Fortschritte im Hobbygartenbau bei der Torfreduktion
Im Bereich der Hobbyerden zeigen die Daten des Industrieverbands Gartenbau (IVG) einen klaren Trend zur Torfreduktion. Der Torfanteil in Blumenerden sank von 61 Prozent im Jahr 2019 auf 43 Prozent im Jahr 2022. Diese Entwicklung ist auf die freiwillige Strategie des BMEL sowie das Engagement der Substratindustrie und des Handels zurückzuführen. Hersteller setzen verstärkt auf Torfersatzstoffe wie Grüngutkompost, Holzfasern, Rindenhumus sowie Kokosmark und Kokosfasern.
Auch Verbraucher entscheiden sich zunehmend bewusst für torffreie Produkte. Im Jahr 2022 waren bereits über ein Fünftel der Hobbyerden komplett torffrei, was einen neuen Höchststand darstellt. Eine Marktübersicht listet rund 340 torffreie Blumenerden, darunter auch Produkte für Sonderkulturen.
Herausforderungen im Erwerbsgartenbau
Im professionellen Gartenbau gestaltet sich die Situation komplexer. Obwohl der Einsatz von Torfersatzstoffen in Kultursubstraten leicht zunimmt, bleiben die prozentualen Anteile aufgrund steigender Gesamtvolumina auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau konstant. Die Gründe hierfür sind vielfältig.
Erdenhersteller und die Gartenbaubranche beklagen eine mangelnde Verfügbarkeit preislich attraktiver und qualitativ hochwertiger Torfersatzstoffe. Komposte aus der kommunalen Bioabfall- oder Grüngutsammlung, die ein großes Potenzial für den Torfersatz bieten, weisen mitunter Verunreinigungen durch Fremdstoffe auf. Zudem besteht eine hohe Konkurrenz um Ersatzstoffe wie Holzfasern und Rinden durch andere Industriezweige.
Einige Sparten, wie die Gemüsejungpflanzenproduktion, die Champignonzucht und Baumschulen, stehen vor besonders großen Herausforderungen beim Torfausstieg. Ein vollständiger Verzicht auf Torf ist hier bislang schwer vorstellbar.
Kokosprodukte als Torfersatz und Nachhaltigkeitszertifizierung
Aus gartenbaulicher Sicht stellen Kokosfasern und Kokosmark hochwertige Torfersatzstoffe dar. Ihre hohe Strukturstabilität macht sie beispielsweise für Baumschulen vielversprechend. Allerdings leiden Kokosprodukte aufgrund unsicherer Produktionsbedingungen unter einem schlechten Image.
Erste Ergebnisse bei der Entwicklung des Systems Horticert zur internationalen Nachhaltigkeitszertifizierung von Torfersatzstoffen zeigen jedoch, dass Transportemissionen und soziale Aspekte von Kokosprodukten bei entsprechender Zertifizierung transparent und überprüfbar sind. Zertifizierte Kokosprodukte können somit von umweltbewussten Verwendern bedenkenlos eingesetzt werden.
Fazit und Ausblick
Die Torfminderungsstrategie ist im Hobbygartenbau erfolgreich, auch wenn das Ziel des kompletten Torfausstiegs bis 2026 ambitioniert erscheint. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die transparente Verbraucheraufklärung: Pflanzen in torffreier Erde erfordern eine regelmäßige Düngung und häufigere Bewässerung. Mit dem Wissen um die richtige Handhabung bleibt die Akzeptanz für torffreie Erden erhalten.
Im Profibereich sind die Risiken und der wirtschaftliche Druck deutlich höher. Viele der deutschen Erwerbsgärtnereien sind kleine oder mittelständische Familienbetriebe. Der Umstieg auf gänzlich neue, torfreduzierte oder -freie Substrate stellt ein erhebliches Wagnis dar und kann nur schrittweise erfolgen. Viele Betriebe zeigen sich vor diesem Hintergrund noch zurückhaltend.
Die vom BMEL geförderte Fachinformation für Gartenbaubetriebe (FiniTo) begleitet Gartenbaubetriebe bei der Umstellung. Eine gemeinsame europäische Strategie zum Torfausstieg könnte zudem gleiche Voraussetzungen für die Branche innerhalb der EU schaffen.

