Die Bedeutung der Waldkalkung für gesunde Böden
Die anhaltende Versauerung von Waldböden beeinträchtigt Waldökosysteme, Gewässer und die biologische Vielfalt. Die Waldkalkung stellt eine Maßnahme dar, um dieser Versauerung entgegenzuwirken und die Vitalität von Flora und Fauna zu fördern. Aktuelle Waldzustandsberichte aus dem Jahr 2012 verschiedener Bundesländer bestätigen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen.
Die Berichte zeigen, dass ein erheblicher Teil der Wälder weiterhin geschädigt ist und viele Böden stark versauert sind. An zahlreichen Standorten liegt die Basensättigung unter 20 Prozent, was die Bodenfruchtbarkeit sowie die Vitalität von Bäumen und der natürlichen Lebensgemeinschaften einschränkt. Trotz erfolgreicher Reduktion von Schwefeldioxid-Emissionen durch Kraftwerke, der Einführung von Katalysatoren und weiterer Luftreinhaltemaßnahmen hat sich der Zustand der Wälder in den letzten 30 Jahren nicht wesentlich verbessert. Die Situation ist vergleichbar mit der von 1984, als das sogenannte „Waldsterben“ breite öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Angesichts des Klimawandels als zusätzlichem Stressfaktor gewinnt die Stärkung des Waldökosystems zunehmend an Bedeutung.
Ergebnisse der Wald- und Bodenzustandsuntersuchungen
Systematische Untersuchungen zum Wald- und Bodenzustand der letzten Jahre liefern drei zentrale Erkenntnisse: Erstens kann der jährliche Säureeintrag an vielen Standorten nicht auf natürliche Weise kompensiert werden, was zu einer fortschreitenden Bodenversauerung führt. Zweitens dringt die Versauerungsfront auf nicht gekalkten Flächen tiefer in den Unterboden ein, was das Wurzelwachstum der Bäume beeinträchtigt. Dies kann zudem zur Freisetzung von gelöstem Aluminium und Schwermetallen führen, die das Grundwasser belasten können. Drittens haben Waldkalkungen der letzten 20 Jahre zu signifikanten Verbesserungen der chemischen Bodeneigenschaften geführt, darunter eine Anhebung des pH-Wertes, der Basensättigung und der Magnesiumversorgung, was sich positiv auf die Biodiversität auswirkt.
Handlungsbedarf zum Schutz von Wald und Trinkwasser
Die aktuellen Wald- und Bodenzustandsberichte verdeutlichen einen dringenden zusätzlichen Handlungsbedarf zum Schutz von Wäldern, Waldböden und Trinkwasser. Der Waldzustandsbericht für Rheinland-Pfalz betont:
Zum Schutz unserer Waldökosysteme [...] sind daher nach wie vor weitere Anstrengungen zur Verringerung der Emission der Säurevorläufer und eine Fortsetzung der Bodenschutzkalkung erforderlich.
Auch in Nordrhein-Westfalen wird die Waldkalkung neben rückläufigen Säureeinträgen als „treibende Kraft“ für positive Veränderungen und die Erholung der Puffersysteme in Waldböden angesehen.
Diplom-Agraringenieur Dr. Reinhard Müller fasst den Handlungsbedarf aus den Studien zusammen:
Primär sind die versauernden Immissionen nachhaltig zu reduzieren. Parallel sind die Kompensationskalkungen zur Neutralisierung der alten und neuen Bodenversauerungen zu verstärken.
Der Geschäftsführer der Düngekalk-Hauptgemeinschaft weist darauf hin, dass der bisherige Umfang der Waldkalkung nicht ausreicht, um alle bedürftigen Waldböden ausreichend zu versorgen und die ursprünglichen, natürlichen Verhältnisse wiederherzustellen. Er schätzt, dass ein Drittel des deutschen Waldes, entsprechend 3,7 Millionen Hektar, stark kalkungsbedürftig ist. Für diese Fläche wäre eine Ausbringung von 1 Million Tonnen Naturkalk erforderlich, was dem Fünffachen der derzeitigen Menge entspricht. Dr. Reinhard Müller fordert daher Fachpolitiker und Vertreter der Forstwirtschaft auf, sich für eine verstärkte und nachhaltige Förderung der Waldkalkung einzusetzen.
