Herausforderungen für den Ackerbau ohne Glyphosat
Die Fachausschüsse der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) für Ackerbau und Pflanzenschutz haben sich intensiv mit der Zukunft des Wirkstoffs Glyphosat auseinandergesetzt. Ursprünglich war dieser Wirkstoff ein fester Bestandteil vieler bodenschonender Anbauverfahren und galt als unverzichtbar im Pflanzenschutz.
Es wurde stets betont, dass eine übermäßige Anwendung nicht der guten fachlichen Praxis entspricht. Ein DLG-Merkblatt beschreibt den verantwortungsvollen Umgang mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln. Die politische Diskussion um Glyphosat wird jedoch mit Sorge betrachtet, da die Zukunft des Mittels ungewiss ist.
Ein Ackerbau ohne Glyphosat und ähnliche Wirkstoffe würde eine Rückkehr zu intensiver Bodenbearbeitung bedeuten, wie sie früher praktiziert wurde. Diese Methoden führten oft zu Humusabbau, einer Abnahme der Regenwurmpopulation, Bodenverdichtung und Erosion. Die Einführung von Glyphosat ermöglichte hingegen bodenschonende, nicht wendende Bodenbearbeitung.
Trotz der fachlichen Vorzüge und der positiven Risikobewertung durch Bundesfachbehörden führte der hohe Einsatz von Glyphosat, auch bedingt durch wirtschaftliche Faktoren, zu einer intensiven Nutzung. Dies hat zu einer Situation geführt, in der eine sachliche Diskussion kaum noch möglich ist.
Ein Teil der Kritik am zugelassenen Mittel stammt aus der Landwirtschaft selbst. Der anhaltend hohe Verbrauch weckt Ängste. Insbesondere die Vorernteanwendung, obwohl fachlich begründbar, hat medial und politisch Schaden angerichtet, da ihre Notwendigkeit der breiten Bevölkerung schwer zu vermitteln ist.
Glyphosat ist derzeit noch zugelassen, und kurzfristige Verlängerungen sind denkbar. Dies könnte Zeit für sachliche Diskussionen schaffen. Praktiker sollten bereits jetzt ihre Betriebe analysieren und prüfen, welche Anpassungen in Bodenbearbeitung und Fruchtfolge notwendig sind, falls das aktuelle Anbauverfahren ohne Glyphosat nicht mehr funktioniert.
Es gilt zu überlegen, welche Alternativen praktikabel sind und ob Bodenbearbeitungsgänge einen Glyphosateinsatz ersetzen können. Dabei müssen alle sekundären Effekte wie Stroheinmischung sowie die Bekämpfung von Schnecken und Mäusen in die Kostenkalkulation einbezogen werden. Zudem ist es wichtig, alle Möglichkeiten zur Vorbeugung von Resistenzen gegen Ungräser zu nutzen, beispielsweise durch angepasste Fruchtfolgen, Aussaatzeitpunkte und Bodenbearbeitung.
Der begründete Einsatz von Glyphosat dient der Sicherung von Ertrag und Qualität der Ernteprodukte. Ein „guter Ackerbau“ umfasst bodenschonende und konservierende Bodenbearbeitung, Zwischenfruchtanbau, Resistenzmanagement und einen sachgerechten, integrierten Pflanzenschutz. Diese Aspekte müssen klar kommuniziert werden, um zukünftigen Vorwürfen wie stärkerer Erosion oder höheren CO2-Emissionen, die aus einer Abkehr von bodenschonenden Anbauverfahren resultieren könnten, entgegenzuwirken.
