Kooperation für Artenvielfalt in der Landwirtschaft
Auf der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin hat Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth die Notwendigkeit einer engen Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz betont. Er hob dabei eine Initiative des Umweltverbands WWF hervor, die in Zusammenarbeit mit dem Anbauverband Biopark und dem Handelsunternehmen EDEKA einen neuen Naturschutzstandard für den Ökolandbau entwickelt hat. Dieses Projekt, die Initiative Landwirtschaft für Artenvielfalt, wurde im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.
Flasbarth forderte eine stärkere Ausrichtung der Agrarpolitik auf die ökologische Landwirtschaft.
Der Verlust der Artenvielfalt ist in der Agrarlandschaft besonders dramatisch. Wir brauchen hier dringend eine Trendwende. Das Projekt des WWF zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz erfolgreich kooperieren können. Das ist ein zukunftsweisender Ansatz, weil er die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft fördert und dafür sorgt, dass mehr naturfreundliche Produkte in die Supermärkte kommen. Das Projekt ist auch ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ökologische Leistungen der Landwirte gezielt honoriert werden statt Subventionen mit der Gießkanne auszuschütten.
Kritisch merkte Flasbarth an, dass die hohe Nachfrage nach Bioprodukten nicht ausreichend von der deutschen Landwirtschaft bedient werde. Er verwies darauf, dass die Bundesregierung seit 2002 das Ziel verfolgt, den Anteil der Ökolandwirtschaft in Deutschland bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern. Derzeit liege dieser Anteil bei rund 6 Prozent, was er als Zeichen einer Fehlsteuerung in der landwirtschaftlichen Förderpolitik interpretierte.
Der Naturschutzstandard im Detail
Im Rahmen des Projekts "Landwirtschaft für Artenvielfalt" arbeitet der WWF seit 2012 an der Entwicklung und Umsetzung eines Naturschutzstandards für den ökologischen Landbau. Dieser Standard umfasst über 70 Naturschutzmaßnahmen für Ackerland, Grünland und andere Landschaftselemente wie Moore und Teiche.
Berater erstellen zusammen mit den Landwirten individuelle Maßnahmenpakete für die jeweiligen Betriebe. Ein Punktesystem legt fest, welche Punktzahl ein Betrieb erreichen muss, um den Naturschutzstandard zu erfüllen. Ziel ist es, dass Biobetriebe ein stärkeres Augenmerk auf die biologische Vielfalt legen, da die bisherigen Bioanbau-Richtlinien keine spezifischen Kriterien zur Förderung der Biodiversität enthalten.
EDEKA garantiert als Handelspartner den teilnehmenden Höfen die Abnahme der Produkte zu Erzeugerpreisen, die den Mehraufwand honorieren. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts erfolgt durch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. In der Pilotphase wurde das Projekt auf Landesebene durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern unterstützt.
Seit Anfang 2015 sind erste Erzeugnisse mit dem Label "Landwirtschaft für Artenvielfalt" aus der Pilotregion Mecklenburg-Vorpommern in vielen Märkten von EDEKA-Nord verfügbar. Die Auszeichnung von Projekten im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt dient dazu, gute Beispiele hervorzuheben und Anregungen zu geben. Die Auswahl erfolgt durch eine unabhängige Fachjury.
