Neue Erkenntnisse zur Klimawirksamkeit gestörter Moore
Die genaue Menge der Treibhausgasemissionen aus gestörten Mooren ist bislang unklar. Eine Initiative der Universität Hohenheim zielt darauf ab, durch repräsentative Messungen an drei Standorten in Baden-Württemberg Klarheit zu schaffen. Das Landesministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft unterstützt dieses Vorhaben mit 837.000 Euro.
Dr. Marc Lamers, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Biogeophysik der Universität Hohenheim, erreicht seinen Messstandort am Federsee per Boot. Dort wurde ein 200 Meter langer Landungssteg errichtet, der in den Schilfgürtel des Sees führt.
Naturbelassene Moore gelten als klimaneutral oder sogar klimapositiv. Problematisch sind Moore, die zur landwirtschaftlichen Nutzung drainiert wurden. Diese entwässerten Moorböden sind für fast die Hälfte der Emissionen aus der deutschen Landwirtschaft verantwortlich und stellen somit eine bedeutende Quelle für Treibhausgase dar. Obwohl Moore in Deutschland nur etwa fünf Prozent der Fläche ausmachen, sind allein in den Mooren Baden-Württembergs schätzungsweise 30 Millionen Tonnen CO2 gespeichert.
Die Klimawirksamkeit von gestörten Mooren liegt noch weitgehend im Dunkeln.
Laserstrahlen erfassen aufsteigende Gase
Dr. Lamers möchte mit seiner Messstation im Schilfgürtel des Federseerieds verlässliche Daten liefern, um eine Bilanz der Treibhausgasemissionen aus dem größten zusammenhängenden Niedermoor Südwestdeutschlands zu erstellen. Er vermutet, dass in Schilfgebieten besonders viel Methan aufsteigt, da dort ideale Bedingungen herrschen: Der Grundwasserspiegel liegt knapp unter der Bodenoberfläche, es gibt wenig Sauerstoff, aber viel organische Substanz.
Zur Überprüfung dieser These kommen moderne Messgeräte zum Einsatz. Diese Geräte sind in der Lage, die durch Turbulenzen von der Bodenoberfläche in die Atmosphäre transportierten klimarelevanten Gase zu erfassen. Die Messstation sendet Laserstrahlen durch die aufsteigenden Luftmassen. Die Methan-Moleküle in der Luft beeinflussen diese Strahlen, was Rückschlüsse auf die Konzentration ermöglicht.
Umfassende Messreihen
Die Messstation führt in einer halben Stunde 18.000 Messungen durch, was 864.000 Messungen pro Tag über einen Zeitraum von zwei Jahren bedeutet. Aus diesen Daten berechnet Dr. Lamers die Emissionen von Kohlendioxid und Methan für jede halbe Stunde. Dies ermöglicht eine präzise Bilanz und zeigt die saisonale Dynamik der Emissionen, einschließlich des Einflusses von Umweltbedingungen wie Temperatur oder Wasserstand.
Um ein breites Spektrum von Mooren abzudecken, führen Forscher der Universität Ulm ähnliche Untersuchungen im Pfrunger-Burgweiler Ried bei Pfullendorf durch. Kollegen der Universität Mainz sind in Graben-Neudorf nördlich von Karlsruhe tätig. Diese repräsentativen Messungen in den drei Mooren erfüllen eine Vorgabe des Kyoto-Protokolls, das die Berichterstattung über Treibhausgasemissionen vorschreibt. Die Ergebnisse aus Pfullendorf und Graben-Neudorf sollen zudem aufzeigen, wie Moore klimafreundlich genutzt werden können.
Hintergrund des Forschungsprojekts
Das Forschungsprojekt „Repräsentative Erfassung der Emissionen klimarelevanter Gase aus Mooren Baden-Württembergs“ ist Teil des Förderprogramms BWPLUS (Baden-Württemberg Programm Lebensgrundlage Umwelt und ihre Sicherheit). Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg unterstützt die Emissionsmessungen mit über 837.000 Euro, wovon rund 266.000 Euro an die Universität Hohenheim gehen. Das auf 2,5 Jahre angelegte Projekt endet am 31. Dezember 2014. Die Projektorganisation liegt bei Prof. Dr. Thilo Streck vom Fachgebiet Biogeophysik an der Universität Hohenheim.
Kooperationspartner sind Prof. Dr. Marian Kazda vom Institut für Systematische Botanik und Ökologie an der Universität Ulm und Prof. Dr. Sabine Fiedler vom Geografischen Institut der Universität Mainz. Die Messergebnisse aus Baden-Württemberg werden in das deutschlandweite Inventar für die Klimaberichterstattung einfließen.