Allgemeines, Naturschutz

Hohe Agrobiodiversität: Volkswirtschaftlicher Wert und Schutzmaßnahmen

Professorin Beate Jessel vom BfN betonte auf dem Agrobiodiversitätsgipfel die essenzielle Bedeutung biologischer Vielfalt für Ökosystemdienstleistungen. Sie hob hervor, dass Kohlenstoffspeicherung, Grundwasserschutz und der landwirtschaftliche Produktionswert maßgeblich von der Agrobiodiversität abhängen.

Warum Agrobiodiversität für die Wirtschaft unverzichtbar ist

Die biologische Vielfalt ist für den Erhalt volkswirtschaftlich bedeutender Ökosystemdienstleistungen essenziell. Dies betonte Professorin Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), auf dem Agrobiodiversitätsgipfel in Bruchsal. Kohlenstoffspeicherung, Grundwasserschutz, der landwirtschaftliche Produktionswert und die Ästhetik der Landschaft hängen maßgeblich von der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft, der sogenannten Agrobiodiversität, ab.

Ökonomische Verluste und langfristige Vorteile

Jessel präsentierte Beispiele für den volkswirtschaftlichen Wert einer hohen Agrobiodiversität. So entstehen unsichtbare ökonomische Verluste von etwa 500 bis 2000 Euro pro Hektar, wenn artenreiches Grünland in Ackerland umgewandelt wird.

Hinsichtlich der Ertragswerte in der landwirtschaftlichen Produktion sieht Jessel einen Widerspruch zwischen kurzfristigen und langfristigen Notwendigkeiten.

Betrachtet man den Gesamtwert der verschiedenen Ökosystemleistungen, dann liegt zwar die landwirtschaftliche Produktionskapazität bei extensivem Grünland deutlich niedriger ist als bei intensivem Grünland oder gar Ackerland. Rechnet man allerdings die Bedeutung des Grünlands für Kohlenstoffspeicherung und Klimaschutz, für den Rückhalt von Nährstoffen und die Grundwasserqualität sowie die Erholung mit ein, dann gleichen diese übrigen bewerteten Ökosystemleistungen das auf lange Sicht mehr als aus. Gerade diese Leistungen, die positiv in die Bilanz eingehen, müssen von der Gesellschaft gegenüber der Landwirtschaft entsprechend honoriert werden.

Neben diesen unmittelbaren Nutzen sollte auch die Funktion der Agrobiodiversität als „Rückversicherer“ gewürdigt werden, so das BfN.

Bedeutung der Bestäuberleistungen

Das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Bestäuberleistungen ist gestiegen, seit die Gefährdung von Bienenvölkern stärker in den Fokus rückt. 75 Prozent der 115 global bedeutsamen Kulturpflanzen, die einen Marktwert von 150 Milliarden Euro pro Jahr repräsentieren, sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Dazu zählen Früchte, Gemüse, Nüsse, Ölfrüchte und Arzneipflanzen.

Deswegen ist es auch volkswirtschaftlich sinnvoll, Landwirtschaft so zu betreiben, dass Bienen geschützt und die Vielfalt der Wildbienen gestärkt wird.

Die genannten Beispiele und die daraus resultierenden Werte für die Gesellschaft verdeutlichen die Notwendigkeit eines breiten Verständnisses von Agrobiodiversität. Dieses Verständnis sollte sich nicht nur auf Nutzpflanzen und Sortenvielfalt beschränken, sondern Agrobiodiversität auf Agrarlandschaften und -ökosysteme als Ganzes beziehen.

Finanzbedarf und Akzeptanz

Der Finanzbedarf für eine biodiversitätsfreundliche Landbewirtschaftung wird vom BfN auf 1,1 bis 3,2 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Dieser Betrag entspricht 12 bis 40 Prozent der derzeitigen Ausgaben der Agrarpolitik in Deutschland, die etwa 8 Milliarden Euro jährlich betragen.

Aufgrund der Zahlungsbereitschaftsanalysen und der Wertschätzung der Bevölkerung für eine vielfältige Landschaft gehen wir davon aus, dass eine solche Umschichtung von Agrarfördermitteln auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung treffen würde.

30.10.2014

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