Das Konzept der Grünen Infrastruktur
Das Konzept der „Grünen Infrastruktur“ gewinnt in Politik und Medien zunehmend an Bedeutung. Ursprünglich in den 1990er Jahren in den USA als Antwort auf Umweltprobleme durch starkes urbanes Wachstum entwickelt, umfasst es alle bepflanzten Bereiche einer Stadt.
Dazu zählen Parks, Schlossgärten, Alleen, Straßenbegleitgrün, blühende Kreisverkehre, Spielplätze und Friedhöfe. Auch private Gärten und Vorgärten sowie Dach- und Fassadenbegrünungen sind Teil dieser Infrastruktur.
Von grauer zu grün-blauer Stadtplanung
Lange Zeit dominierte in der Stadtplanung die „Graue Infrastruktur“, die alle baulichen Elemente aus Stein und Beton wie Häuser, Straßen und Plätze umfasste. Ab den 1960er Jahren prägte beispielsweise die autogerechte Stadt das Leitbild der Städteplanung.
Zwar steht außer Frage, dass eine gute Graue Infrastruktur für das gesellschaftliche Leben wesentlich ist. Aber mit Blick auf Ökologie und Stadtklimatologie sowie eine hohe Lebensqualität der Anwohner braucht eine Stadt unbedingt auch Natur und grün gestaltete Räume. Auch einzelne, unabhängige Grünflächen haben positive Auswirkungen und sind für die Bewohner vor Ort sinnvoll. Wichtig ist aber auch, die Stadt als ein zusammenhängendes, grün-blaues Netzwerk zu planen, das auch Seen, Flüsse und Bäche integriert.
betont Jan Paul, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e.V. Eine grün-blaue Infrastruktur integriert zusätzlich Gewässer wie Seen, Flüsse und Bäche.
Ökologische und klimatische Bedeutung
Eine grün-blaue Infrastruktur ist für Mensch und Tier von mehrfacher Bedeutung. Sie bildet ein vernetztes Ökosystem, das Lebensraum und Nahrung für Vögel und Insekten bietet. Pflanzen steigern die Aufenthaltsqualität, indem sie Sauerstoff produzieren, Feinstaub binden, die Luft reinigen und Schall absorbieren.
Vor allem im Hinblick auf den Klimawandel und seine negativen Auswirkungen wie Hitzesommer, Tropennächte und Starkregen nimmt die grün-blaue Infrastruktur einen hohen Stellenwert ein.
erklärt Jan Paul. Während sich versiegelte Flächen stark aufheizen, kühlen Pflanzen ihre Umgebung durch Schatten und Verdunstung. Offene Böden bieten zudem Versickerungsflächen bei Starkregen und entlasten die Kanalisation. Sie tragen auch zur Luftzirkulation bei und wirken klimaregulierend.
Soziale Funktion urbaner Grünflächen
Die grün-blaue Infrastruktur ist nicht nur ökologisch und klimatisch wichtig, sondern erfüllt auch eine soziale Funktion. Bereits 2007 forderte die Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, dass Grünflächen fußläufig erreichbar sein müssen.
Parks, Gärten, Seen und Flüsse bieten Städtern Naturerfahrung und Erholung. Sie dienen als Begegnungsräume und fördern soziale Interaktionen.
Gerade während der Corona-Pandemie mit all‘ den sozialen und örtlichen Einschränkungen wurde deutlich, wie wichtig Öffentliches Grün ist - vor allem für diejenigen, die keinen Garten oder Balkon besitzen. Es bietet Freiraum an der frischen Luft umgeben von Natur. Einen Ort, an dem man sich bewegen, abschalten und zur Ruhe kommen kann.
ergänzt BGL-Vizepräsident Paul.


