Die Grüne Stadt

Der Garten gewinnt als Lebensraum an Bedeutung

Während der Pandemie gewann der eigene Garten stark an Bedeutung. Er dient als erweiterter Wohnraum, Arbeitsplatz und Freizeitort – zugleich wächst das Interesse an naturnaher Gestaltung und mehr Biodiversität.

Der Garten wird in Pandemiezeiten zum multifunktionalen Lebensraum für Arbeit, Freizeit und Naturerlebnis

Der eigene Garten hat in den vergangenen Jahren eine neue Bedeutung gewonnen. Während der Corona-Pandemie wurde der Bewegungsradius vieler Menschen stark eingeschränkt. Reisen, Veranstaltungen und Freizeitangebote fielen aus, viele Beschäftigte arbeiteten im Homeoffice und auch Schulen setzten auf digitalen Unterricht. Dadurch verlagerte sich ein großer Teil des Alltags in die eigenen vier Wände – und zunehmend auch ins Freie auf dem eigenen Grundstück.

Der Garten entwickelte sich für viele Haushalte zu einem wichtigen Rückzugs- und Aufenthaltsort. Er bot Raum für Erholung, Bewegung und soziale Begegnungen im kleinen Kreis. Gleichzeitig entstand ein neues Bewusstsein für die Bedeutung gut gestalteter Außenräume.

Der Garten als multifunktionaler Lebensraum

Das private Grün erwies sich in dieser Zeit als vielseitiger Freiraum. Es diente als Spielplatz für Kinder, Arbeitsplatz für Erwachsene und Treffpunkt für Familie oder Freunde. Auch als Ersatz für Fitnessstudio, Freibad oder Urlaubsort gewann der Garten an Bedeutung.

„Im letzten Jahr hat der eigene Garten bei vielen unserer Kunden eine enorme persönliche Wertsteigerung erfahren“, sagt Gerald Jungjohann vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). „Er wird jetzt noch stärker als erweiterter Wohnraum wahrgenommen, in dem die ganze Familie zusammenkommen und entspannen, arbeiten und spielen kann. Man erlebt den Garten als Ort, an dem man sich weiterhin frei und sicher bewegen kann.“

Für viele Menschen wurde der Garten damit zum zentralen Bestandteil des Alltags – vergleichbar mit Wohn- oder Esszimmer im Haus.

Neue Trends in der Gartengestaltung

Mit dem veränderten Blick auf das eigene Grundstück entwickelten sich auch neue Anforderungen an die Gartengestaltung. Besonders gefragt sind vielseitig nutzbare Terrassenbereiche, die sowohl für Freizeitaktivitäten als auch für das Arbeiten im Freien geeignet sind.

„Die Nachfrage nach Terrassen, die sowohl attraktiv und gemütlich als auch vielfach nutzbar sind, ist merklich gestiegen. Ein samstägliches Brunchen mit der Familie soll dort ebenso möglich sein wie das digitale Meeting mit den Kollegen unter der Woche.“

Damit ein solcher Bereich funktional genutzt werden kann, gewinnen auch technische Ausstattungen an Bedeutung. Stromanschlüsse auf der Terrasse oder ein leistungsfähiger Sonnenschutz, der auch in den Mittagsstunden angenehme Arbeitsbedingungen ermöglicht, gehören zunehmend zur Planung moderner Gartenanlagen.

Mehr Bewegungsraum für Kinder

Besonders für Kinder spielte der Garten während der Pandemie eine wichtige Rolle. Geschlossene Spielplätze, eingeschränkte Freizeitangebote und Distanzunterricht führten dazu, dass viele Aktivitäten ins heimische Grün verlagert wurden.

Entsprechend steigt die Nachfrage nach Spiel- und Bewegungsangeboten im Garten. Dazu zählen beispielsweise Baumhäuser, Klettergerüste oder großzügige Sandbereiche, die in bestehende Garten- und Landschaftsbau-Konzepte integriert werden.

„Baumhäuser, Klettergerüste oder große Sandkästen, die in die bereits bestehende Gartengestaltung gekonnt integriert werden, sind aktuell stark gefragt. Das gleiche gilt für Schwimmteiche oder Pools, die zum Entspannen ebenso einladen wie zum Auspowern.“

Gerade im Sommer können Wasserflächen im Garten zudem einen attraktiven Ersatz für den Urlaub darstellen.

Mehr Interesse an Natur und Biodiversität

Parallel dazu wächst das Interesse an der Natur im eigenen Garten. Viele Menschen beobachten Pflanzen, Vögel und Insekten intensiver als zuvor. Aktionen wie die „Stunde der Wintervögel“ des NABU verzeichneten zuletzt deutlich steigende Teilnehmerzahlen.

„Das Naturbewusstsein nimmt seit einiger Zeit stetig zu und das Beobachten von Tieren im eigenen Garten wurde für viele in Zeiten des Lockdowns zu einem interessanten Hobby“, sagt Jungjohann. „Wir merken deutlich, dass sich Gartenbesitzer nun intensiver mit den Pflanzen auf ihrem Grundstück auseinandersetzen und sich wünschen, dass diese sowohl schmückend als auch gut für Tiere und Insekten sind.“

Damit rücken Themen wie Biodiversität, insektenfreundliche Pflanzen, Vogelnährgehölze sowie klimaangepasste Arten stärker in den Mittelpunkt der Planung. Diese Entwicklung dürfte auch künftig die Gestaltung privater Gärten prägen.

31.01.2021

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