Friedhofspflege und Friedhofsgestaltung

Friedhofsbesucher als Kunden begreifen

Friedhofsgärtner und Bestatter übernehmen in Weil am Rhein seit 1997 zentrale Aufgaben des Friedhofsmanagements. Das Public-Private-Partnership-Modell sorgt für geringere Kosten, mehr Service, innovative Gestaltungskonzepte und eine hohe Zufriedenheit der Bürger.

Weil am Rhein setzt auf partnerschaftliches Friedhofsmanagement

In Weil am Rhein gilt die Zusammenarbeit zwischen Kommune, Friedhofsgärtnern und Bestattern seit Jahren als erfolgreiches Beispiel für ein Public-Private-Partnership-Modell. Bereits 1997 übertrug die Stadt einen Großteil der Leistungen auf eine private Arbeitsgemeinschaft. Dazu gehören Pflege- und Bestattungsleistungen sowie wesentliche Verwaltungsaufgaben. Ziel war es, die Wirtschaftlichkeit der Friedhöfe zu verbessern und gleichzeitig den Service für die Bürger auszubauen.

Friedhofsgärtner Gerhard Hugenschmidt zieht nach mehr als einem Jahrzehnt eine positive Bilanz. Besonders die Rückmeldungen der Bürger zum Erscheinungsbild der Friedhöfe wertet er als Bestätigung der geleisteten Arbeit.

"Viele Leute haben mich in den letzten Jahren angesprochen und gesagt, wie sehr sich der Friedhof auch optisch gemacht hat. Das hört ein Gärtner natürlich besonders gerne."

Dienstleistungsorientierung als Erfolgsfaktor

Die Übertragung kommunaler Aufgaben an private Partner ist inzwischen in vielen Bereichen verbreitet. Weil am Rhein gehörte jedoch zu den ersten Kommunen in Deutschland, die diesen Weg im Friedhofsmanagement einschlugen. Die Initiative ging von der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner aus, die in der örtlichen Friedhofsverwaltung einen aufgeschlossenen Partner fand.

Während die Genossenschaft die verwaltungstechnischen Aufgaben übernahm, verantwortet die Arbeitsgemeinschaft die praktische Umsetzung vor Ort. Die Entscheidung beruhte nicht allein auf wirtschaftlichen Überlegungen, sondern auch auf dem Fachwissen der beteiligten Friedhofsgärtner und Bestatter.

Finanzdruck zwingt Kommunen zum Umdenken

Die Rahmenbedingungen kommunaler Friedhöfe haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Seit den 1990er-Jahren stehen viele Kommunen unter erheblichem finanziellem Druck. Ausgabensenkungen, Verwaltungsmodernisierung sowie Ausgliederungen und Privatisierungen wurden vielerorts zu zentralen Instrumenten kommunaler Haushaltspolitik.

Gleichzeitig gerieten zahlreiche Friedhöfe wirtschaftlich unter Druck. Steigende Kosten trafen auf rückläufige Erträge. Als Reaktion wurden vielerorts Gebühren erhöht. Hinzu kamen veränderte Bestattungsgewohnheiten und neue Wettbewerber wie Friedwälder oder Seebestattungen, die zusätzliche Alternativen zum klassischen Friedhof boten.

Lange Zeit galt der Friedhof als selbstverständlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Mit wachsendem Kostenbewusstsein und neuen Bestattungsformen verlor diese Selbstverständlichkeit jedoch an Bedeutung. Dadurch stieg der Druck auf die Betreiber, ihre Angebote attraktiver und bürgernäher zu gestalten.

Der Friedhof als Ort für Lebende und Trauernde

Nach Ansicht von Hugenschmidt müssen Friedhöfe heute stärker auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer eingehen. Eine moderne Ausrichtung erfordere ein konsequent dienstleistungsorientiertes Verständnis.

"Wenn ein Friedhof heutzutage eine Zukunft haben will, muss er auch und insbesondere ein Ort der Lebenden werden."

Die wirtschaftlichen Ergebnisse des Modells in Weil am Rhein fallen positiv aus. Die Kommune konnte nach eigenen Angaben Einsparungen im hohen sechsstelligen Bereich erzielen. Trotz gestiegener Grabnutzungsgebühren liegen die Kosten für Grabanlegung und Bestattung weiterhin unter dem regionalen Preisniveau.

Für den Grabaushub werden 356 Euro berechnet, für den Sargträger 41 Euro. Gleichzeitig wurden verschiedene Serviceleistungen eingeführt, die nach Einschätzung der Beteiligten zu einer hohen Zufriedenheit der Bürger beitragen.

Mehr Wahlfreiheit und neue Angebote

Zu den wesentlichen Veränderungen gehört die freie Auswahl der Grabstelle. Diese Möglichkeit hat sich inzwischen etabliert und wird von vielen Angehörigen genutzt. Vor Bestattungen finden häufig persönliche Termine statt, bei denen die Lage des Grabes gemeinsam festgelegt wird.

Der zusätzliche Beratungsaufwand wird von der Arbeitsgemeinschaft bewusst in Kauf genommen. Die intensive Betreuung fördert den direkten Kontakt zu den Nutzungsberechtigten und schafft zusätzliche Dienstleistungen.

Ein Ansprechpartner im Trauerfall

Auch auf Verwaltungsseite werden die Vorteile der Zusammenarbeit hervorgehoben. Christoph Huber, Pressesprecher und Dezernent für die Friedhofsverwaltung der Stadt Weil am Rhein, blickt heute deutlich positiver auf das Modell als noch zu Beginn der Zusammenarbeit.

"Nehmen wir das Beispiel der einheitlichen Anlaufstelle. Früher musste der Bürger im Trauerfall obligatorisch sowohl zum Bestatter als auch zum Rathaus. Jetzt geht es nur zum Bestatter, der alles für ihn erledigt. Gerade in einer solchen angespannten psychischen Situation ein ungemeiner Vorteil für den Bürger."

Die Bündelung der Abläufe vereinfacht den organisatorischen Aufwand für Angehörige erheblich und reduziert Behördengänge in einer emotional belastenden Situation.

Kreativere Gestaltungskonzepte auf den Friedhöfen

Besonders positiv bewertet die Stadt die gestalterischen Impulse der beteiligten Friedhofsgärtner. In den vergangenen Jahren habe sich die Gestaltung vieler Friedhofsbereiche deutlich verändert. Starre und monotone Strukturen seien zunehmend durch abwechslungsreichere und zeitgemäße Konzepte ersetzt worden.

Huber sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität der Friedhöfe und würdigt die fachliche Kompetenz der beteiligten Betriebe.

"Die Friedhofsgärtner in unserer Arbeitsgemeinschaft haben das Gespür für fantasievolle Gestaltungen und haben viel wirklich Neues durchgesetzt. Die sind am Puls der Zeit und wissen was dem Bürger gefällt!"

Das Beispiel Weil am Rhein zeigt, wie durch die Zusammenarbeit von Kommune, Friedhofsgärtnern und Bestattern wirtschaftliche Entlastungen mit einem erweiterten Serviceangebot und einer höheren Aufenthaltsqualität verbunden werden können.

04.07.2008

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner mbH (GdF)

Claire-Waldoff-Straße 7
10117Berlin
Deutschland

Tel.:+49 30 200065246
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