Die Grüne Stadt

Grüne Stadt der Zukunft: Berliner Appell zur Stadt- und Freiraumplanung

Der 19. Bundesweite Umwelt- und Verkehrskongress in Berlin widmete sich der „Grünen Stadt der Zukunft“. Rund 350 Teilnehmer diskutierten über die Gestaltung urbaner Räume. Zum Abschluss wurde der Berliner Appell zur Stadt- und Freiraumplanung verabschiedet.

Inhalte und Forderungen des Berliner Appells

Der Appell betont, dass Urbanität und „durchgrünte Städte“ wesentliche Voraussetzungen für einen gesundheitserhaltenden Lebensraum sind. Das Bewusstsein für eine grüne Umgebung oder der Blick auf Grünflächen wirken sich positiv auf Gesundheit und Zufriedenheit aus. Die Nutzung von Grünanlagen für Spaziergänge, Sport, Bewegung und als Spielraum für Kinder und Jugendliche verstärkt diesen Effekt.

Begrünte Freiflächen sind zudem unverzichtbar für den Erhalt der Artenvielfalt, als Frischluftschneisen, Staubfilter, zur Verbesserung des Kleinklimas, zur Grundwassererneuerung und zur städtebaulichen Gliederung. Sie stellen eine Bastion gegenüber anderen Ansprüchen dar, da dort, wo Grün ist, keine Bebauung oder versiegelte Flächen entstehen.

Der Appell fordert, eine weitere Versiegelung von Grünflächen und öffentlich zugänglichen Kleingartenanlagen zu unterlassen, solange ungenutzter Altbaubestand und Brachflächen in den Städten existieren. Ein intensiver Schutz von Bäumen über 100 Jahren durch Bestandsschutz und Streusalzverbot wird gefordert.

Bürgerbeteiligung und Erreichbarkeit von Grünflächen

Bürger sollen die von ihnen genutzten Anlagen wertschätzen und pfleglich behandeln. Städtische Grünanlagen bieten gute Ansatzpunkte für die Beteiligung von Anwohnern und Vereinen, von der Planung bis zur Pflege. Angesichts von Personal- und Haushaltskürzungen in den Kommunen sind Initiativen aus der Bevölkerung zunehmend wichtig.

Verwaltungen sollen auch bei ungenehmigten Pflanzaktionen die kontinuierliche Pflege sichern und individuelle Bepflanzungen wie Baumscheiben, Balkone, Terrassen, Dächer und Fassaden sowie offene Gemeinschaftsgärten fördern. Grüne Freiräume sollen von allen Wohnungen der Stadt aus innerhalb von fünfzehn Minuten fußläufig, verkehrssicher und barrierefrei erreichbar sein. Dies ist besonders wichtig in Gebieten, wo Menschen unterdurchschnittlich das Auto nutzen, aber überdurchschnittlich unter dem Kraftfahrzeug-Verkehr leiden.

Begrünungen sollen klassische Luftreinhaltungs- und Lärmminderungsmaßnahmen wie Umweltzonen, Lkw-Verbote und Tempo 30 unterstützen. Die Stärkung von Naherholung, Nahversorgung und Nahmobilität sollen zentrale Ziele der Stadtpolitik bleiben. Eine Stadt benötigt eine ausgewogene Mischung aus Straßenbepflanzungen, Vorgärten, kleinen grünen Inseln (Plätzen), Grünanlagen in Stadtteilnähe (Parks, offenen Kleingärten, Friedhöfen), größeren, nicht vom motorisierten Verkehr durchquerten Grünflächen (Stadtparks) sowie verbindenden grünen Achsen (Alleen, grünen Hauptwegen).

Wegeverbindungen und Konfliktvermeidung in urbanen Grünräumen

In Stadtteilen mit Blockbebauung liegt der Schwerpunkt auf der Nutzung von Plätzen und Kreuzungen. Freistehende Hochhaus- oder Trabantenstädte sollen durch Programme zur Förderung fußläufiger Verbindungen zu Kultur-, Verweil- und Bürgerschaftsangeboten aufgewertet werden. Auch in Kleinstädten und Dörfern sind geschlossene Wegenetze für Spaziergänge erforderlich. Grüne Wegeverbindungen sind vorteilhaft für mobile Freizeitaktivitäten, müssen jedoch sicher über Kfz-Verkehrsflächen geführt werden.

An Übergängen über Fahrstreifen ist auf die Verbesserung der Sichtverhältnisse, die frühzeitige Erkennbarkeit von Querungsstellen für Autofahrer und die Reduktion der Fahrgeschwindigkeiten zu achten. Bei Grünverbindungen müssen mögliche Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern durch eine konsequente Trennung der Wege vermieden werden. Eine generelle Freigabe des Radfahrens auf allen Wegen innerhalb von Grünanlagen wird abgelehnt.

Hermetisch abgeschlossene Wohnviertel („Gated Communities“) sollen gesetzlich verhindert werden. Kommunen müssen Zugang zu Durchgängen, Uferwegen oder Wegen entlang von Bahnstrecken erhalten. Grünflächen und ein „humanisierter“ – ruhiger, langsamer, rücksichtsvoller – Straßenverkehr sind wichtige Standortfaktoren und Kriterien im Wettbewerb der Städte. Engagierte Städte können Einwohner zum Bleiben bewegen und neue Bewohner sowie Gäste anwerben. Diese Qualitäten sollten verstärkt in das Stadtmarketing integriert werden.

18.03.2013

Zurück