Historische Einigung der G7-Umwelt- und Klimaminister
Die Umwelt- und Klimaminister der G7-Staaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, USA, Großbritannien und die EU – haben sich nach virtuellen Beratungen unter britischem Vorsitz auf gemeinsame Ziele und Maßnahmen verständigt. Erstmals wird der Kampf gegen den Klimawandel eng mit dem Einsatz gegen das Artensterben und der Prävention künftiger Pandemien verknüpft.
Diese Beschlüsse positionieren die G7-Staaten als Vorreiter für ambitionierte Ergebnisse bei den bevorstehenden Klimaverhandlungen in Glasgow im November und der Weltbiodiversitätskonferenz in Kunming, China, im Oktober.
Die Ursachen für Klimawandel, Artensterben und letztlich auch das Entstehen von Pandemien sind oft dieselben: Wir wirtschaften so, als hätten wir einen zweiten Planeten in der Tasche. Die gute Nachricht ist: Auch die Lösungen für all diese miteinander verbundenen Krisen gelingen gemeinsam. Darum ist es ein großer Fortschritt, wenn sich jetzt alle großen Industrienationen diesem ganzheitlichen Ansatz anschließen. In diesem Jahrzehnt braucht die Welt eine Trendumkehr hin zum Schutz unserer Lebensgrundlagen. Wir haben im Kreis der G7-Umweltminister*innen viele konkrete Positionen vereinbart, die Mut machen sowohl für die Weltklimakonferenz im November in Glasgow als auch für die Weltbiodiversitätskonferenz im Oktober in China.
Die G7-Staaten bekennen sich dazu, bis 2030 global und national 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Ein wichtiger Fortschritt ist die erstmalige Zusage aller G7-Staaten, die Finanzierung von Kohlekraftwerken im Ausland zu beenden.
Im Abschlussdokument verpflichten sich die G7-Umweltminister zur Klimaneutralität bis spätestens 2050. Alle G7-Staaten haben ihre Klimaziele für dieses Jahrzehnt bereits angehoben oder angekündigt, dies bis zur Weltklimakonferenz COP 26 in Glasgow zu tun.
Konkrete Absprachen wurden in den Bereichen Verkehr, Energie und Industrie getroffen. Die Stromversorgung soll in den 2030er Jahren weitestgehend dekarbonisiert sein, also ohne Kohle, Öl und Gas auskommen. Der Abschied vom Öl im Verkehrssektor soll sich in den 20er Jahren deutlich beschleunigen.
Neu ist die Vereinbarung, die staatliche Finanzierung von herkömmlichen Kohlekraftwerken bis Ende dieses Jahres einzustellen. Die G7 sind sich einig, dass weitere Investitionen in Kohleverstromung weltweit gestoppt werden müssen, da sie nicht mit dem Ziel vereinbar sind, die 1,5-Grad-Temperaturgrenze einzuhalten.
Für die internationale Zusammenarbeit ist das gemeinsame Verständnis von Bedeutung, dass robuste Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards für einen funktionierenden Kohlenstoffmarkt zentral sind. Dies kann das freiwillige Engagement des Privatsektors in zusätzliche Minderungsmaßnahmen lenken und zur globalen Ambitionssteigerung beitragen.
Die G7 unterstützen Entwicklungsländer beim Klimaschutz und beim Erhalt der Natur und arbeiten daran, die Finanzmittel bis zur Weltklimakonferenz in Glasgow zu erhöhen. Ein Kernanliegen ist die enge Verknüpfung von Natur- und Klimaschutz.
Im Hinblick auf die Weltbiodiversitätskonferenz in Kunming, China, werden sich die G7-Staaten für einen ambitionierten globalen Rahmen für biologische Vielfalt einsetzen. Sie unterstützen das Ziel, bis 2030 weltweit und im eigenen Land mindestens 30 % der Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Deutschland setzt sich zudem für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten in der Ost-Antarktis ein.
Weitere wichtige Punkte für Deutschland sind die Einigung der G7-Staaten auf die verstärkte Bekämpfung des Wildtierhandels und die Förderung nachhaltiger, entwaldungsfreier Lieferketten.
Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis des Treffens mehr als zufrieden. Nachdem wir uns im vergangenen Jahr als G7-Umwelt- und Klimaminister*innen gar nicht getroffen haben, spüre ich deutlich, wie schnell sich jetzt Positionen aufeinander zu bewegen und Einigungen erzielt werden können, die ich noch vor kurzem nicht für möglich gehalten hätte. Diesen engen Gleichklang im Rahmen der G7 brauchen wir, um internationale Vereinbarungen für mehr Klimaschutz und mehr Artenschutz treffen zu können.
Deutschland wird die G7-Agenda im kommenden Jahr unter deutscher Präsidentschaft weiterführen.
