursachen und Auswirkungen

Platanen galten lange als ideale Stadtbäume und prägen vielerorts das urbane Grün. In den letzten Jahren sind jedoch vermehrt Pilzerkrankungen zu beobachten, die den Baumbestand beeinträchtigen.

Im Frühling zeigen viele Platanen bereits kurz nach dem Austrieb braune und verkrüppelte Blätter, die zu Boden fallen. Teilweise verlieren Bäume innerhalb weniger Wochen ihre gesamte Belaubung. Dieses Phänomen ist häufig auf die Apiognomonia-Blattbräune zurückzuführen, verursacht durch den Schadpilz Apiognomonia veneta. Der Pilz tritt besonders bei feucht-kaltem Frühjahrswetter auf und infiziert die frisch austreibenden Blätter.

Apiognomonia-Blattbräune: Bedeutung von Vitalität und Pflege

Die Symptome der Apiognomonia-Blattbräune äußern sich zunächst in zackenartigen braunen Stellen auf den Blättern, die dann verwelken und abfallen. Auch junge Triebe können absterben. Torsten Drübert vom Fachverband geprüfter Baumpfleger erklärt:

Wenn Platanen Welkesymptome zeigen, steckt häufig die Apiognomonia-Blattbräune dahinter. Sie wird oft auch als Platanenblattbräune bezeichnet und vom Schadpilz Apiognomonia veneta verursacht. Dieser Pilz tritt vor allem auf, wenn das Frühjahr feucht und kalt war, und infiziert die frisch austreibenden Blätter.

Ein vitaler Baum kann die Apiognomonia-Blattbräune in der Regel gut überstehen, indem er Mitte Juni ein zweites Mal austreibt. Diese Blätter bleiben dann meist gesund. Zur Vorbeugung eines erneuten Befalls sollten dürre Zweige entfernt und Falllaub konsequent beseitigt werden, da der Pilz darauf überwintert.

Diese positive Prognose gilt jedoch primär für vitale Bäume. Viele Stadtbäume sind durch ungünstige Bedingungen wie zu kleine Pflanzgruben, schlechte Wasserversorgung, Bodenverdichtungen, Feinstaub und Salzeinträge geschwächt. Ein gestresster Baum kann selbst durch eine vergleichsweise harmlose Pilzerkrankung wie die Apiognomonia-Blattbräune absterben. Torsten Drübert betont:

Zu kleine Pflanzgruben, schlechte Wasserversorgung, Bodenverdichtungen, die Belastung durch Feinstaub und winterliche Salzeinträge – Stadtbäume stehen unter Dauerstress. Und einen gestressten oder vorgeschädigten Baum kann dann selbst eine vergleichsweise harmlose Pilzerkrankung wie die Apiognomonia-Blattbräune zum Absterben bringen.

Als Gegenmittel empfiehlt er an das Stadtklima angepasste Baumarten und gute Standortbedingungen. Bei Neupflanzungen sollte die Pflanzgrube mindestens 12 Kubikmeter fassen. Ein regelmäßiger, fachgerechter Schnitt in den ersten 15 Jahren ist ebenfalls entscheidend für die Langlebigkeit eines Stadtbaumes.

Platanenkrebs: Eine ernste Bedrohung

Eine weitere Bedrohung stellt der Platanenkrebs dar, verursacht durch den Pilz Ceratocystis platani. Die Symptome ähneln auf den ersten Blick denen der Apiognomonia-Blattbräune, zeigen aber spezifische Merkmale. Torsten Drübert beschreibt:

Wer die nur schwach belaubte Baumkrone genauer betrachtet, bemerkt meist auffällig kleine gelbe Blätter. Manchmal sind auch Teile der Rinde braunviolett verfärbt und eingesunken, oder es sind Wucherungen zu sehen.

Der Pilz verstopft die Leitungsbahnen des Baumes, der versucht, sich durch Abschnürung der betroffenen Stellen zu wehren, was jedoch den Saftfluss unterbindet. Problematisch ist, dass der Pilz nicht nur über Wunden eindringt, sondern sich auch über Wurzelkontakte auf Nachbarbäume ausbreiten kann. Dies kann zum Absterben ganzer Alleen führen.

Drübert zieht Parallelen zum Ulmensterben in den 1960er Jahren, das durch einen aus Nordamerika eingeschleppten Pilz verursacht wurde. Damals wurden Ulmen-Alleen durch Platanen-Alleen ersetzt. Heute setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine Risikostreuung durch einen Mix unterschiedlicher Baumarten notwendig ist, sowohl in Alleen als auch generell. Eine Mischung robuster Baumarten, gute Standortbedingungen und fachgerechte Pflege können Kosten sparen und das Stadtklima sowie die Lebensqualität verbessern.

Massaria-Krankheit: Auswirkungen bei Trockenstress

Neben den genannten Erkrankungen beeinträchtigt auch die Massaria-Krankheit, verursacht durch den Pilz Splanchnonema platani, zunehmend Platanen. Normalerweise führt dieser Pilz zum Absterben dünnerer Zweige. Bei unzureichender Wasserversorgung, wie sie nach niederschlagsarmen Hitzesommern häufig auftritt, kann der Schwächeparasit jedoch auch größere Äste befallen und deren Bruchfestigkeit beeinträchtigen. Zur Erkennung eines Massaria-Befalls müssen die oberen Astbereiche inspiziert werden, wo aufgeplatzte und abgestorbene Rindenbereiche sowie typische, erst rötliche, dann rußartig-schwarze Verfärbungen zu finden sind.

23.07.2020

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