Hintergründe der Preisentwicklung 2022
Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Jahresdurchschnitt 2022 um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Diese Jahresteuerungsrate liegt signifikant über dem Wert von 3,1 Prozent aus dem Jahr 2021. Hauptursächlich für diesen Anstieg waren die extremen Preisentwicklungen bei Energieprodukten und Nahrungsmitteln, die insbesondere seit Beginn des Krieges in der Ukraine zu beobachten waren.
Zum Jahresende 2022 schwächte sich die Inflationsrate im Dezember auf 8,6 Prozent ab, verblieb jedoch auf einem hohen Niveau. Im gesamten Jahresverlauf 2022 waren die monatlichen Inflationsraten hoch und erreichten im September die 10-Prozent-Marke. Der Spitzenwert wurde im Oktober 2022 mit 10,4 Prozent verzeichnet.
Krisen- und kriegsbedingte Sondereffekte prägen das Jahr 2022
Das Jahr 2022 war von krisen- und kriegsbedingten Sondereffekten geprägt, darunter Lieferengpässe und deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Obwohl diese Preiserhöhungen nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben wurden, verteuerten sich Energie und Nahrungsmittel spürbar. Entlastungsmaßnahmen wie das 9-Euro-Ticket, der Tankrabatt, der Wegfall der EEG-Umlage, die Senkung der Umsatzsteuer auf Gas und Fernwärme sowie die einmalige Übernahme der Gas- und Wärmerechnung für Dezember milderten die außergewöhnlich hohen monatlichen Inflationsraten zeitweise ab.
Energiepreise als Haupttreiber der Inflation
Im Jahresdurchschnitt 2022 verteuerten sich Energieprodukte um 34,7 Prozent, nach einem Anstieg von 10,4 Prozent im Jahr 2021. Besonders betroffen war die Haushaltsenergie mit einem Preisanstieg von 39,1 Prozent. Hier stiegen die Preise für leichtes Heizöl um 87,0 Prozent und für Erdgas um 64,8 Prozent. Strom verteuerte sich um 20,1 Prozent. Kraftstoffe wurden im Jahresdurchschnitt um 26,8 Prozent teurer, wobei Diesel um 39,6 Prozent und Super um 21,8 Prozent zulegten. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Jahresteuerungsrate 2022 lediglich bei 4,9 Prozent gelegen.
Deutliche Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln
Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich 2022 um 13,4 Prozent gegenüber 2021, im Vergleich zu 3,2 Prozent im Vorjahr. Alle Nahrungsmittelgruppen waren von Preissteigerungen betroffen. Überdurchschnittlich stark verteuerten sich Speisefette und Speiseöle (+36,2 Prozent, darunter Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Ähnliches: +63,9 Prozent; Butter: +39,1 Prozent) sowie Molkereiprodukte und Eier (+19,7 Prozent). Auch Fleisch und Fleischwaren (+14,6 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+13,5 Prozent) wurden überdurchschnittlich teurer. Die Jahresteuerungsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln lag 2022 bei 4,0 Prozent.
Waren und Dienstleistungen im Detail
Waren insgesamt verteuerten sich im Jahresdurchschnitt 2022 um 13,5 Prozent, maßgeblich beeinflusst durch gestiegene Preise für Verbrauchsgüter (+18,0 Prozent), zu denen Energieprodukte und Nahrungsmittel zählen. Gebrauchsgüter wurden um 5,3 Prozent teurer, darunter Fahrzeuge (+8,7 Prozent, mit Gebrauchtwagen: +21,2 Prozent) sowie Möbel und Leuchten (+7,9 Prozent).
Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich 2022 um 2,9 Prozent. Die Nettokaltmieten stiegen im Jahresdurchschnitt um 1,8 Prozent. Deutlich stärkere Preissteigerungen gab es bei Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen (+7,4 Prozent) sowie bei der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+6,4 Prozent). Brief- und Paketdienstleistungen wurden um 3,1 Prozent teurer. Preisrückgänge gab es bei der Telekommunikation (-1,2 Prozent) und Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (-1,7 Prozent). Das 9-Euro-Ticket führte zu einem Rückgang der Preise für Bahntickets im Nahverkehr um 8,8 Prozent und im kombinierten Verkehr um 14,3 Prozent.
Abschwächung der Inflation im Dezember durch Energiepreise
Im Dezember 2022 lag die Inflationsrate bei 8,6 Prozent, nach 10,0 Prozent im November. Der Preisanstieg für Energie verringerte sich auf 24,4 Prozent (November: 38,7 Prozent). Ein wesentlicher Faktor war die „Dezember-Soforthilfe“, die für einen Teil der privaten Haushalte die monatliche Abschlagszahlung für Erdgas und Fernwärme entfallen ließ. Dies führte dazu, dass die Teuerungsrate für Erdgas im Dezember bei 26,1 Prozent lag, deutlich niedriger als in den Vormonaten. Fernwärme war sogar um 17,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Im November lagen die Teuerungsraten für Erdgas bei 112,2 Prozent und für Fernwärme bei 36,6 Prozent. Auch andere Energieprodukte wie leichtes Heizöl (+45,0 Prozent) und Kraftstoffe (+8,9 Prozent) zeigten geringere Preisanstiege. Der Strompreis stieg jedoch um 27,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Bei den Nahrungsmittelpreisen gab es im Dezember keine deutliche Entspannung; sie erhöhten sich um 20,7 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Preise für Nahrungsmittel und Energie hätte die Inflationsrate im Dezember 2022 bei 5,2 Prozent gelegen, ohne Energie bei 6,8 Prozent.
Waren verteuerten sich im Dezember 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,9 Prozent, Dienstleistungen um 3,9 Prozent. Gebrauchsgüter wurden um 6,8 Prozent teurer, darunter Möbel und Leuchten (+10,1 Prozent) sowie Bekleidungsartikel (+5,1 Prozent). Bei Dienstleistungen stiegen die Nettokaltmieten um 1,9 Prozent, Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen um 9,6 Prozent und Leistungen für Friseur und Körperpflege um 7,5 Prozent. Die Telekommunikation wurde hingegen günstiger (-1,2 Prozent).
Im Vergleich zum Vormonat November 2022 sank der Verbraucherpreisindex im Dezember um 0,8 Prozent, hauptsächlich bedingt durch einen Rückgang der Energiepreise um 11,6 Prozent. Deutliche Preisrückgänge gab es bei Erdgas (-39,1 Prozent) und Fernwärme (-39,6 Prozent) infolge der „Dezember-Soforthilfe“. Auch leichtes Heizöl (-12,1 Prozent) und Kraftstoffe (-8,9 Prozent) gaben nach, während Strom leicht teurer wurde (+0,4 Prozent). Nahrungsmittelpreise stiegen im Monatsvergleich um 0,8 Prozent. Bahnpreise zogen im Dezember infolge jährlicher Tarifänderungen an (+3,1 Prozent, Nahverkehr: +3,9 Prozent).
