Anpassung des Hochwasserschutzes nach aktuellen Ereignissen
Die aktuellen Hochwasserereignisse in Sachsen, die an die Katastrophe im Elbeeinzugsgebiet vor acht Jahren erinnern, verdeutlichen die Notwendigkeit eines angepassten Hochwasserschutzes. Nach sintflutartigen Regenfällen stehen erneut zahlreiche Ortschaften und Landstriche unter Wasser.
Die menschlichen Tragödien und die erheblichen Schäden müssen als deutliche Mahnung verstanden werden, den Flüssen endlich wieder mehr Raum zu geben. Technischer Hochwasserschutz, insbesondere Deichsanierungen auf den bestehenden Trassen, wird auch in Zukunft allein nicht ausreichen, um mögliche Hochwasserkatastrophen abzuwenden. Nur ausgedehnte Flussauen können als natürliche Rückhaltebecken den Abfluss großer Wassermassen stetig verlangsamen und damit das Hochwasserrisiko im gesamten Flusslauf verringern.
Dies betonte Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), anlässlich der Hochwasser im Dreiländereck. Besonders an Flüssen wie Oder und Neiße sind durch Deichbau abschnittsweise über 90 Prozent der ursprünglichen Überflutungsflächen verloren gegangen.
Das BfN spricht sich dafür aus, dass die Forderungen der Länder nach Bundeshilfe genutzt werden sollten, um bundesweit Potenziale zur Rückgewinnung von Überschwemmungsflächen und zur Renaturierung von Flussauen zu erschließen. Neben den bisher überwiegend technisch ausgerichteten Maßnahmen sollen vermehrt naturverträgliche Ansätze im Hochwasserschutz zum Einsatz kommen. Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Häufigkeit und Intensität von Niederschlägen und Hochwasserereignissen sei die Umsetzung entsprechender Planungen, die bereits in vielen Aktionsplänen verankert sind, dringend erforderlich.
Zustand der Flussauen in Deutschland
Ein vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) Ende 2009 vorgelegter bundesweiter Auenzustandsbericht zeigt, dass zwei Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen an deutschen Flüssen nicht mehr existieren. Nicht nur an Oder und Neiße, sondern auch an Rhein, Elbe und Donau sind in vielen Abschnitten durch den Bau von Hochwasserschutzdeichen nur noch 10 bis 20 Prozent der ursprünglichen Auenflächen vorhanden.
Zudem befinden sich lediglich 10 Prozent der verbliebenen Flussauen in Deutschland in einem naturnahen Zustand. Die restlichen 90 Prozent der Auen sind aufgrund intensiver Nutzung, ausbleibender Überflutungen und Gewässerausbau deutlich bis sehr stark verändert.
