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Frühe Kakaodarstellungen in Schloss Weikersheim zum Tag der Schokolade

Der 7. Juli wird als „Tag der Schokolade“ begangen, und Schloss Weikersheim birgt möglicherweise sehr frühe künstlerische Darstellungen der Kakaoschote. Diese Entdeckungen sind Teil des Themenjahres „Exotik. Faszination und Fantasie“ der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Historische Spuren der Kakaobohne in Europa

Der 7. Juli wird als „Tag der Schokolade“ begangen, da an diesem Datum im Jahr 1550 die Schokolade erstmals in Europa angekommen sein soll. Was einst als exotisches Getränk an den Barockhöfen zum Modegetränk avancierte, birgt in Schloss Weikersheim, der ehemaligen Residenz der Grafen von Hohenlohe-Weikersheim, möglicherweise sehr frühe künstlerische Darstellungen der Kakaoschote.

Im Rahmen des aktuellen Themenjahres „Exotik. Faszination und Fantasie“ der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg werden die exotischen Wurzeln unserer Alltagskultur und deren Spuren in den Monumenten des Landes beleuchtet. Schloss Weikersheim ist hierfür ein bemerkenswertes Beispiel.

Die Ankunft der Schokolade in Europa

Die erste dokumentierte Ankunft von Schokolade in Europa erfolgte 1544, als die Mayas den spanischen Eroberern verschiedene Freundschaftsgeschenke für den spanischen König überreichten. Darunter befand sich auch ein Gefäß mit geschlagener Schokolade. Die Liste dieser Geschenke gilt als erster Beleg für Schokolade in Europa. Die Ureinwohner Südamerikas stellten aus den öligen Kakaobohnen ein nahrhaftes Getränk her, das sie mit Mais, Pfeffer oder Honig mischten.

Kakaoschoten im Familienwappen von Schloss Weikersheim

In Schloss Weikersheim finden sich an mehreren Stellen Darstellungen der exotischen Kakaoschote. Diese entstanden nur etwa 50 Jahre nach dem Geschenk der Mayas und zählen somit zu den frühesten plastischen Abbildungen von Kakao in Europa. Besucher können diese Früchte im prächtigen Allianzwappen an der Decke des Treppenturms entdecken. Das Wappen vereint das Familienwappen von Gräfin Magdalena von Nassau-Katzenelnbogen mit dem ihres Ehemannes Graf Wolfgang II. von Hohenlohe. Es ist von einem Früchtekranz umrahmt, der unter anderem aufgebrochene Kakaoschoten zeigt.

Die Stuckdekorationen, die diese Darstellungen enthalten, stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts. Dies bedeutet, dass sie nur zwei Generationen nach der ersten Ankunft des Kakaos in Europa geschaffen wurden, was ihre Bedeutung als extrem frühe Zeugnisse unterstreicht.

Schokolade als Modegetränk und Genusskultur

Erst etwa 100 Jahre später, im 18. Jahrhundert, etablierte sich Schokolade zusammen mit Tee und Kaffee als Modegetränk. Dies führte zur Entwicklung einer neuen, eleganten Genusskultur. Die warmen Genussmittel wurden bevorzugt aus Porzellangefäßen getrunken, einem damals neuen und exotischen Material. Porzellan und die heißen Getränke traten gemeinsam ihren Siegeszug an und sind heute fester Bestandteil unseres Alltags.

Der Konsum von Schokolade als modisches Luxusgetränk wurde im 18. Jahrhundert regelrecht zelebriert. Zeitgenössische Berichte beschreiben das Spektakel: Mehrere Bedienstete waren an Zubereitung und Ausschank beteiligt. Ein Diener quirlte die warme Schokolade auf einem Rechaud cremig, ein anderer füllte die Tasse und reichte sie, und ein dritter bot ein Mundtuch an. Schokolade wurde oft morgens im Bett konsumiert.

Für den Genuss der kostbaren Flüssigkeit gab es spezielle Tassen, sogenannte Trembleusen. Ihre Untertasse verfügte über einen hohen Standring aus Porzellan, der die Tasse stabilisierte, um auch mit zitternden Händen – der Name leitet sich vom französischen „trembler“ für zittern ab – und auf unebenem Untergrund keinen Tropfen des teuren Getränkes zu verschütten.

Auch die Schokoladenkanne hatte eine charakteristische Form, die sie in Porzellansammlungen noch heute erkennbar macht. Typisch ist ein Loch im Deckel, eine Aussparung für den Quirl, mit dem die Schokolade schaumig gerührt wurde.

Die „Speise der Götter“ und ihre Schattenseiten

Kakao wird heute in Mittel- und Südamerika, Äquatorialafrika und Südostasien angebaut. Die jährliche weltweite Produktion beträgt bis zu 4,8 Millionen Tonnen. Der Kakaobaum, ein Malvengewächs, stammt ursprünglich aus den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Er kann bis zu 20 Meter hoch werden und Früchte von bis zu 30 Zentimetern Länge tragen.

Im Barock wurde dem wohlschmeckenden Getränk aus diesen Früchten sogar eine gesundheitliche Wirkung zugeschrieben. Der niederländische Arzt Cornelius Dekker verteidigte im 17. Jahrhundert die Schokolade gegen Vorurteile und bemerkte, sie tue „dem magen gut, (…) absonderlich wenn man nicht zuviel Zucker dazu thut.“

Um die bittere Schokolade zu verfeinern, fügten die Europäer der flüssigen Kostbarkeit teuren Zucker bei, was sie zu einem Luxusgut machte, das sich nur Adelige und die Oberschicht leisten konnten. Während die indigene Bevölkerung durch Zwangsarbeit, Eroberungskriege und eingeschleppte Krankheiten dezimiert wurde, stieg die Nachfrage nach Kakao in Europa deutlich an. Um diesen Bedarf zu decken, wurden zwischen 15 und 20 Millionen Menschen aus Westafrika verschleppt und auf Kakaoplantagen in Süd- und Mittelamerika versklavt.

Der Siegeszug durch Europa

Der „Tag der Schokolade“ am 7. Juli erinnert an das Datum, an dem Schokolade erstmals in Europa angekommen sein soll. Zunächst war nur warme Trinkschokolade bekannt. Die ersten Schokoladentafeln wurden 1847 von dem englischen Unternehmen J. S. Fry & Sons erfunden. Dies ermöglichte die Produktion von Schokolade in größeren Mengen und läutete den Siegeszug des süßen Genussmittels durch alle Gesellschaftsschichten Europas ein.

Das Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“

Im Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“ erforschen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg die Wege von Gewürzen, Kunsthandwerk und Pflanzen nach Europa. Die Sehnsucht nach Exotik bereicherte die höfische Inszenierung, doch das Themenjahr beleuchtet auch die Kehrseite: Die europäische Neugier und Besitzgier, der Wissens- und Expansionsdrang führten zu Gewalt und Ausbeutung von Mensch und Natur. Spuren dieses Phänomens finden sich in den Monumenten des Landes, oft an unerwarteten Stellen wie im Allianzwappen des Weikersheimer Grafenpaares in Schloss Weikersheim.

Besuchsinformationen für Schloss und Schlossgarten Weikersheim

Schloss und Schlossgarten Weikersheim sind für Besucher geöffnet. Für einen Besuch ist die Angabe von Kontaktdaten erforderlich (vor Ort, über die Luca-App oder ein Online-Kontaktformular). Zudem besteht für Gäste ab 6 Jahren die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (medizinische Masken oder FFP2-Masken).

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, Feiertage von 10:00 bis 18:00 Uhr. Letzter Einlass ist um 17:30 Uhr.

Eintrittspreise:

  • Schloss und Schlossgarten: 5 € pro Person
  • Standardführungen: Erwachsene 6,50 €, Ermäßigte 3,30 €, Familien 16,30 €, Gruppen (ab 20 Personen) 5,80 € pro Person

04.07.2021

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