Anpassung an neue klimatische Bedingungen
Der Klimawandel beeinflusst die Lebensbedingungen von Pflanzen und Tieren. Höhere Temperaturen und häufigere Trockenperioden fördern wärmeliebende Arten, während kälte- oder feuchteliebende Arten zurückgehen. Gleichzeitig etablieren sich neue Pflanzenarten, die das ökologische Gleichgewicht stören können.
Ein Beispiel hierfür ist der Buchsbaum, der durch den aus Ostasien stammenden Buchsbaumzünsler fast flächendeckend geschädigt wird. Dr. Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) erklärt, dass der Buchsbaum im Garten- und Landschaftsbau bereits seit mehreren Jahren nicht mehr gepflanzt wird. Stattdessen kommen andere Pflanzenarten für Hecken und Formgehölze zum Einsatz.
Als Buchsbaum-Ersatz eignen sich immergrüne, schnittverträgliche und robuste Arten. Für kleinere Heckenstrukturen sind dies beispielsweise kleinlaubige Sorten der Stechpalme (Ilex) oder des Geißblatts (Lonicera). Für höhere Hecken werden auch Liguster oder Eiben (Taxus) verwendet.
Der Klimawandel zwingt uns dazu, je nach Standort und Pflanzsituation immer öfter auch fremdländische Pflanzen zu verwenden. Dabei geht es vor allem um Pflanzenarten, die mit längeren Hitze- und Trockenphasen zurechtkommen, die aber auch Winterfröste aushalten.
Definition von "heimisch" in der Pflanzenwelt
Im 17. und 18. Jahrhundert brachten Forschungsreisende Zier- und Nutzpflanzen aus Amerika, Asien und Australien nach Europa. Diese Entdeckungen verbreiteten sich von Botanischen Gärten in die allgemeine Gartenkultur und erhöhten die Pflanzenvielfalt. Viele heute gängige Gartenpflanzen wurden erst in dieser Zeit in Deutschland bekannt.
Dazu gehören insektenfreundliche Arten mit viel Pollen und Nektar sowie beliebte Nutzpflanzen. Beispiele sind Kräuter wie Lavendel, Rosmarin, Bohnenkraut, Majoran, Thymian und Basilikum, aber auch Arten wie Sonnenblume, Patagonisches Eisenkraut, Indianernessel oder Sonnenhut. Auch die Kartoffel, heute ein Grundnahrungsmittel, ist keine ursprünglich heimische Pflanze. Sie kam Ende des 16. Jahrhunderts über spanische Seefahrer nach Deutschland und wurde zunächst als Zierpflanze kultiviert. König Friedrich der Große förderte ihren Anbau im 18. Jahrhundert.
Es ist wichtig, darauf zu achten, dass neue Pflanzenarten nicht invasiv sind, also eine Gefahr für die hiesige Pflanzen- und Tiervielfalt darstellen. Hier ist Pflanzenkenntnis und auch Wissen um ökologische Zusammenhänge gefragt, um die Auswahl für den Garten sorgfältig und standortgerecht zu treffen.
Chancen und Risiken fremdländischer Pflanzen
Fremdländische Pflanzen können den Blühzeitraum im Garten erweitern und zusätzliche Farben und Formen bieten. Dies kann ein kontinuierliches Angebot an Pollen und Nektar sicherstellen, insbesondere wenn heimische Arten eine Blühpause haben. Es gibt jedoch auch Pflanzenarten ohne ökologischen Nutzen, die heimische Arten verdrängen können.
Wir empfehlen, im eigenen Garten möglichst vielfältige Pflanzungen zu schaffen. Konkret bedeutet das, wir verwenden sowohl heimische, als auch fremdländische Pflanzen, achten auf die Förderung nützlicher Insekten durch blühende Pflanzen und ihr Laub, schaffen aber auch Rückzugsorte.
Private Gärten, obwohl oft klein, tragen in ihrer Gesamtheit wesentlich zur Erhaltung und Entwicklung vielfältiger Lebensräume in Städten und Dörfern bei. Fachkompetenz ist auch bei Pflegemaßnahmen wichtig, etwa beim Heckenschnitt, um Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten zu schützen. Die Artenvielfalt ist heute auf dem Land oft geringer als in der Stadt, bedingt durch überwiegend monokulturelle Landwirtschaft. Die Natur und damit auch Gärten unterliegen einem dynamischen Wandel durch den Klimawandel.
Hier hilft es, genau hinzusehen und sich mit der Bepflanzung bestmöglich anzupassen.


