Rigolen unter Asphalt sorgen für Schwammstadt-Effekt
Am Sportpark Eickel in Herne ist eine rund 2.000 Quadratmeter große Parkplatzfläche klimagerecht umgestaltet worden. Herzstück der Maßnahme sind unterirdische Speicher, sogenannte Rigolen, die Regenwasser aufnehmen und zurückhalten. Sichtbar wird das Projekt durch ein „Wasser.Zeichen“ am Rand des Areals, das auf die besondere Bauweise und ihren Beitrag zur Klimaanpassung aufmerksam macht.
Die Rigolen erinnern optisch an großformatige Getränkekisten mit Gitterstruktur. Während der Umbauphase wurden sie unter der Fläche eingebaut. Dort übernehmen sie eine zentrale Funktion: Sie speichern Niederschläge wie ein Schwamm und entlasten so die oberirdische Entwässerung.
Weniger Abfluss, mehr Versickerung
Vor dem Umbau galt das Gelände mit Gefälle als problematisch. Bei Hitze heizte sich die versiegelte Asphaltfläche stark auf, bei Starkregen floss das Wasser oberflächlich in Richtung Gebäude und Straße ab. Eine Überlastung der Kanalisation war möglich, Überflutungen nicht auszuschließen.
Mit dem neuen Schwammstadt-Ansatz wird Regenwasser nun gezielt vor Ort gehalten. Auf der Oberfläche sind Gittersteine verlegt, die eine Versickerung ermöglichen. Offene Rinnen führen das Wasser zu Baumstandorten und in die unterirdischen Rigolen, von wo es ins Grundwasser gelangt oder den Wurzeln zur Verfügung steht.
Überflutungen sind damit zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber deutlich weniger wahrscheinlich. Gleichzeitig verbessert die dezentrale Speicherung das Mikroklima und reduziert Hitzeeffekte auf der Fläche.
Auszeichnung als Vorbildprojekt
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk hat den Klima.Parkplatz mit einem Wasser.Zeichen ausgezeichnet. Eine Infotafel vor Ort erläutert die Maßnahme und ihren Beitrag zur wasserbewussten Stadtentwicklung. Ein QR-Code führt direkt zu weiterführenden Informationen, darunter ein Bautagebuch, eine Projektbeschreibung sowie ein Video.
Für Kommunen und Fachbetriebe im Garten- & Landschaftsbau zeigt das Projekt, wie sich versiegelte Flächen funktional und gestalterisch anpassen lassen. Die Kombination aus durchlässigem Belag, oberirdischer Wasserführung und unterirdischer Speicherung bietet ein übertragbares Modell.
Teil einer regionalen Klimastrategie
Hintergrund ist die Zukunftsinitiative Klima.Werk, in der Emschergenossenschaft und Emscher-Kommunen zusammenarbeiten. Ziel ist eine wasserbewusste Stadt- und Raumentwicklung zur Abmilderung der Klimafolgen und zur Steigerung der Lebensqualität in den Quartieren.
Der blau-grüne Umbau begann 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser und wurde 2014 zur Initiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiterentwickelt. Heute ist das Projekt Teil der Zukunftsinitiative Klima.Werk und eingebunden in das Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen.
Im Gebiet des Regionalverbandes Ruhr mit 53 Städten und Gemeinden sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert werden. Geplant ist, 25 Prozent der befestigten Flächen in ausgewiesenen Gebieten vom Kanalnetz abzukoppeln und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte zu steigern.
Die Emschergenossenschaft, 1899 gegründet, setzt als öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen die Maßnahmen gemeinsam mit den Kommunen um. Neben der Gewässerunterhaltung verantwortet sie Abwasserentsorgung, -reinigung und Hochwasserschutz – zentrale Bausteine für klimaresiliente Infrastrukturen.
