Erste Ergebnisse des Bayerischen Artenschutzzentrums
Die aktualisierten Roten Listen für Laufkäfer und Netzflügler sind die ersten Ergebnisse des neuen Bayerischen Artenschutzzentrums. Diese Listen dokumentieren den aktuellen Gefährdungsgrad der beiden Tiergruppen und wurden kürzlich online zugänglich gemacht.
Die Roten Listen sind ein wichtiger Ansporn, beim Artenschutz weiter kraftvoll voranzugehen. Die neuen Ergebnisse zeigen ein weiteres Mal, dass unser Naturerbe besonderen Schutz benötigt. Das Volksbegehren Plus gab einen entscheidenden Impuls für neue Anstrengungen. Das Bayerische Artenschutzzentrum wird künftig eine zentrale Rolle spielen. So sollen im Artenschutzzentrum Strukturen entwickelt werden, die die Arbeit vor Ort effektiv gestalten und dauerhaft erfolgreich machen. Dabei setzen wir auch auf Artenhilfsprogramme. Artenhilfsprogramme sind unser Schutzschirm für gefährdete Arten. Wir wollen in Bayern die Trendumkehr beim Artenschwund schaffen.
Die Roten Listen bilden die fachliche Grundlage für den Naturschutz. Sie liefern Hinweise für gezielte Erfassungs- und Schutzprojekte. Für den Erfolg sind spezifische Maßnahmenprogramme erforderlich, die auf die Lebensraumanforderungen der seltenen Arten zugeschnitten sind. Eine pauschale Vorgehensweise ist hier nicht zielführend. Für die neuen Roten Listen wurden bayernweit 487 Arten von Laufkäfern und 111 Arten von Netzflüglern hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet.
Die Analyse der Gefährdung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den beiden Insektengruppen. Während 51 Prozent der Laufkäfer auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, sind es bei den Netzflüglern lediglich 20 Prozent. Diese Abweichungen sind hauptsächlich auf die unterschiedlichen Lebensräume zurückzuführen. Netzflügler bevorzugen gehölzreiche Habitate wie Hecken und Wälder, die weniger stark vom Landschafts- und Nutzungswandel betroffen sind.
Im Gegensatz dazu sind viele spezialisierte Laufkäferarten an bestimmte Lebensräume gebunden, darunter Magerrasen, Moore sowie natürliche Flussufer und Flussauen. Diese Lebensräume sind anfälliger für Veränderungen. Auch der Klimawandel beeinflusst die natürlichen Lebensbedingungen in den Hochlagen der Alpen und Mittelgebirge und trägt zur Gefährdung bei.
Die Rote Liste gefährdeter Arten dient als Indikator für den Zustand der heimischen Biodiversität. Sie setzt sich aus Einzellisten für verschiedene Tier- und Pflanzengruppen zusammen, die aufgrund stetiger Veränderungen in Flora und Fauna regelmäßig aktualisiert werden. Die letzte umfassende Rote Liste für Tiere stammt aus dem Jahr 2003; die Fortschreibung begann 2016. Aktuelle Rote Listen liegen nun für Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche, Heuschrecken, Libellen, Tagfalter sowie Laufkäfer und Netzflügler vor. Damit sind für die relevantesten Tiergruppen aktuelle Daten verfügbar.
Weitere aktualisierte Rote Listen für verschiedene Tiergruppen und Gefäßpflanzen befinden sich in Bearbeitung. Die veröffentlichten Roten Listen sind online abrufbar.
