Strategien für den Biomasseeinsatz
Biomasse wird für diverse Anwendungen genutzt, darunter Ernährungssicherung, Umwelt- und Klimaschutz, als Baumaterial, zur Herstellung biobasierter Kunststoffe und zur Energiegewinnung. Angesichts der begrenzten Natur dieser Ressource hat die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate ein Diskussionspapier veröffentlicht. Dieses Papier beleuchtet, wie Biomasse in Industrie und Energiegewinnung zukünftig effizient und nachhaltig eingesetzt werden kann.
Biomasse spielt eine wichtige Rolle bei der Reduzierung fossiler Treibhausgasemissionen und dem Erreichen globaler Klimaziele, da sie vielfältige Einsatzmöglichkeiten als Rohstoff und erneuerbarer Energieträger bietet. Die Nachfrage nach biogenen Rohstoffen und die Anwendungsfelder von Biomasse nehmen rasant zu, was bereits zu Nutzungskonkurrenzen führt. Die Autoren des Diskussionspapiers „Nachhaltiger Einsatz von Biomasse. Die Rolle von Biomasse in der Energiewende und in einer klimaneutralen Industrie“ betonen daher die Notwendigkeit eines strategischen und priorisierten Einsatzes von Biomasse basierend auf ihrer Verfügbarkeit.
Nicht überall, wo Biomasse theoretisch eingesetzt werden kann, ist dies zukünftig auch sinnvoll. Uns ist wichtig, mit dem Papier besonders auf neue wichtige und bislang wenig bekannte Anwendungen, wie den stofflichen Einsatz in der chemischen Industrie und der Metallurgie, aufmerksam zu machen. Wir wollen dafür sensibilisieren, die wertvolle und limitierte Ressource Biomasse mit Bedacht einzusetzen. Die von uns entwickelte Biomasse-Nutzungshierarchie soll dabei eine Hilfestellung geben.
erklärt Tania Begemann, Projektmanagerin Industrie & Produktion und eine der Autorinnen. Samir Khayat, Geschäftsführer von NRW.Energy4Climate, ergänzt:
Ergänzend zum herkömmlichen Einsatz von Biomasse nehmen aktuell neu aufkommende Nutzungspfade in der Industrie zu. Diese müssen bei der Planung des Ressourceneinsatzes und der Gestaltung entsprechender Politikinstrumente jetzt unbedingt mitgedacht werden. Das Papier ist somit auch ein wichtiger Diskussionsbeitrag für die aktuell in Planung befindliche Nationale Biomassestrategie. Eine solche Gesamtstrategie ist dringend notwendig.
Die kürzlich veröffentlichten Eckpunkte für die Nationale Biomassestrategie (NABIS) der Bundesregierung, die eine mittel- und langfristige, nachhaltige Ressourcennutzung sowie Klima- und Biodiversitätsschutz fördern sollen, greifen bereits Inhalte und Empfehlungen des Diskussionspapiers auf. Dazu gehören die Priorisierung des Biomasseeinsatzes und die Steigerung der Effizienz durch Kaskaden- beziehungsweise Mehrfachnutzung.
Die Biomasse-Nutzungshierarchie im Detail
Das Papier adressiert drei Haupt-Einsatzfelder von Biomasse: die strukturelle Nutzung in Produkten wie Textilien, Papier, Möbeln und Baumaterialien, die (roh-)stoffliche Nutzung beispielsweise in der Chemiebranche oder Metallurgie, sowie die energetische Nutzung zur Bereitstellung von Strom, Wärme oder Kraftstoffen. Jedes dieser Felder stellt spezifische Anforderungen an die Beschaffenheit und Qualität der Biomasse.
Eine mehrstufige Kaskadennutzung erhöht die Material- und Energieeffizienz im Vergleich zu einer einfachen, einmaligen Nutzung. Nach einer idealerweise mehrfachen strukturellen und stofflichen Nutzung sollte die energetische Verwertung von biogenen Abfall- und Reststoffen, oft durch Verbrennung, als letzter Schritt erfolgen. Um Einsatzfelder zielgerichtet nach dieser Biomasse-Nutzungshierarchie zu priorisieren, formuliert das Papier Forderungen an Forschung, Industrie und Politik.
Handlungsempfehlungen für Politik und Industrie
Um die Entwicklung in diesem Bereich voranzutreiben, sind neue politische Rahmenbedingungen sowie eine zielgerichtete und beschleunigte Diskussion, Festlegung und Umsetzung notwendiger Steuer- und Politikinstrumente erforderlich. Dabei sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
- Gezielte Förderungen zur systematischen Vorantreibung der Bereitstellung und Nutzung von Biomasse in zukunftsfähigen Einsatzfeldern, insbesondere dort, wo keine klimaneutralen Alternativen (hinsichtlich Rohstoff- oder Energiebedarf) verfügbar sind.
- Vermeidung von Fehlanreizen und Investitionen in Bereichen, in denen hochwertige Biomasse nicht effizient im Gesamtsystem eingesetzt wird, wie beispielsweise die Niedertemperaturwärmeerzeugung zur Gebäudebeheizung. Entsprechende bestehende Förderungen sollten angepasst werden.
- Stärkung von Wertschöpfungsketten, die eine mehrfache Nutzung von Biomasse vorsehen. Beim Biomasse-Einsatz sollten biogene Abfall- und Reststoffe, wo verfahrenstechnisch möglich, stets Vorrang vor frischer Anbau-Biomasse haben.
Das Papier identifiziert zudem Bereiche, in denen weiterer Forschungs- und Technologieentwicklungsbedarf besteht, und weist auf fehlende oder zu aktualisierende Daten zur Erhebung künftiger Biomassebedarfe hin.
