Nachhaltige Lösungen für urbane Herausforderungen
Die Veranstaltungsreihe des Forums Grünes Bauen Bayern, die sich an Landschaftsarchitekten, -planer, Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und Fachbetriebe im GaLaBau richtet, fand in diesem Jahr im Rahmen der Landesgartenschau in Würzburg statt. Themenschwerpunkte waren das Regenwasser-Management im Mai und die Stadtbegrünung im Juli.
Angesichts des Klimawandels und der Zunahme extremer Wetterereignisse stehen Planer und Ausführende vor Herausforderungen. Kurze, heftige Starkregenereignisse, sogenannte urbane Sturzfluten, verursachen Sachschäden. Gleichzeitig nehmen Hitzeperioden zu, was die urbane Vegetation an ihre Grenzen bringt. Städte und Kommunen reagieren darauf mit der Erhebung von Niederschlagswassergebühren für versiegelte Flächen oder der Vorschrift, Niederschläge auf dem eigenen Grundstück zu entwässern.
Die Veranstaltung am 16. Mai 2018 befasste sich mit einer nachhaltigen, urbanen Infrastruktur für ein effektives Regenwasser-Management. Ziel war es, Niederschläge länger zurückzuhalten oder schneller versickern zu lassen. Dabei wurde die Bedeutung von versickerungsfähigen Belägen und dem Retentionsvolumen von Dachbegrünungen hervorgehoben. Gerhard Zäh, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e.V. (VGL Bayern), forderte in seinem Grußwort eine bessere Bewertung von Kompensationsmaßnahmen durch Stadtbegrünung bei der Berechnung von Ausgleichsmaßnahmen.
Bei der gesetzlichen Regelung müssen Begrünungs- und Naturschutzmaßnahmen unmittelbar am Investitionsobjekt gegenüber Ausgleichsaktivitäten in der freien Landschaft deutlich bessergestellt werden. Damit werden Anreize für Bauherren geschaffen, in eine begrünte Immobilie zu investieren.
Zäh appellierte an Entscheidungsträger, Bebauungspläne entsprechend zu überprüfen und Regelungen zur Dachbegrünung zu verankern. Als positives Beispiel nannte er einen Discounter in Würzburg-Lindleinsmühle, der im Herbst des Vorjahres mit einer extensiven Dachbegrünung eröffnet wurde.
Die Veranstaltung am 19. Juli 2018 konzentrierte sich unter dem Motto „Mooswände, Living Walls und Stadtbäume – nachhaltige, energieeffiziente Stadtbegrünung“ auf Lösungen zur Hitzeresilienz urbaner Vegetation.
Jürgen Eppel, Leiter des Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim, stellte in seinem Fachreferat „Grüne Klimafassaden – Utopie und Wirklichkeit“ neue Trends und Bauweisen in der Fassadenbegrünung vor. Er betonte die Notwendigkeit einer engen Vernetzung von Gebäude und Pflanze sowie die Nutzung von Synergien, beispielsweise mit Erdwärme. Eppel berichtete zudem über einen Testversuch in Nürnberg-Muggenhof, präsentierte Ergebnisse von Vertikalbegrünungen im Systemvergleich und gab eine Pflanzenauswahl für Begrünungssysteme.
Dr. Susanne Böll, ebenfalls vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau, informierte über aktuelle Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“. In diesem Langzeitversuch, der seit 2009 läuft, werden in den bayerischen Klimaregionen Würzburg, Hof-Münchberg und Kempten 30 Baumarten auf ihre Stresstoleranz und klimaresiliente Eignung untersucht. Ein weiteres Forschungsfeld widmet sich der Biodiversität auf Straßenbäumen.
Peter Menke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Die Grüne Stadt, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Rettet den Vorgarten“, der an die Initiative des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau anknüpfte. Beide Fachtagungen wurden mit einer Führung über das Gelände der Landesgartenschau abgeschlossen.
Die letzte Veranstaltung des Jahres, „Städtebau – Innenentwicklung und Baukultur“, findet am 25. September 2018 ebenfalls in Würzburg statt. Das Forum Grünes Bauen Bayern ist eine Initiative des VGL Bayern, des Bayerischen Industrieverbandes Baustoffe, Steine und Erden e.V. sowie der InformationsZentrum Beton GmbH. Die Initiative fördert die qualitätsvolle Planung und Ausführung baulicher Anlagen im öffentlichen Raum.


