Erdarbeiten, Spezielle Arbeitsgebiete, Wege- und Platzpflege

Wurzelwuchs im GaLaBau: Neue Lösungen für alte Probleme

Wurzeleinwüchse stellen im Tiefbau eine wiederkehrende Herausforderung dar. Sie können Rohrleitungen beschädigen und deren Funktion beeinträchtigen. Ein neues System soll nun Abhilfe schaffen und die Langlebigkeit von Bäumen und Infrastruktur sichern.

Herausforderungen bei der Baumerhaltung und Infrastruktur

Bauleiter Dipl.-Ing. Thorsten Franke von den Stadtwerken Brilon berichtete, dass ursprünglich geplant war, 17 Bäume des alten Bestandes zu erhalten, nachdem einige Bäume aus statischen und standortbedingten Gründen gefällt werden mussten. Die Kosten für den Erhalt eines Baumes wurden mittels eines Gutachtens auf etwa 5.000 bis 7.500 Euro geschätzt. Der Aufwand für den Erhalt bestehender Bäume im Rahmen von Tiefbauarbeiten ist generell hoch. In Brilon lagen bereits Erfahrungen vor.

Die Wurzeln müssen dabei bis zu einer Tiefe von rund 60 cm manuell freigelegt werden.

Neben dem hohen Zeit- und Kostenaufwand besteht das Risiko, dass die Standsicherheit alter Bäume nicht vollständig gewährleistet ist und Wurzeln während der Tiefbauarbeiten beschädigt werden könnten. Diese Überlegungen führten zur Entscheidung, die alten Linden zu fällen und junge Bäume zu pflanzen. Ein Bodengutachten hatte ergeben, dass das Erdreich im Baugebiet steindurchsetzt war und einen hohen Lehmanteil aufwies, was zu einer geringen Luftdurchlässigkeit führte. Um Schäden durch unkontrollierten Wurzelwuchs präventiv zu verhindern, war eine externe Lösung erforderlich. Ziel war es, dass die 33 neuen Bäume gemäß den Empfehlungen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) auch ohne hohen Pflegeaufwand ihre Funktionen erfüllen können.

Der HS®-Baumwurzelbelüfter als innovative Lösung

Bei der Erstellung des Bepflanzungskonzeptes stießen Auftraggeber und Planer auf das Produkt von Funke. Der HS®-Baumwurzelbelüfter besteht aus Kunststoffsegmenten, die aus dem Kanal- und Rohrleitungsbau stammen.

Das Konzept ist einfach, aber sehr wirksam: Der Baumwurzelbelüfter verfügt über einen 160 bis 230 mm teleskopierbaren Aufsatz mit einem geschlitzten Deckel und ein 1,50 m langes geschlitztes Standrohr mit Bodenverankerung. Nach dem fachgerechten Einbau sorgt er für ausreichende Luftzufuhr im Wurzelraum. Die Wurzeln müssen sich keine anderen Wege mehr suchen und lassen Fahrbahn- und Gehwegbeläge unberührt.

So fasste Funke-Fachberater Ralf Erpenbeck die Funktionsweise zusammen. Die Tiefbauer der Heckmann Bau GmbH & Co. KG zeigten sich von der einfachen Handhabung überzeugt, da sich der teleskopierbare Aufsatz optimal an die Einbausituation vor Ort anpassen lässt.

Einfacher Einbau und Vorteile des Systems

Der Einbau des Systems erfolgt zügig. Zunächst wird an der Pflanzstelle eine Pflanzgrube ausgehoben. Anschließend werden Belüftungsbohrungen bis zu einer Tiefe von etwa 2,30 m mittels eines Erdbohrers erstellt. Das HS®-Baumwurzelbelüfter-Unterteil wird senkrecht in das Loch eingesetzt, gefolgt vom Aufsetzen des Oberteils mit der angeformten Verbindungsmuffe DN/OD 110. Der verbleibende Ringspalt zwischen Bohrwand und Unterteil wird mit dränfähigem Schüttgut verfüllt, in Brilon mit einem Substrat der Körnung 8/32.

Bauleiter Franke beschrieb die weiteren Verfüllschritte: Auf die Sohle der Pflanzgrube wurde ein spezieller Langzeitdünger gegeben, der die Wurzeln nachhaltig mit Nährstoffen versorgen und in tiefere Schichten anziehen soll. Darauf wurde ein Baumsubstrat 0/32 mm der Sieblinie B gefüllt. Ein Trennvlies wurde eingearbeitet, um das Substrat vom darüber liegenden Straßenoberbau zu trennen. Auf der Hoppecker Straße in Brilon sorgen nun jeweils zwei HS®-Baumwurzelbelüfter pro Baum für eine optimierte Sauerstoffzufuhr und die Langlebigkeit der Bäume.

Eine gute Alternative zu den gelochten Drainagerohren, die bislang für solche Zwecke eingesetzt wurden und sich in der Praxis leicht zugesetzt haben. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Drainagerohren lassen sich die Baumwurzelbelüfter von Funke jederzeit säubern.

Fachberater Erpenbeck wies abschließend darauf hin, dass das System sowohl für Neuanpflanzungen als auch für Baumsanierungsmaßnahmen geeignet ist.

21.12.2009

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