Stauden revolutionieren die Grabgestaltung
Friedhöfe entwickeln sich zunehmend zu wichtigen grünen Oasen in Städten. Sie dienen nicht nur der Trauerarbeit, sondern bieten auch Raum für Spaziergänge und Erholung. Diese Entwicklung ist eng mit einer sich wandelnden Grabgestaltung verbunden.
Das liegt auch an der sich wandelnden Grabgestaltung. Intensiv gestaltete Mustergräber sind auf Gartenschauen immer Anziehungspunkte. Zwischen Stiefmütterchen, Eis-Begonien und anderen einjährigen Blumen werden aber immer mehr Stauden gepflanzt. Teilweise schmücken abwechslungsreiche Staudenpflanzungen auch komplett die Gräber und harmonieren optisch wunderbar mit dem alten Baumbestand.
Dies erklärt Martin Becker, Inhaber der Staudengärtnerei Becker in Dinslaken. Er hat mit zahlreichen Friedhofsgärtnern zusammengearbeitet und beobachtet, wie Stauden wie Schaumblüte (Tiarella), Herzblume (Dicentra), Storchschnabel (Geranium), Gedenkemein (Omphalodes), Purpurglöckchen (Heuchera) und Elfenblumen (Epimedium) neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Stauden bieten ein breites Spektrum an Arten für verschiedene Stile und Standorte. Ihre Präsenz auf Friedhöfen nach Gärten und öffentlichen Grünflächen war laut Becker eine logische Entwicklung.
Der Trend zu naturnaheren Gestaltungsansätzen und die Entwicklung attraktiver Gemeinschaftsgrabflächen haben die Verbreitung mehrjähriger Pflanzen beschleunigt. Gemeinschaftsgrabstellen sind oft schnell vergeben, da sie eine entspannende und ästhetische Atmosphäre schaffen, die an einen Wald oder einen ruhigen Garten erinnert. Der Gedanke, sich auch nach dem Tod in eine Gemeinschaft einzufügen, wird von vielen als tröstlich empfunden.
Vielfältige Gestaltungsansätze mit Stauden
Friedhofsareale können unterschiedliche Charaktere annehmen. Es gibt Bereiche mit Biotop-Charakter, die neben Natursteinen und Namen der Verstorbenen auch knorrige Wurzelstöcke, Baumstämme, Teiche, Bachläufe und Nisthilfen umfassen. Hier kommen attraktive Stauden zum Einsatz, die Nektar, Pollen oder Samen liefern und so die Tierwelt unterstützen.
Für Liebhaber einer aufgeräumteren Ästhetik gibt es großzügige Schmuckpflanzungen, mediterran inspirierte Areale oder asiatisch anmutende Varianten mit eleganten Gräsern, Funkien (Hosta) und eingestreuten Fächer-Ahornen. Martin Becker betont, dass all diesen Gestaltungsformen gemeinsam ist, dass sie von Stauden geprägt werden und sich entsprechend der Jahreszeiten verändern. Zudem werden diese Flächen von ausgebildeten Gärtnern betreut, was ein dauerhaft harmonisches und gepflegtes Erscheinungsbild gewährleistet.
Stauden für die Grabbepflanzung: Praktische Hinweise
Auch auf Einzelgräbern ersetzen Stauden zunehmend traditionelle Bepflanzungen wie Stiefmütterchen, Efeu oder Mulchschichten. Martin Becker hebt die große Auswahl an attraktiven Staudenarten und -sorten hervor. Er erwartet, dass die zunehmenden Wetterextreme diesen Wandel weiter vorantreiben werden, da viele Stauden hitze- und trockenheitsverträglich sind. Als Beispiel nennt er den Immergrünen Gamander (Teucrium lucidrys), der als robuster und schnittverträglicher Buchsersatz dient und mit seinen rosafarbenen Blüten Insekten anzieht.
Bei der Pflanzenauswahl unterscheidet Becker zwischen Stauden aus Staudengärtnereien in kleinen Töpfen und solchen, die in großen Gefäßen üppig wachsen. Für kleine Grabflächen eignen sich kleine Ballen besser, da diese Stauden robust, winterhart und auf Dauerhaftigkeit ausgelegt sind. Sie entwickeln sich schnell, bleiben kompakt und fallen weniger auseinander. Auf torfhaltige Erde oder eine Abdeckung mit spezieller Graberde kann bei diesen Pflanzen verzichtet werden.
