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Wirtschaftliche Entwicklung 2022: Deutschland behauptet sich trotz Krisen

Trotz multipler Krisen wie dem Ukraine-Krieg, extremen Energiepreisen und Lieferengpässen konnte sich die deutsche Wirtschaft 2022 behaupten. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg um 1,9 Prozent, getragen von Nachholeffekten in Dienstleistungsbereichen und robustem Arbeitsmarkt.

Deutsche Wirtschaft trotzt globalen Herausforderungen

Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland verzeichnete im Jahr 2022 einen Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kalenderbereinigt lag das Wirtschaftswachstum bei 2,0 Prozent. Dies geht aus ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor.

Die gesamtwirtschaftliche Lage war im Berichtsjahr maßgeblich durch die Folgen des Ukraine-Krieges geprägt, insbesondere durch extreme Energiepreiserhöhungen. Hinzu kamen verschärfte Material- und Lieferengpässe, stark steigende Preise, etwa für Nahrungsmittel, sowie der anhaltende Fachkräftemangel und die Corona-Pandemie, deren Auswirkungen im Jahresverlauf jedoch nachließen. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen konnte sich die deutsche Wirtschaft im Jahr 2022 behaupten. Im Vergleich zu 2019, dem Jahr vor der Pandemie, lag das BIP 2022 um 0,7 Prozent höher.

„Die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland war im Jahr 2022 geprägt von den Folgen des Kriegs in der Ukraine wie den extremen Energiepreiserhöhungen. Hinzu kamen verschärfte Material- und Lieferengpässe, massiv steigende Preise beispielsweise für Nahrungsmittel sowie der Fachkräftemangel und die andauernde, wenn auch im Jahresverlauf nachlassende Corona-Pandemie. Trotz dieser nach wie vor schwierigen Bedingungen konnte sich die deutsche Wirtschaft im Jahr 2022 insgesamt gut behaupten.“

Dr. Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes

Differenzierte Entwicklung in den Wirtschaftsbereichen

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung stieg 2022 insgesamt um 1,8 Prozent im Vergleich zu 2021, wobei sich die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen heterogen gestaltete. Einige Dienstleistungsbereiche profitierten nach dem Wegfall der meisten Corona-Schutzmaßnahmen von deutlichen Nachholeffekten. Besonders stark legten die Sonstigen Dienstleister zu, zu denen auch die Kreativ- und Unterhaltungsbranche gehört, mit einem Plus von 6,3 Prozent. Auch die Bereiche Verkehr und Gastgewerbe verzeichneten durch die Aufhebung der Schutzmaßnahmen ein kräftiges Wachstum, was zu einem Anstieg von 4,0 Prozent im zusammengefassten Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe führte.

Im Gegensatz dazu ging die Bruttowertschöpfung im Handel zurück, nachdem sie im Vorjahr noch gestiegen war. Der Bereich Information und Kommunikation setzte seinen langjährigen Wachstumstrend fort und erzielte einen Zuwachs von 3,6 Prozent. Das Baugewerbe, das die Corona-Krise vergleichsweise gut überstanden hatte, verzeichnete aufgrund von Material- und Fachkräftemangel, hohen Baukosten und verschlechterten Finanzierungsbedingungen einen Rückgang der Bruttowertschöpfung um 2,3 Prozent. Auch das Verarbeitende Gewerbe litt unter hohen Energiepreisen und eingeschränkter Verfügbarkeit von Vorprodukten, was zu einem geringen Anstieg von 0,2 Prozent führte. Hier wirkten sich insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2022 gestörte internationale Lieferketten und der massive Anstieg der Energiepreise aus.

Nachfrage und Investitionen

Auf der Nachfrageseite waren die privaten Konsumausgaben die wichtigste Stütze der deutschen Wirtschaft. Sie stiegen preisbereinigt um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichten damit nahezu das Vorkrisenniveau von 2019. Dies ist auf Nachholeffekte nach der Aufhebung der Corona-Schutzmaßnahmen im Frühjahr 2022 zurückzuführen, insbesondere bei Ausgaben für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen sowie für Freizeit, Unterhaltung und Kultur.

Die Konsumausgaben des Staates erhöhten sich 2022 nach zwei von Corona geprägten Jahren moderat um 1,1 Prozent. Der Staat investierte verstärkt in die Versorgung und Unterbringung von Schutzsuchenden, während die Ausgaben zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sanken, trotz weiterhin umfangreicher Beschaffung von Impfstoffen. Die Bauinvestitionen nahmen preisbereinigt um 1,6 Prozent ab. Fehlende Baumaterialien, Fachkräftemangel im Hochbau und bei Wohnbauten sowie zunehmende Auftragsstornierungen aufgrund hoher Baupreise und steigender Bauzinsen verstärkten diesen negativen Trend. Demgegenüber stiegen die Investitionen in Ausrüstungen, wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge, preisbereinigt um 2,5 Prozent.

Der Außenhandel zeigte trotz starker Preisanstiege eine Zunahme: Die Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen preisbereinigt um 3,2 Prozent, während die Importe mit 6,7 Prozent deutlich stärker zulegten. Dies führte dazu, dass der Außenbeitrag das BIP-Wachstum insgesamt dämpfte.

Arbeitsmarkt und Staatsfinanzen

Der Arbeitsmarkt erwies sich in diesem schwierigen Umfeld als robust. Durchschnittlich 45,6 Millionen Erwerbstätige hatten 2022 ihren Arbeitsort in Deutschland, ein Anstieg von 1,3 Prozent oder 589.000 Personen gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Höchststand. Der Beschäftigungsaufbau erfolgte hauptsächlich bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und in den Dienstleistungsbereichen. Im Verarbeitenden Gewerbe stieg die Zahl der Erwerbstätigen nur leicht und konnte die Verluste der Vorjahre nicht ausgleichen. Das Baugewerbe verzeichnete trotz Fachkräftemangel einen kleinen Beschäftigungszuwachs.

Die staatlichen Haushalte schlossen das Jahr 2022 mit einem Finanzierungsdefizit von 101,6 Milliarden Euro ab, was eine Reduzierung um knapp 33 Milliarden Euro gegenüber 2021 darstellt. Die Entlastungen durch auslaufende Corona-Maßnahmen wurden jedoch durch neue Belastungen infolge der Energiekrise überlagert. Die Bundesregierung legte drei Entlastungspakete auf, um den steigenden Energiekosten entgegenzuwirken und Verbraucher sowie die Wirtschaft zu unterstützen. Diese Pakete führten zu höheren Staatsausgaben, die überwiegend vom Bund finanziert wurden. Das Defizit des Bundes lag mit 117,6 Milliarden Euro etwas höher als das Defizit des Staates insgesamt. Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen verzeichneten leichte Finanzierungsüberschüsse. Die Defizitquote des Staates betrug 2,6 Prozent des nominalen BIP und war damit deutlich niedriger als in den beiden Vorjahren.

13.01.2023

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