Forschungsprojekt zur Silphie-Anbauoptimierung
Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) untersucht die Durchwachsene Silphie als alternative Energiepflanze für Biogasanlagen. Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Silphie - Anbauoptimierung, Sätechnik und Züchtung“ sucht die TLL Betriebe, die 2016 einen Silphieanbau planen, um die Forschungsergebnisse in der Praxis zu überprüfen. Die TLL bietet den teilnehmenden Landwirten intensive Beratung und Betreuung an. Die Kooperation soll den Betrieben einen Wissenszuwachs für ihren Silphieanbau ermöglichen. Der Mehraufwand für Datenerfassung, Bonituren und Informationsaustausch wird finanziell erstattet.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert dieses Verbundvorhaben über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). Weitere Informationen sind auf fnr.de unter den Förderkennzeichen 22027012 und 22027112 verfügbar.
Ertragsfaktoren und Anpassungsfähigkeit der Silphie
Die Silphie zeigt je nach Standort und Rahmenbedingungen unterschiedliche Erträge. Während aus Niedersachsen von etwa 20 Prozent Minderertrag gegenüber Mais berichtet wird, gibt es bei der TLL und in Süddeutschland positive Ergebnisse. Auf einem typischen Ackerstandort am Rande des Thüringer Beckens erzielte die Silphie in Versuchen über zehn Jahre hinweg höhere Trockenmasseerträge als Mais.
Die Pflanze kann mit ihrem weitverzweigten Büschelwurzelsystem Wasser bis in zwei Meter Tiefe erschließen und Trockenperioden tendenziell besser überstehen als Mais. Um diese Fähigkeit zu nutzen, ist jedoch Geduld erforderlich, da sich die ausdauernde Staude erst ab dem vierten Standjahr vollständig etabliert hat.
Ein weiterer Einflussfaktor ist der Boden. Die Silphie scheint auf mineralstoffreichen Böden, wie Verwitterungsböden auf Moränenschotter, gut zu gedeihen. Mineralstoffarme Standorte wie Moorböden sind laut Beobachtungen von Agrarbiologe Dr. Walter Frölich, der Landwirte im Energiepark Hahnennest betreut, weniger geeignet. Auch das Klima spielt eine Rolle; eine ausreichende Frühjahrstemperatur und geschützte Lagen werden von einigen Landwirten als vorteilhaft angesehen. Andere Praxisbeispiele zeigen jedoch, dass die Silphie auch auf Mittelgebirgsstandorten über 700 m ü. NN mit Jahresdurchschnittstemperaturen unter 6°C gut zurechtkommt.
Ökologische Vorteile und Anbauoptimierung der Silphie
Die Silphie bietet mehrere ökologische Vorteile. Nach erfolgreicher Bestandesetablierung sind ab dem zweiten Jahr in der Regel keine Herbizide mehr notwendig. Die langandauernde Bodenbedeckung wirkt sich positiv auf Bodenleben, Erosionsschutz, Humusaufbau und Wasserrückhaltevermögen aus. Die Staude besitzt zudem ein hohes Stickstoff-Aneignungsvermögen und reduziert ganzjährig Stickstoff im Boden, was sie auch für Wasserschutzgebiete prädestiniert. Bis in den Frühherbst hinein spendet sie Nektar und Pollen für Bienen, Wildbienen, Hummeln und andere Insekten.
Im Rahmen des Probeanbaus mit Landwirten plant die TLL diverse Aussaatversuche. Dabei sollen unterschiedliche Sä-, Pflege- und Erntetechniken sowie weitere Versuchsparameter getestet werden. In Abstimmung mit dem Institut für Landtechnik der Universität Bonn soll teilweise optimierte Einzelkornsätechnik zum Einsatz kommen, primär aber die betriebsübliche Drill- und Einzelkornsätechnik der Landwirte mit möglichst geringen Modifikationen. Die TLL lädt auch Ökobetriebe zur Teilnahme ein, um mechanische Pflegemaßnahmen zu testen und zu beurteilen. Ziel ist es, das im süddeutschen Raum erfolgreich praktizierte Anbausystem „Etablierung von Silphie unter der Deckfrucht Mais“ unter Praxisbedingungen an geografisch und klimatisch unterschiedlichen Standorten zu erproben.
Neben der Nutzung als Energiepflanze eignet sich Silphie auch als Grundfutterkomponente in Milchviehrationen. Interessierte Futterbaubetriebe und Energiepflanzenanbauer können sich an Johannes Köhler von der TLL wenden: Tel.: +49 3641 683-241, Mobil: +49 152 22800683, E-Mail: johannes.koehler@tll.thueringen.de.
