Die Grüne Stadt

Klimafolgenanpassung in Kommunen: Griesheim setzt auf Tiny Forests und Pflanzenkohle

Die Stadt Griesheim engagiert sich intensiv in der Klimafolgenanpassung. Mit Tiny Forests und Pflanzenkohle werden lokale Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt, die Biodiversität fördern und die Gemeinschaft einbinden. Ein Vorbild für nachhaltige Stadtentwicklung.

Griesheim als Vorreiter in der Klimaresilienz

Die Anpassung an Klimafolgen gewinnt in Städten zunehmend an Bedeutung. Nadia Rinawi-Molnar, Ansprechpartnerin für Klimaschutz, Klimafolgenanpassung und Nachhaltigkeit bei der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), betont, dass kurzfristige Anpassungsmaßnahmen und langfristiger Klimaschutz gleichwertig und gleichzeitig behandelt werden müssen. Dabei sei die Einbindung der örtlichen Gemeinschaft, einschließlich der Wirtschaft, für Kommunen entscheidend.

Urbane Wildnisinseln als Klimaschutzmaßnahme

Die Stadt Griesheim in Hessen, mit 28.000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg, engagiert sich intensiv im Bereich der Klimaresilienz. Bürgermeister Geza Krebs-Wetzl beschreibt auf der städtischen Website die Umsetzung eines integrierten Klimaschutzkonzepts. Dieses Konzept zielt darauf ab, lokal klimaschützend zu wirken und die Biodiversität zu fördern.

Jede noch so kleine Maßnahme, jede helfende Hand, jede wirkungsvolle Projektidee, jedes Wort zur Sensibilisierung für den Umgang mit den begrenzten Ressourcen hilft.

In Griesheim wurden unter anderem zwei sogenannte Tiny Forests, Miniwälder, angelegt. Diese artenreichen urbanen Wildnisinseln werden in den ersten Jahren von über 30 Freiwilligen gepflegt. Neben der Bürgerschaft sind auch Schulen in die Projekte eingebunden, beispielsweise durch Informationsveranstaltungen, Pflanzaktionen und Bildungstage zur Bestimmung der gepflanzten Gehölze.

Gemeinsam stark: Die Miyawaki-Methode und Pflanzenkohle

Tiny Forests sind hochverdichtete Mikro-Ökosysteme, die auf kleiner Fläche bis zu 40 unterschiedliche heimische Spezies umfassen. In Griesheim wurde die japanische Miyawaki-Methode angewendet, die bereits auf der Fläche eines Tennisplatzes spürbare Effekte erzielen kann. Die Projekte zeichnen sich durch einen partizipatorischen Ansatz aus, bei dem Stadtverwaltung, Vereine, Feuerwehr, Bürgerschaft, Schulen und Kindergärten zusammenarbeiten.

Bei der Bodenvorbereitung für die Tiny Forests kam Pflanzenkohle zum Einsatz. Die klimafarmer unterstützten das Projekt mit spezieller Pflanzenerde, die aktivierte Pflanzenkohle enthält. Diese Methode, die auf der Herstellung von Terra Preta basiert, fördert das Pflanzenwachstum und dient gleichzeitig der CO2-Speicherung.

CO2-Speicherung durch Pflanzenkohle

Ron Richter, Geschäftsführer der klimafarmer, erläutert die Vorteile von Pflanzenkohle:

Pflanzenkohle verbessert die biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften von Böden. Sie dient als Trägersubstanz zur Bindung von Wasser und essentiellen Nährstoffen. Durch ihr großes Porenvolumen stellt Pflanzenkohle ein dauerhaftes Habitat für bodenaufbauende Mikroorganismen und wertvolle Pilze wie Mykorrhiza dar. Das ist nicht neu, sondern nach dieser Methode haben schon die indigenen Völker vor Jahrhunderten in Südamerika am Amazonas ihre Felder nachhaltig bewirtschaftet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden die sogenannte Schwarzerde um ehemalige Siedlungen, waren über deren Fruchtbarkeit erstaunt und haben sie analysiert. Die damalige Schwarzerde ist der Vorläufer unserer Terra Preta, die wir heute regional mit Pflanzenkohle erzeugen. Damit schaffen wir optimale Voraussetzungen für Biodiversität selbst auf kleinstem Raum, außerdem bringen wir damit dauerhaft CO2 in die Erde, das ist ein toller und wichtiger Nebeneffekt bei der ökologischen Bilanzierung.

Die Anwendung von Pflanzenkohle ermöglicht ein klimapositives Gärtnern und trägt zu einem gesunden Wachstum bei, was solche Projekte besonders wertvoll macht.

Positive Auswirkungen auf Mikroklima und Biodiversität

Tiny Forests oder Miniwälder entstehen zunehmend in dicht besiedelten, urbanen Räumen. Ihre positiven Auswirkungen auf das Mikroklima, Insekten, Vögel und andere Kleinlebewesen sind gut erforscht. Sie kühlen die Atmosphäre im lokalen Umfeld, filtern Feinstäube aus der Luft, senken den Lärmpegel und können, auch dank der Pflanzenkohle, bei Starkregen große Wassermengen speichern.

Griesheim dient als Beispiel für ein Projekt, das von Anfang an auf Bürgerbeteiligung setzte. Das Verständnis für den Zusammenhang von Bodengesundheit, standortgerechten Pflanzen, Planung, Pflanzung und Pflege sowie die persönliche Beteiligung tragen maßgeblich zum Erfolg und zur Wirkung von Tiny Forest Projekten und Stadtbäumen bei.

03.10.2023

Video zu diesem Thema

MIYA Tiny Forest Drone Shots

Zurück