Allgemeines

Neue Methoden zur Beurteilung von Muskel-Skelett-Belastungen für die Prävention

Ein Forschungsverbund hat neue Methoden zur präzisen Erfassung und Beurteilung von Muskel-Skelett-Belastungen entwickelt. Dies ermöglicht eine effektivere Prävention von arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen, selbst bei komplexen Situationen.

Präzise Erfassung für effektive Prävention

Krankheiten und Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems sind eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland und zählen zu den häufigsten anerkannten Berufskrankheiten. Eine effektive Prävention dieser Gesundheitsprobleme erfordert eine präzise Erfassung und Beurteilung der zugrundeliegenden körperlichen Belastungen.

Ein neuer Methodenbestand, entwickelt von einem Forschungsverbund unter Beteiligung des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), ermöglicht eine genaue Bestimmung arbeitsbezogener Gefährdungen des Muskel-Skelett-Systems. Dies gilt auch für komplexe Belastungssituationen, bei denen einfache Screening-Verfahren nicht ausreichen.

Im Jahr 2018 waren laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales 125 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage auf Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes zurückzuführen. Im selben Jahr wurden 457 neue anerkannte Berufskrankheiten aufgrund von bandscheibenbedingten Erkrankungen der Lendenwirbelsäule registriert, verursacht durch Heben, Tragen und Zwangshaltungen des Oberkörpers.

Diese Schädigungen des Bewegungsapparates durch körperliche Fehlbelastungen am Arbeitsplatz führen nicht nur zu volkswirtschaftlichen Kosten, sondern auch zu einem Verlust an Lebensqualität für die Betroffenen.

Belastungssituationen in der Praxis, die das Muskel-Skelett-System fordern, sind oft sehr komplex und lassen sich dann nicht mit einfachen, beobachtungsbasierten Methoden erfassen. Je präziser die Belastungsermittlung, desto genauer die Gefährdungsbeurteilung und desto zuverlässiger die Ableitung wirklich wirksamer Maßnahmen.

Dies erklärt Dr. Britta Weber, Projektverantwortliche beim IFA. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts "Mehrstufige Gefährdungsanalyse physischer Belastungen am Arbeitsplatz – MEGAPHYS" prüfte das IFA in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), dem Institut für Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Darmstadt (IAD) und dem Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund (IfADo) verfügbare Methoden.

Dabei wurden gemeinsame Bewertungsmaßstäbe und ein abgestimmtes Risikokonzept für alle Verfahren definiert. Bestehende Verfahren wurden verbessert und um neue Anwendungsfelder ergänzt. Die Methoden wurden stärker miteinander vernetzt und sowohl im Labor als auch in einer Feldstudie an 200 Arbeitsplätzen mit 800 Beschäftigten erprobt und validiert.

Das IFA entwickelte und evaluierte Bewertungsalgorithmen für messtechnisch ermittelte Muskel-Skelett-Belastungsdaten. Diese Algorithmen basieren auf der biomechanischen Analyse von Bewegungen und Kräften sowie der leistungsphysiologischen Betrachtung von Anpassungsreaktionen des Körpers auf Belastung. Insgesamt stehen nun 28 Bewertungsverfahren für verschiedene Körperregionen, vom Nacken bis zum Knie, sowie für das Herz-Kreislauf-System zur Verfügung.

Das nun verfügbare Methodeninventar ermöglicht unterschiedlich detaillierte Beurteilungen für unterschiedlich komplexe Arbeitsaufgaben. Fachleute aus Ergonomie, Medizin und ähnlichen Disziplinen können damit Muskel-Skelett-Belastungen präzise beurteilen und auf dieser Grundlage wirksame Präventionsmaßnahmen ableiten.

18.11.2020

Zurück