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Frühe Ernte und regionale Vielfalt: Die Pflaumen- und Zwetschgensaison 2020

Die Pflaumen- und Zwetschgensaison 2020 startete früher als üblich. Über 51.000 Tonnen wurden im Vorjahr konsumiert, mehr als die Hälfte davon aus Deutschland. Erfahren Sie mehr über die Unterschiede, Anbauregionen und Ernteaussichten.

Saisonstart und Konsumverhalten

Die Pflaumen- und Zwetschgensaison startete in diesem Jahr bereits im Juni, und damit früher als üblich. Normalerweise sind die Früchte von Juli bis Oktober aus heimischem Anbau in den deutschen Supermärkten erhältlich. Im vergangenen Jahr wurden über 51.000 Tonnen frische Zwetschgen und Pflaumen konsumiert, was fast einem Kilogramm pro Kopf entspricht. Mehr als die Hälfte dieser Menge stammte aus Deutschland.

Die wichtigsten Anbauregionen in Deutschland sind Baden-Württemberg mit 17.700 Tonnen, Rheinland-Pfalz mit 10.600 Tonnen und Niedersachsen mit 5.000 Tonnen. Beim Einkauf von Pflaumen liegt Nordrhein-Westfalen mit 24,7 % der Einkaufsmenge vorn, gefolgt von der Region Nordwest (18,6 %) und der Mitte Deutschlands (15,4 %). Auch beim Zwetschgenverbrauch führt Nordrhein-Westfalen mit 22,5 %, während Baden-Württemberg (17,2 %) und Bayern gemeinsam mit der Region Nordwest (16 %) die weiteren Plätze belegen.

Pflaume oder Zwetschge: Unterschiede und Verwendung

Obwohl die Begriffe Pflaume und Zwetschge oft synonym verwendet werden, handelt es sich um zwei unterschiedliche Sorten. Beide gehören zu den Rosengewächsen, wobei die Zwetschge eine Unterart der Pflaume ist. Die Zwetschge ist länglich-oval und kleiner als die Pflaume. Ihr Geschmack variiert je nach Sorte von aromatisch-mild bis fein-säuerlich. Das meist gelbe Fruchtfleisch löst sich leicht vom länglichen, flachen und an beiden Seiten zugespitzten Stein.

Die Pflaume ist eher rundlich und besitzt eine ausgeprägte Bauchnaht. Ihr Stein ist rund und bauchig. Das Fruchtfleisch ist oft rot und süß. Pflaumen sind neben Dunkelblau auch in Rot, Gelb und Grün erhältlich. Zwetschgen eignen sich aufgrund ihres festeren Fruchtfleisches gut zum Backen, da sie ihre Form bei hohen Temperaturen behalten. Pflaumen hingegen zerfließen wegen ihres höheren Wasseranteils und weicheren Fruchtfleisches schneller. Pflaumen lassen sich gut zu Kompott oder in Süßspeisen wie Crumble verarbeiten. Beide Früchte können auch in herzhaften Gerichten wie Fleischgerichten, Salaten oder zu Ziegenkäse verwendet werden.

Ernteaussichten und neue Sorten

Nach einem ertragreichen Jahr 2018 mit fast 62.000 Tonnen war 2019 mit rund 47.000 Tonnen ein durchschnittliches Jahr für die Erzeuger. Für 2020 sind die Aussichten trotz eines turbulenten Frühjahrs mit Frostperioden positiv. Die Saison begann im Juni mit frühen Sorten wie „Ruth Gerstetter“, „Juna“ und „Hermann“, gefolgt von „Katinka“ und „Cacaks Schöne“.

Die Zwetschgen- und Pflaumenernte ist aktuell in vollem Gange. Wegen des turbulenten Frühjahrs mit Frostperioden erwarten wir zwar weniger Ernteertrag, als in den vergangenen Jahren, bleiben aber weiterhin zuversichtlich. Bis Ende September werden Zwetschgen bei uns auf rund 800 Hektar in unseren 800 Betrieben geerntet.

Dies erklärte Markus Litterst, Anbauberater bei der OGM Obstgroßmarkt Mittelbaden eG. Er hob die neue Sorte „Franzi“ hervor, die in diesem Jahr erstmals Ertrag bringt. „Franzi“ zeichnet sich durch ein ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis aus und eignet sich sowohl zum Backen als auch als Snack. Ihr Fruchtfleisch ist goldgelb und saftig, die Schale tiefblau und beduftet. Die Sorte wurde von Dr. Michael Neumüller in Bayern gezüchtet und nach dreijähriger Testphase in dieser Saison erstmals in den Einzelhandel gebracht.

Judith Beicht, Marketingverantwortliche vom Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG, ergänzte:

Nach dem frühen Saisonstart im Juni hat der Frühfrost auch in der Pfalz den Saisonverlauf bei der Zwetschgenernte getrübt. Wir erwarten in diesem Jahr weniger Ernteertrag, bleiben aber dennoch zuversichtlich. Unsere Zwetschgen haben noch bis Ende September Saison.

Siegfried Frank, Key Account Manager von Obst vom Bodensee, wies auf die Herausforderung hin, große Mengen der kurz haltbaren Zwetschgen innerhalb kurzer Zeit zu vermarkten. Er betonte die Beliebtheit von Zwetschgen im frischen Blechkuchen oder als Destillat in der südlichsten Ferienregion Deutschlands.

Arthur Heinze, Vertriebsleiter Obst bei Landgard West, erklärte:

Im Westen fallen die Ernteerwartungen bei Zwetschgen dieses Jahr aufgrund der Frostschäden Ende April etwas geringer aus als im Vorjahr. Generell rechnen wir im Rheinland trotz dieses schwierigen Starts und der erschwerten Rahmenbedingungen aber ansonsten mit einer guten Zwetschgen-Saison. So ist Katinka als frühe Sorte bereits vollständig vermarktet, Cakaks laufen dann bis Ende Juli, die Sorten Ortenauer, Auerbacher sowie deutsche Hauszwetschge folgen im Anschluss. Wir gehen davon aus, dass die Früchte dann sicherlich bis Ende September im Handel verfügbar sind.

Wissenswertes zu Pflaumen und Zwetschgen

Nährwerte

Pflaumen und Zwetschgen liefern Energie und versorgen den Körper mit Vitaminen A, B und E, Eisen, Magnesium und Kupfer. Die ballaststoffreichen und kalorienarmen Früchte unterstützen die Verdauung und eignen sich für eine leichte Ernährung. Bei Fructose-Unverträglichkeit sollte auf sehr reife Früchte verzichtet werden, da diese einen höheren Fruchtzuckergehalt aufweisen.

Einkauf und Lagerung

Beim Einkauf sollten Pflaumen und Zwetschgen nicht zu fest sein, da sie als klimakterische Früchte nicht nachreifen. Eine reife Frucht ist prall, gibt bei leichtem Druck etwas nach und weist eine weißliche Schicht, die sogenannte „Beduftung“, auf. Diese Schicht schützt vor Austrocknung und sollte erst kurz vor dem Verzehr abgewaschen werden. Pflaumen schmecken etwa zwei Wochen nach ihrer Blaufärbung am besten. Zwetschgen erreichen ihre volle Reife und Süße, wenn sie am Stielansatz leicht schrumpfen.

Frische Pflaumen und Zwetschgen halten sich je nach Sorte zwei bis drei Tage, maximal eine Woche im Kühlschrank. Entkernte Früchte können eingefroren werden und sind dann bis zu einem Jahr haltbar. Alternativ lassen sich die Früchte durch Erhitzen konservieren, beispielsweise als Kompott. Dazu werden die Früchte entsteint, geviertelt und mit Wasser und Zucker aufgekocht, bevor die Masse in sterilisierte Gläser gefüllt wird.

24.07.2020

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